Ironman auf Hawaii – Weltmeisterschaft 2022

Hallo Zusammen oder auf hawaiianisch: ALOHA,

ich melde mich jetzt gute acht Wochen nach der Weltmeisterschaft des Ironman auf Hawaii. Ich möchte in diesem Bericht den vergangenen Wettkampf noch einmal Revue passieren lassen.

Anreise zum Ironman auf Hawaii

Auf dem Weg zum Ironman auf Hawaii finden meine Trainerin und ich uns viel zu früh am Flughafen wieder. Uns steht eine mehr als 24 Stunden dauernde Reise mit insgesamt drei verschiedenen Flügen bevor. Die größte Sorge bereitet mir dabei der Transport meines Fahrrades. Zuvor habe ich das Rad auseinandergebaut und mit Bläschenfolie im Radkoffer ausgepolstert. Schließlich möchte ich nicht riskieren, auf Hawaii noch einen Raddefekt beheben zu müssen.

Unser erster Flug ist nur von kurzer Dauer und bringt uns nach München. Mit ausreichend Zeit zum Umsteigen geht es anschließend auch gleich weiter nach San Francisco. Der Flug nach San Francisco dauert 12 Stunden. Leider kommen wir hier mit etwas Verspätung an, sodass sich das Umsteigen als sehr knapp gestaltet. Wir müssen schließlich noch die amerikanische Grenzkontrolle und den Zoll passieren, bevor es weiter zum Ironman auf Hawaii geht. Unser Flug „boardet“ schon als wir das Gate erreichen. Hoffentlich schafft es unser Gepäck auch noch pünktlich ins Flugzeug. Wir verlassen San Francisco und fliegen weitere 6 ½ Stunden nach Hawaii. Genauer gesagt ist unser Ziel die größte der hawaiianischen Inseln, die entsprechend auch Big Island heißt.

Ankunft auf Hawaii

Als das Flugzeug wieder festen Boden erreicht, ist es draußen bereits dunkel. Wir landen gegen 20.00 Uhr nach hawaiianischer Zeit. Das bedeutet, dass es in Deutschland bereits 8.00 Uhr am nächsten Morgen ist. Zum Aussteigen wird eine schmale Treppe ans Flugzeug gerollt. Wenige Minuten später finden wir uns mitten auf dem Rollfeld wieder. Die schwüle Luft schlägt uns entgegen und überall riecht es nach den vielen Blumen, die schon am Flughafen auffallen. Durch den „open air“ Flughafen, der kaum als solcher zu erkennen ist, geht es weiter in Richtung Gepäckband. Zum Glück können wir all unser Gepäck wieder finden und machen uns auf den Weg zu unserer Wohnung. Völlig übermüdet wollen wir jetzt nur noch eins: Schlafen.

Jetlag, Akklimatisierung und die ersten Eindrücke

Da in Deutschland jetzt schon der nächste Tag angebrochen ist, werden wir am nächsten Morgen viel zu früh wach. Für uns Triathleten ist das gar nicht mal so schlimm, weil der Startschuss am Wettkampftag auch sehr früh fällt und wir uns so schon einmal an das frühe Aufstehen gewöhnen können. Wir beschließen uns also nach einem ersten Kaffee auf dem Balkon mit Blick auf den Pazifik auf den Weg zum Pier in Kona zu machen. Dort möchten wir einen ersten Eindruck von dem Ort des Geschehens und der Schwimmstrecke bekommen.

Auf unserem Weg zum Pier fahren wir Teile der Laufstrecke entlang. Wir passieren die Bucht von Kona über den Alii Drive, der am Wettkampftag dann sowohl den Beginn der Laufstrecke als auch den Zieleinlauf darstellen wird. Am Pier sehen wir einige wenige andere Athlet:innen, denen wir hinunter zum „Dig me Beach“ folgen. Ich stehe am Strand mit gemischten Gefühlen. Einerseits kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen, um morgens schwimmen zu gehen. Das Wasser ist angenehm warm, an diesem Tag ist es nicht wellig und sehr klar.

Trainieren auf der Insel

Dem Gegenüber steht die Tatsache, dass ich bisher nach wie vor noch Probleme im Freiwasser habe und für gewöhnlich Schwierigkeiten mit dem Wassergefühl und der Orientierung habe. Wir wollen nur locker schwimmen und machen uns auf den Weg zur ersten Boje, die in regelmäßigen Abständen gesteckt sind und somit signalisieren, wie weit man geschwommen ist. Die vielen Fische lenken mich ab, sodass ich mich allmählich sogar richtig wohl im Freiwasser fühle. Auch eine erste Schildkröte können wir bei dieser ersten Schwimmeinheit entdecken. Mit vielen neuen Eindrücken verlassen wir den Strand und machen uns auf den Weg, mehr von der Stadt zu entdecken.

Die ersten Tage verlaufen weiterhin recht locker. Ein paar kürzere Läufe stehen auf dem Programm, das Rad wird aufgebaut und Probe gefahren und das morgentliche Schwimmen darf natürlich auch nicht fehlen. Dabei wechseln wir die Freiwasser und Pool Einheiten morgendliche ab. Ein Morgen bleibt dabei ganz besonders in Erinnerung. Erneut sind wir recht früh am Pier und schwimmen ein Stück raus. Ich werde müde und signalisiere meiner Trainerin, dass wir doch jetzt eigentlich umdrehen könnten. Währenddessen schaue ich auf und sehe eine Flosse eines Delfins vor mir. Die Müdigkeit ist schnell vergessen und wir schwimmen weiter in die Richtung, wo wir die Flosse gesehen haben.

Delfine während des Schwimmtrainings

Bereits auf dem Weg können wir die Delfine um uns herum ganz deutlich hören und wenige Minuten später sind auch die ersten Delfine sichtbar. Ein Delfin schwimmt auf uns zu und springt direkt neben uns aus dem Wasser. Insgesamt sind wir von etwa 30 Delfinen umgeben, die sehr neugierig scheinen und uns ein Stück begleiten. Dieses Erlebnis werde ich so schnell sicherlich nicht vergessen. Da wir so früh angereist sind, sind wir zu der Zeit morgens auch noch fast alleine im Wasser. Der Ort Kona ist noch relativ leer und mit Ausnahme der Profis sieht man kaum Triathleten. Die frühe Anreise zahlt sich aber aus und so ist es mir möglich, die gesamte Radstrecke einmal ab zu fahren und mich an die Winde Hawaiis zu gewöhnen.

Als ich mich auf den Weg mache, den Anstieg in einem Ort, der sich Hawi nennt, zu erkunden, mache ich meine erste Bekanntschaft mit den sogenannten Mumuku Winden. Das sind Fallwinde, die von dem Vulkan aus wehen. Sie treten in Böen auf, sodass sie das Rad fahren deutlich erschweren.

Das Energy Lab auf der Laufstrecke

Einen weiteren Knackpunkt des Ironman auf Hawaii stellt das sogenannte Energy Lab dar. Auch ich bekomme in der Wettkampfsvorbereitung einen ersten Eindruck von den Schwierigkeiten des Energy Labs. Das Energy Lab ist ein Abschnitt der Laufstrecke, der sich etwa von km 24- 30 erstreckt. Zuschauern ist der Zutritt zum Energy Lab verwehrt, sodass dieser Abschnitt sehr einsam ist. Hinzu kommt der reflektierende Asphalt, der dort jährlich die Höchsttemperaturen des Tages messen lässt. Die Strecke ist dort leicht hügelig und von Kilometer 28-30 gibt es einen Anstieg zu bewältigen, der es in sich hat.

Vorbereitung auf den Marathon

Wir kalkulieren, dass ich, wenn alles nach Plan verläuft, etwa um 2 Uhr vom Rad steigen sollte, sodass wir die kommenden Laufeinheiten auch immer um 2 Uhr und damit in der Mittagshitze beginnen. Ohne Radbegleitung und Wasserflaschen wäre das überhaupt nicht möglich. Ich bin also sehr froh, dass mich meine Trainerin begleitet und starte voller Euphorie in einen geplanten 28 km Lauf über den Highway zum Energy Lab und zurück. Bereits nach 12 km endet dieser dann aber ungeplant und weniger euphorisch.

Ich verliere viel zu viel Flüssigkeit und trotz Begleitung ist es mir nicht möglich, ausreichend zu kühlen und die Flüssigkeit wieder aufzufüllen. So bereitet mir tatsächlich das erste Mal das Laufen, welches sonst meine Paradedisziplin darstellt die größte Sorge. Mit diesem Misserfolg wollen wir uns allerdings nicht geschlagen geben. Wir probieren den Lauf am darauf folgenden Tag und mit doppelter Radbegleitung erneut. Dieses Mal gelingt der Lauf und ich fühle mich sogar tatsächlich das erste Mal wirklich gut beim Laufen auf der Insel. Wie ich mich im Wettkampf dann aber fühle, bleibt abzuwarten.

Große Sorge bereitet mir auch die früh untergehende Sonne. Ich werde nach Ortszeit um 6.45 Uhr starten. Die Sonne geht hier gegen 18.30 Uhr unter. Mit einer Zeit von 11.40 Stunden wird es also langsam knapp mit dem Tageslicht. Ich stelle es mir nicht sehr angenehm vor, bei Anbruch der Dunkelheit noch auf dem nicht beleuchteten Highway unterwegs zu sein.

Der Wettkampf rückt immer näher. Nach und nach kommen auch die anderen Freunde und meine Familie auf Hawaii an. Mein Supporter Team besteht aus 13 Leuten und hilft mir dabei in der trainingsfreien Zeit den bevorstehenden Wettkampf mal für einen Moment zu vergessen und die Vielfalt der hawaiianischen Insel zu genießen.

Raceweek

In der Rennwoche dreht sich in dem kleinen Örtchen Kona gefühlt alles nur noch um den Ironman. Die Ironman Messe wird aufgebaut und am Pier finden sich immer mehr Athlet:innen zum morgendlichen Schwimmen ein. In der Bucht von Kona liegt nun das Kaffee Boot, zu dem man morgens für einen ersten Kaffee schwimmen kann.

Veranstaltungen wie ein Eröffnungsbouquet und das Race Briefing, in dem man noch einmal die wichtigsten Regeln erklärt bekommt, finden statt. Außerdem gibt es traditionell in der Rennwoche das sogenannte Huala Schwimmen, zu dem man sich anmelden kann und einmal unter Wettkampfbedingungen die gesamte Schwimmstrecke abschwimmen kann.

Besonders ist auch die Parade der Nationen. Dort ziehen alle Athlet:innen nach Nationen geordnet durch den Ort und repräsentieren dabei ihr Land. Für viel Unterhaltung hat der „underpants run“ gesorgt. Bei dem die Teilnehmer:innen nur in Unterwäsche bekleidet etwa 5 km durch Kona laufen.

Organisation vor dem Raceday

Den wohl stressigsten Teil der Rennwoche stellt der Tag vor dem eigentlichen Wettkampf dar. Hier gilt es noch einiges zu organisieren. Die letzten Trainingseinheiten müssen absolviert werden. Am Tag vorher möchte ich nämlich jede der drei Disziplinen noch einmal kurz testen um den Körper zu aktivieren und in den Wettkampfmodus zu versetzen.

Außerdem steht der „Bike Check-In“ bevor. Das Rad und die Wechselbeutel müssen in die Wechselzone gebracht werden. In den Wechselbeuteln müssen alle Sachen verstaut sein, die ich im Wettkampf auf der 180 km langen Radstrecke und beim Marathon brauche. Ich gehe im Kopf noch einmal alles durch, bevor ich die Sachen in der Wechselzone abgebe, da ich Sorge habe, etwas zu vergessen. Zwei Radpannen kurz vor dem Rad Check-In sorgen an diesem Tag noch einmal für Aufregung. Hoffentlich passiert mir das im Wettkampf nicht. Als ich das Rad mit neuen Schläuchen und Reifen bestückt habe, bringe ich alles in die Wechselzone. Mit der Abgabe vom Rad und den Beuteln schwindet auch die Anspannung und Vorfreude macht sich breit. Jetzt kann ich nichts mehr ändern und mich einfach auf das Erlebnis am kommenden Tag freuen.

Raceday

Um 4 Uhr morgens klingelt mein Wecker. Ich möchte etwa 2 ½ Stunden vor meinem Start um 6.45 Uhr gefrühstückt haben. Am Rennmorgen stehen Haferflocken mit Banane und Datteln auf dem Speiseplan. Danach creme ich mich mit Vaseline ein, um mich vor Scheuer und Schürfwunden zu schützen. Ich klebe die Renntattoos, die meine Startnummer markieren, auf und mache mich mit meinen Schwimmsachen auf den Weg zur Wechselzone.

Los gehts zur Wechselzone

Die Stimmung morgens im Dunkeln am Pier ist einzigartig. In der Luft liegen die Anspannung der Athlet:innen und die Euphorie der vielen freiwilligen Helfer. An meinem Rad angekommen treffe ich die letzten Vorkehrungen. Ich pumpe die Reifen auf, positioniere die Radschuhe auf den Pedalen und befestige die Verpflegung für die 180 km. Hierfür habe ich die Gels, die ich brauchen würde, in einer Radflasche aufgelöst. 21 Gels möchte ich während des Radfahrens zu mir nehmen. Das entspricht etwa 420 Gramm Kohlenhydraten.

Als alles erledigt ist, gehe ich hinüber zum Schwimmstart. Nach Altersklassen sortiert finden sich die Athletinnen auf dem roten Teppich, der später der Zieleinlauf sein würde, ein und warten darauf, dass ihre Altersklasse starten kann. Meine Freunde und meine Familie warten im Startbereich auf mich, sodass ich noch einmal mit ihnen reden kann, bevor es losgeht. Vor dem Start wird von einer Sängerin die amerikanische Hymne angestimmt.

Ab ins Wasser

Um 6.15 Uhr geht es mit einer nicht zu überhörenden Kanone für die Profifrauen als Erstes auf die 3,8 km lange Schwimmstrecke. Danach starten die jeweiligen Altersklassen im 10 Minuten Abstand. Als 3. Altersklasse geht es dann auch endlich los. Wir gehen gemeinsam ins Wasser und schwimmen ein Stück vor, wo Surfboards die Startlinie markieren. Viel zu spät realisiere ich, dass ich eine ungünstige Position mitten im Feld gewählt habe. Da fällt auch schon der Startschuss. Die Konsequenz davon bekomme ich direkt zu spüren. Vor mir sind schwächere Schwimmerinnen, die ich umschwimmen muss, während gleichzeitig von allen Seiten Beine und Arme auf mich einprügeln. Ich beschließe mich nicht groß zu orientieren, sondern einfach erstmal möglichst weit vorwärtszukommen, während ich versuche, etwas mehr an den Rand zu kommen. Diese Versuche gestalten sich als äußerst schwierig, da ich durch die Schläge und Tritte mehr Zeit unter als über dem Wasser verbringe.

Nichtsdestotrotz schaffe ich es, Ruhe zu bewahren und bin irgendwann am Rand mit ausreichend Platz. Ab diesem Zeitpunkt ist es mir möglich, mein eigenes Tempo zu schwimmen und das auch relativ konstant über die 3,8 km durch zu halten. Insgesamt ist das Schwimmen dann zwar wellig, aber ich habe ausreichend Platz und kann daher entspannt bleiben. Auch die Orientierung ist nicht weiter problematisch, da 1,9 km gerade aus geschwommen werden, bevor ein Boot den Wendepunkt markiert und es 1,9 km zurückgeht. Nach 1.13 h klettere ich aus dem Wasser und liege damit genau in der Zeit, die ich für das Schwimmen erwartet habe. In meiner Altersklasse bin ich damit auf Position 60. Da das Schwimmen meine schwächste Disziplin ist, war das zu erwarten. Ich schnappe mir meinen Wechselbeutel und laufe ins Wechselzelt. Schwimmbrille und Badekappe verstaue ich im Wechselbeutel und laufe weiter zu meinem Rad.

Ab aufs Rad

Dank des schnellen Wechsels habe ich bereits in der Wechselzone einige Athletinnen aus meiner Altersklasse überholt und so begebe ich mich voller Vorfreude auf die 180 km lange Radstrecke. Die ersten 20 km führen dabei noch mal durch Kona, sodass ich meine Familie und meine Freunde noch einige Male wieder sehe, die mir vom Rand aus zu jubeln, bevor ich auf den Queen Kaahumanu Highway abbiege.

Der Highway führt mitten durch die Lavafelder und ist für die Einsamkeit unterwegs bekannt. Die nächsten Stunden verbringe ich vor allem damit, meine Wattwerte zu kontrollieren und im 10 Minuten Abstand zu trinken, Gels aufzunehmen, Salz zu zuführen und meinen Körper zu kühlen, indem ich mir Wasser über den Kopf kippe. Ich möchte nicht riskieren, in diesen extremen Bedingungen einen Fehler in der Verpflegung zu machen oder die Werte zu überziehen.

Im Vorhinein habe ich mich kaum getraut auszusprechen, dass ich mir insgeheim eine Radzeit von unter 6 Stunden erhoffe. Das würde für mich eine neue persönliche Bestzeit über die 180 km bedeuten. Zwar waren die Werte aus den Trainingseinheiten zuvor recht vielversprechend, allerdings bleibt die Unsicherheit, was die klimatischen Bedingungen für den Rennverlauf bedeuten würden. Immer wieder gucke ich auf meinen Radcomputer und stelle zufrieden fest, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit über 30 km/h liegt und ich damit auf Bestzeitkurs liege.

Sophia auf dem Rad während des Ironman auf Hawaii
Sophia auf der Radstrecke

Halbzeit auf der Radstrecke

Auf dem Hinweg kommt mir Jan Frodeno, der amtierende Hawaiisieger entgegen, der uns Altersklassen Athlet:innen anfeuert. Das sorgt für die nötige Euphorie für den Rest der Radstrecke. Kurz vor dem Wendepunkt bei Kilometer 95 gilt es noch einen Anstieg zu bewältigen. Den Anstieg nehme ich allerdings kaum wahr, da mir an dieser Stelle das Frauenprofifeld entgegenkommt und ich gespannt die Führende und die jeweiligen Abstände zu den Verfolgerinnen beobachte. Als ich mich bei Kilometer 95 dann selbst auf den Rückweg mache, kann ich kaum glauben, dass ich bis hier her genau 3 Stunden gebraucht habe. Der Rückweg würde nämlich kürzer sein und erst einmal Berg ab gehen, sodass mein Ziel von einer Radzeit unter 6 Stunden zum Greifen nah scheint.

Immer wieder erinnere ich mich daran, mich nicht zu früh zu freuen und weiterhin konzentriert zu bleiben, um Fehler zu vermeiden. Ich achte also noch genauer auf meine Verpflegungsstrategie und halte mich akribisch genau an das Trinken im 10-Minuten-Takt, einen Schluck Gel alle 20 Minuten und eine Salztablette jede Stunde. Als ich mich Kona nähere öffne ich meine Radschuhe, schlüpfe hinaus und steige überglücklich mit einer Zeit von 5.40 Stunden vom Rad.

Das Ende der Radstrecke des Ironman auf Hawaii
Ende in Sicht

„Nur“ noch der Marathon auf Hawaii

Ich laufe durch die Wechselzone, stelle das Rad ab und laufe weiter in Richtung Wechselzelt. Im Zelt setze ich mich um meine Laufschuhe anzuziehen. Sofort kommt eine Helferin und legt mir ein nasses Handtuch in den Nacken. Sobald ich die Schuhe an habe, laufe ich los und verstaue im Laufen die Verpflegung für die Laufstrecke in meinem Einteiler, setze meine Kappe auf und ziehe meine Schweißbänder, die zum Kühlen dienen, an.

Als ich auf die Laufstrecke starte, fällt mir auf, dass das nasse Handtuch noch immer in meinem Nacken klebt. Wohin damit? Egal! Ich schmeiße das Handtuch über ein Absperrgitter am Rand und laufe los. Erst dann fällt mir auf, dass viele andere das Handtuch behalten haben und zum Kühlen nutzen. Clever… Wie auch immer muss es für mich jetzt wohl ohne gehen. Das hat ja in den vorherigen Wettkämpfen auch ganz gut funktioniert.

Die ersten Kilometer

Die ersten Kilometer führen mich wie auch schon auf dem Rad zunächst einmal an meiner Familie und meinen Freunden vorbei. Ich freue mich sehr darüber, sie zu sehen und versuche erst einmal in mein Lauftempo zu finden. Getragen von der super Stimmung am Rand der Strecke und der Euphorie durch meine Radzeit geht das Laufen zunächst einmal wie von selbst. Meine Beine fühlen sich heute sehr gut an und immer wieder gucke ich auf meine Laufuhr, die mir anzeigt, dass ich schneller bin, als ich geplant habe. Ich bremse mich, weil ich für diese Euphorie im späteren Verlauf nicht bezahlen möchte und versuche langsamer zu laufen, um mich an die Pacingstrategie zu halten.

Anfeuerung durch Freunde, Familie und Freunde

Es geht weiter die Küste hinunter, an unserer Wohnung vorbei, wo mich Marvin und meine anderen Freunde abpassen. Bei Kilometer 7 erreiche ich dann den Wendepunkt an der Küste und ich laufe wieder zurück Richtung Kona. Erneut komme ich an der Wohnung und damit nochmal an Marvin und meinen Freunden vorbei. Insgesamt ist auf der Küstenstraße, dem sogenannten Alii Drive eine super Stimmung. Überall sind Leute, die einen anfeuern. Fremde loben meine Pace, meinen Laufstil oder einfach meinen Einteiler. All das gibt einem Kraft für die folgenden Kilometer.

Ich komme bei meiner Trainerin vorbei, die mir meine Radzeit nochmal genau bestätigt und sich mindestens genauso darüber freut wie ich. Außerdem bekomme ich von ihr die Information, dass ich eine Marathonzeit von unter 4 Stunden laufen müsse, um insgesamt unter 11 Stunden zu bleiben. Sie sagt, ich habe also alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Kurz denke ich darüber nach und erwidere, dass das nicht ganz stimmt, weil die Bestzeit im Marathon noch fehlen würde. Wir beide lachen, weil wir wissen, dass das natürlich nur ein Spaß ist und unserer Ansicht nach utopisch ist auf dieser Strecke.

Unser Campus Captain Marvin beim Ironman auf Hawaii
Unser Campus Captain Marvin beim Ironman auf Hawaii

Der Traum einer neuen Bestzeit

Nichtsdestotrotz stimmt es, dass ich mir die Zeit von unter 11 Stunden zwar im Vorhinein ausgemalt habe, auch das habe ich aber nicht wirklich zu träumen gewagt, da ich damit meine Bestzeit um 40 Minuten verbessern würde. Dabei heißt es doch immer, dass man bei dem Ironman auf Hawaii tendenziell eher eine Stunde langsamer ist. Eine Marathonzeit von unter 4 Stunden scheint mir aber durchaus realistisch. Schließlich bin ich in Nizza den Marathon schon in 3.42 h gelaufen. Klar, Nizza war flach und auch nicht so warm wie Hawaii, aber das blende ich einfach aus. Ich laufe also so weiter wie bisher und versuche möglichst konstant bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 5 Minuten auf den Kilometer zu laufen.

Bei den Verpflegungsstationen beschließe ich zu gehen, um ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen und mich mit Eiswürfeln zu kühlen. Alle 4 Kilometer nehme ich ein Gel zu mir, wobei ich den Geschmack aus Orange ohne Koffein und Himbeere mit Koffein abwechsele. Alle 10 Kilometer nehme ich eine Salztablette zu mir.

Zurück in Kona

Als ich durch Kona laufe treffe ich erneut meine Familie und meine Freunde. In Kona selbst gilt es den steilsten Anstieg der Laufstrecke, die Palani Road, zu bewältigen. Begleitet von meiner Familie und meinen Freunden laufe ich die Palani Road hoch, bevor ich auf den Highway abbiege. Oben auf dem Highway sorgen einige Zuschauer noch einmal für ordentlich Stimmung, bevor ich Kona dann verlasse und mich auf den Weg in Richtung Energy Lab mache, wohl wissend, dass nun der härteste Teil des Tages folgen würde.

Es ist mittlerweile früher Nachmittag und die Sonne ist deutlich spürbar. Der Asphalt des Highways reflektiert die Hitze, sodass es sich beim Laufen noch einmal wärmer anfühlt, als es ohnehin schon ist. Hinzu kommt, dass es nun ohne Zuschauer weiter geht. Für die folgenden 9 Kilometer geht es erst einmal wellig gerade aus, bevor man dann ins sogenannte Energy Lab abbiegt.

Ich versuche mich nicht auf die noch zu bewältigende Strecke zu konzentrieren, sondern konzentriere mich auf mein Tempo und die Verpflegung. Ein letztes Mal heute kommen mir die Profifrauen entgegen. Ich beobachte gespannt den Rennverlauf. Chelsea Sodaro führt zu diesem Zeitpunkt schon und ist auf dem Weg ins Ziel. Anne Haug, die beste deutsche Triathletin an diesem Tag, befindet sich auf Position drei. Außerdem kommen mir auf dem Highway immer noch Radfahrer entgegen, die danach erst auf die Laufstrecke starten würden. Ich laufe einen der vielen Hügel hoch und dann sehe ich endlich die mir wohlbekannten Solarflächen des Energy Labs.

Sophia während des Marathons des Ironman auf Hawaii
Sophia während des Marathons

Auf ins Energy Lab

Bevor ich ins Energy Lab abbiege, winken mir noch mal Marvin, meine Trainerin und meine anderen Freunde zu. Sie sind extra mit dem Auto hier raus gefahren, um die Strecke für mich weniger einsam zu machen. Das bedeutet, dass ich nochmal einen genauen Zwischenstand erfahre. Ich meine gehört zu haben, dass ich wohl auf Platz 16 liege und ein paar Leute vor mir langsamer laufen. Aber da biege ich auch schon ab und bin im Energy Lab verschwunden, zu dem Zuschauer keinen Zutritt haben. Zunächst einmal geht es Berg ab in Richtung Meer.

Am Strand angekommen geht es dann ein Stück durch die Lavafelder, bevor ich einen Wendepunkt passiere und den Berg wieder hinauf auf Höhe des Highways laufe. Auf der Höhe des Highways befindet sich allerdings ein zweiter Wendepunkt und ich muss die Straße zunächst erst wieder ein Stück hinunter und zurück laufen, bevor ich bei Kilometer 30 dann endgültig und auch das letzte Mal auf den Highway abbiegen darf. Immer wieder stelle ich fest, dass es meinen Beinen verhältnismäßig gut geht. Nur die Hitze macht mir etwas zu schaffen. Ich habe das Gefühl zu merken, wie die Sonne meine Nase verbrennt und da fällt mir auf, dass ich beide Male in der Wechselzone vergessen habe, mich einzucremen. Ein Fehler, der sich nun nicht mehr ändern lässt und dafür sorgt, dass die Bedenken wegen der klimatischen Bedingungen bis zum Schluss bleiben.

Das Energy Lab ist geschafft

Als ich das Energy Lab hinter mir lasse, erhalte ich die Information von meiner Trainerin, dass ich jetzt konstant 6 Minuten auf den Kilometer laufen müsste, um unter 11 Stunden zu bleiben. Diese Ansage sorgt bei mir dafür, dass ich mich im Rahmen des mir noch Möglichen beeile. Ich weiß zwar, dass ich bisher noch nicht einen einzigen Kilometer in unter 6 Minuten auf den Kilometer gelaufen war, allerdings habe ich den Überblick über meine Durchschnittsgeschwindigkeit wegen der Gehpausen an den Verpflegungsstationen etwas verloren.

Immer wieder sage ich mir, dass ich nur noch zu den Hügel hochmuss, bevor ich rechts abbiegen darf und mich die Palani Road runter in Richtung Ziel führt. Nur noch zur Palani Road, dann ist es geschafft. Als ich endlich die Palani Road erreiche, merke ich, dass meine Beine immer noch in Ordnung sind und ich auch Berg runter keine Probleme bekommen würde. Ich lasse die letzte Verpflegung aus und höre meine Trainerin von unten rufen, dass ich bei etwas über 10.30 Stunden bin.

Die Zuschauer:innen jubeln mir zu und ab jetzt ist jeder Rest der noch bestehenden Anspannung verflogen. Ich laufe den kleinen Bogen noch ein letztes Mal runter Richtung Meer und dann darf ich endlich nach rechts auf die Zielgerade abbiegen. Wildfremde Leute stehen am Rand und strecken den Arm aus, um mich abzuklatschen und mir zu gratulieren. Ich erreiche den roten Teppich und sehe meine Familie und Freunde schon kurz vor dem Zielbogen auf beiden Seiten des Zieleinlaufes verteilt, um mir zuzujubeln und sich mit mir zu freuen. Dieser Moment ist einfach unbeschreiblich. Ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Bei 10.41 Stunden bleibt die Uhr dann für mich stehen und ich habe es tatsächlich geschafft.

Ich habe es geschafft

Ich habe den Ironman Hawaii nicht nur beendet, sondern hatte einen unvergesslichen Tag, jede Menge Spaß und habe im Endeffekt meine Bestzeit auch noch um eine Stunde verbessert. Außerdem ist es noch Tag hell und die Sonne ist noch weit davon entfernt unterzugehen. Meine Sorge, im Dunkeln erst anzukommen, hat sich also nicht bestätigt. Später erfahre ich dann auch noch, dass ich als 11. meiner Altersklasse ins Ziel gekommen bin. Auch meine Marathonzeit ist eine neue Bestzeit. Mit 3.40 h konnte ich meine vorherige Bestzeit aus Nizza noch einmal um 2 Minuten verbessern. Niemals hätte ich das auf dieser Strecke für möglich gehalten.

Im Ziel bekomme ich eine traditionelle hawaiianische Kette und meine Medaille überreicht. Außerdem gibt es ein riesiges Buffet mit Eis, Pizza, Burgern, Pommes und ungefähr allem, was man sich in den USA in einem Finisher Bereich so vorstellen kann. Ich treffe andere Athletinnen, die ich noch aus der Woche vor dem Rennen kenne und wir tauschen uns über unsere Erlebnisse aus. Vor allem aber warten meine Freunde und Freundinnen, meine Familie und eben alle, die die ganze Zeit lang mit gefiebert und mich unterstützt haben auf mich. Ich bin überglücklich, dass ich dieses Erlebnis mit ihnen teilen kann und wir uns alle gemeinsam darüber freuen können.

Einmal mehr ist mir klar geworden, dass Triathlon ein Teamsport ist und ein solches Ergebnis ohne die Unterstützung, die ich auf dem Weg sowohl zum Start als auch dann zu der Ziellinie erfahren habe, niemals möglich gewesen wäre. An dieser Stelle möchte ich mich natürlich auch noch mal ausdrücklich bei jungmediziner.de und allen anderen, die mich unterstützt und von zu Hause mitgefiebert haben, bedanken. Ihr seid der Wahnsinn! Wie die Hawaiianer sagen würden: MAHALO, das bedeutet Danke.

Die Tage nach dem Rennen

Bevor es für mich heißt Abschied Hawaii zu nehmen, kann ich die Insel noch einmal entspannt genießen. Am Samstag nach meinem Rennen schaue ich mir das Rennen der Männer an. Ich genieße es, die Atmosphäre einmal aus der anderen Perspektive aufzusaugen. Ansonsten verbringe ich die meiste Zeit am Strand. Ich suche noch einmal die ein oder andere Schildkröte oder beobachte die vielen Fische. Schon bald geht es für mich dann aber leider auch schon wieder nach Hause. Das Blockpraktikum in der Uni wartet auf mich. Als ich im Flugzeug sitze, kann ich zufrieden auf die vergangenen 3 ½ Wochen zurückblicken und hoffe insgeheim, dass das für mich nicht das letzte Mal auf dieser Insel gewesen sein wird.

Den Erfahrungsbericht von Marvin zum Ironman auf Hawaii kannst du hier lesen.

Eure Sophia,
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und Campus Captainin bei jungmediziner.de

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