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PJ Medizin – Praktisches Jahr: Übersicht für Medizinstudierende

Paul, der ein Medizinstudium angefangen hat, fragt sich seit kurzem, ob das so eine gute Idee war. Zu viele Mythen und Geschichten ranken sich um das PJ Medizin (Praktische Jahr (PJ). Wie ist es organisiert? Gibt es dafür eine Vergütung? Woran muss ich denken?

Wenn du mehr erfahren möchtest, informiere dich in unserem Artikel PJ Medizin darüber. Wir erläutern dir den Ablauf und welche Schritte du für ein effektives PJ Medizin einleiten musst. Für weitergehende Auskünfte sichere dir einen Termin bei unserer Online-Beratung.

Was ist ein Praktisches Jahr?

Das Praktische Jahr vervollständigt das Medizinstudium. Am Ende des Studiums, wenn die Theorie fast geschafft ist, geht es um die praktische Festigung und Erprobung des Gelernten am Patienten. Es handelt sich um eine ganzjährige praktische Ausbildung in Vollzeit an Kliniken der Universitäten, akademischen Lehrkrankenhäusern oder Lehrpraxen. Wochenenden und Feiertage sind meist frei. Die Dauer der Ausbildung beträgt am Stück 48 Wochen. Diese fangen jeweils Mitte Mai bzw. Mitte November an. Ziel des PJ ist der Erwerb praktischer ärztlicher Fähigkeiten unter realen Bedingungen. Die Studenten arbeiten direkt auf Station oder in der Praxis mit. Sie verrichten alle Arbeiten unter Anleitung und Aufsicht des Ausbilders oder anderer Ärzte der Abteilung.

Wie ist das PJ aufgebaut?

Nur Studierende mit einem bestandenen Zweiten Staatsexamen können mit dem PJ beginnen. Danach folgt noch im letzten Semester die dritte mündliche Prüfung. Die praxisbezogene Lehre gliedert sich in drei Abschnitte in verschiedenen Fachgebieten und umfasst:

  • Innere Medizin
  • Chirurgie
  • ein Wahlfach aus einem beliebigen klinisch-praktischen Fachgebiet, beispielsweise Allgemeinmedizin, Kardiologie, Frauenheilkunde usw.

Du bist nicht an deine Heimatuniversität oder dein Bundesland gebunden. Das PJ kann an allen deutschen Lehrkliniken und akademischen Lehrpraxen absolviert werden. Auch in einer speziell zugelassenen allgemeinmedizinischen Hausarztpraxis kannst du eigenverantwortliches Handeln praktisch erproben. Die eigene Uni ist verpflichtet, dir einen PJ-Platz zu gewährleisten. Dennoch kann es sinnvoll sein, dich an mehreren Unikliniken und Lehrkrankenhäusern zu bewerben. 

Dein Weg zu jungmediziner.de
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Welche Möglichkeiten hast du, ein PJ zu absolvieren?

Die Auswahl des Praktikumsplatzes ist praktisch nicht eingeschränkt. Grundsätzlich können Studierende das PJ Medizin an ihrer heimatlichen Uni, einer externen Universität in Deutschland oder einer Universität im Ausland leisten.

Während des PJ bleibst du weiterhin an deiner Heimat-Universität immatrikuliert. In Deutschland bietet ein Internetportal PJ bundesweit Praktikumsplätze an. Jedoch ist nicht jede Klinik dort vertreten. Damit lohnt es sich für Studenten, sich ebenso bei anderen Lehrkrankenhäusern über ein PJ und die angebotenen Wahlfächer zu erkundigen und sich zu bewerben. 

Wie ist das PJ terminlich definiert?

Da es sich um drei gleich große Abschnitte á 16 Wochen handelt, spricht man von Tertialen. Die Tertiale sind durchgehend abzuleisten, so dass ein PJ aus dreimal vier Monaten praktischer Anamnese, Diagnose und Therapie besteht. Eine Durchführung in Teilzeit zu 50 oder 75 % ist möglich, bedarf jedoch wie alle anderen Abweichungen einer Genehmigung durch das Landesprüfungsamt, da dann die Arztausbildung verlängert werden muss.

Folgende PJ-Termine gelten:

TermineMai 2021November 2021Mai 2022November 2022
Erstes Tertial17.05.2021 – 05.09.202115.11.2021 – 03.03.202216.05.2022 – 04.09.202221.11.2022 – 12.03.2023
Zweites Tertial06.09.2021 – 26.12.202107.03.2022 – 26.06.202205.09.2022 – 25.12.202213.03.2023 – 02.07.2023
Drittes Tertial27.12.2021 – 17.04.202127.06.2022 – 16.10.202226.12.2022 – 16.04.202303.07.2023 – 22.10.2023

Wie bewirbst du dich für ein Praktisches Jahr?

Das gesamte Bewerbungsverfahren dauert ca. vier Monate, so dass du ausreichend Zeit dafür einplanen musst. Mit folgenden Unterlagen bewirbst du dich:

  • Antragsformular, einschließlich Ausweiskopie und Immatrikulationsbescheinigung,
  • Zeugnisse des Ersten und Zweiten Staatsexamens,
  • Famulaturbescheinigungen,
  • Scheine des klinischen Studienabschnitts.

Sie sind beim Studiendekanat oder an das zuständige Landesprüfungsamt für Gesundheitsberufe einzureichen. Nach Prüfung der Unterlagen und Vergabe der PJ-Plätze erhältst du deinen Zulassungsbescheid für das Praktische Jahr. Danach hast du ein bis zwei Wochen Zeit, um den Praktikumsplatz anzunehmen oder zurückzugeben.

Die Bewerbung erfolgt in der Regel online über die Uni oder das zentrale PJ-Portal. Das Bewerbungsverfahren teilt sich in zwei Abschnitte: die lokale und die nationale Phase. Die Bewerbung erfolgt zu jeweils festgelegten Terminen. Die lokale Bewerbungsphase dauert eine Woche und beschränkt sich auf den Ort, an dem die Bewerber studiert haben. In der nationalen Phase werden alle verfügbaren anderen Praktikumsplätze freigeschaltet. Du solltest dich darauf einstellen, dass die Auswahl des Praktikumsplatzes sehr schnell gehen muss, da die freien Plätze an den Wunschkrankenhäusern rasch vergeben sind. Deshalb zahlt es sich aus, sich schon im Vorfeld genügend Alternativen für PJ-Plätze zu überlegen. Nach Abschluss der Bewerbungsfrist können Studierende ihre Plätze online noch tauschen. Das PJ kann auch auf verschiedene Kliniken aufgeteilt werden, jedoch dürfen es maximal vier sein.

Wer sein PJ im Ausland absolvieren möchte, muss einige Punkte zusätzlich beachten. Der Bewerbungsprozess beginnt bereits anderthalb bis zwei Jahre früher als in Deutschland. Doch nicht jede ausländische Klinik bietet ein PJ für deutsche Medizinstudenten an. Zu anerkannten ausländischen Krankenhäusern können sich Studenten über eine Liste des Landesprüfungsamts oder im PJ-Büro der Heimat-Uni informieren. Es empfiehlt sich jedoch, auch an anderen Kliniken persönlich anzufragen, weil kurzfristig Praktikumsplätze frei werden können.

PJ Medizin
PJ Medizin

Was spricht für ein PJ im Ausland?

Neben dem Kennenlernen von Land und Menschen erweitert ein ausländisches PJ die Perspektiven. Einem künftigen Arzt schadet Offenheit für Neues nicht. Er kann neben fremden Kulturen und Sprachen ggf. neue Therapiemöglichkeiten oder Diagnoseverfahren kennenlernen. Er erhält einen Einblick in die medizinische Versorgung des Gastgeberlandes und kann vielfältige Eindrücke mit nach Hause bringen. Das dient der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Zudem kann im Einzelfall die Vergütung höher liegen als hier. Ohne Sprachkenntnisse und viel persönliches Engagement wird es jedoch sehr schwierig, im Ausland zu arbeiten.

PJ im Ausland

Welche Vergütung erhalten Studierende im PJ?

Die Bezahlung im PJ ist nicht einheitlich geregelt. Es gilt lediglich ein Höchstbetrag laut Approbationsordnung. Auch Sachleistungen wie KFZ-Nutzung, kostenlose Verpflegung oder betriebliche Unterkunftsmöglichkeiten gehören dazu. Kliniken sind nicht verpflichtet, eine Ausbildungsvergütung bzw. Aufwandsentschädigung zu zahlen. Derzeit gibt es noch Lehrkrankenhäuser, die angehenden Ärzten keinerlei Entschädigung für Ihre Arbeit zahlen. Andere wiederum überweisen eine Aufwandsentschädigung von bis zu 597 Euro. Im Durchschnitt werden 200 bis 400 Euro pro Monat gezahlt. Ob und welche Entschädigung gezahlt wird, richtet sich nach dem Angebot und der Nachfrage von Praktikumsplätzen. Einige Krankenhäuser haben erkannt, dass eine angemessene Vergütung im PJ dazu beitragen kann, den Ärztemangel aufgrund des demographischen Problems in der Zukunft zu verringern. 

Welche Unterlagen brauchst du im PJ?

Jeder künftige Absolvent erhält von seiner Uni ein Logbuch. Darin ist das Praktikum zu dokumentieren. Es stellt den Ausbildungsplan dar, dabei hat jeder Fachbereich sein eigenes Logbuch. Die Logbücher findest du im Internet oder du kannst sie an der Universität abholen. Die Studenten müssen das Logbuch nach Abschluss des Tertials beim Verantwortlichen an der Uni abgeben. Im Gegenzug erhalten sie eine Bescheinigung über das absolvierte PJ. Ebenso benötigen die Medizinstudenten ein Zeugnis über ihre geleistete Praktikumszeit, welches sie an der Lehrklinik frühzeitig anfordern müssen.

Versicherungsschutz
Versicherungsschutz für Jungmediziner

Was solltest du für das PJ noch bedenken?

Wir geben dir Tipps, die dir helfen, dein PJ erfolgreich zu gestalten:

  1. Eine frühzeitige Anmeldung bei den Landesprüfungsämtern sichert dir alle Optionen auf deinen Wunschort und dein Wahlfach. Zunächst werden die Studenten in die Vergabe einbezogen, die an der betreffenden Universität immatrikuliert sind. Bleiben nach Abschluss des Verfahrens noch Praktikumsplätze frei, erhalten auch externe Bewerber eine Chance.
  2. Um im PJ abgesichert zu sein, brauchst du die passenden Versicherungen. Als erstes benötigst du eine Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudierende, die vor den finanziellen Folgen von Behandlungsfehlern und Fehldiagnosen schützt. Sie ist sehr preiswert im Verhältnis zum Nutzen, denn die Haftung für Schadensfälle kann finanziell existenzbedrohend sein. Hältst du dich für ein PJ im Ausland auf, benötigst du unbedingt eine Auslandskrankenversicherung. Eine einfache Auslandsreise-Krankenversicherung reicht nicht aus, da sie nur kürzere Reisezeiträume unter einem Jahr abdeckt. Genauso wichtig ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Zum wertvollsten, was du besitzt, gehört deine Arbeitskraft. Sie sichert dir als künftige(r) Ärztin oder Arzt ein ausgezeichnetes Einkommen. Kannst du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, bist du mit dem richtigen Tarif vor dem Ausfall deiner Einkünfte geschützt. Je eher du diesen Vertrag abschließt, desto günstiger wird die BU für dich. Wir beraten dich zu allen Versicherungsfragen und welche Policen darüber hinaus sinnvoll sind.
  3. Für ein PJ im fremden Land solltest du dich nach dessen Einreisebestimmungen, einer Visumpflicht und den geltenden Impfregelungen erkundigen. Auch die Kosten eines Auslandsaufenthalts solltest du nicht außer Acht lassen.
  4. Für das PJ kannst du keinen Urlaub planen. Alle sonstigen Abwesenheitszeiten, zum Beispiel wegen Krankheit, zählen als Fehltage. Dabei dürfen insgesamt nur maximal 30 Tage anfallen, davon höchstens 20 Fehltage in einem Tertial.
  5. Du kannst die Aufsplittung eines Tertials in zweimal acht Wochen vornehmen, ebenso kann die Hälfte des Tertials in einem ausländischen Krankenhaus absolviert werden. Das hat den Vorteil, dass du mehr Abteilungen kennenlernen kannst. Dies ist rechtzeitig mit dem Landesprüfungsamt abzustimmen und gut zu überlegen. Denn in einem gesplitteten Tertial dürfen keine Fehltage genommen werden.
  6. Bei Problemen in der Ausbildung, beispielsweise dem häufigen Befassen mit lehrfremden Tätigkeiten, solltest du zunächst erst einmal das Gespräch mit dem Beauftragten für die Ausbildung oder einem anderen Verantwortlichen der Klinik suchen.
  7. PJ-Studenten müssen sich für das letzte Semester an ihrer Uni zurückmelden, auch wenn sie noch im PJ sind. Das solltest du nicht vergessen.

Paul ist nun erleichtert. Er hat einen Eindruck gewonnen, wie das PJ Medizin abläuft und weiß, dass seine Skepsis unbegründet war und er sich professionelle Hilfe holen kann. Natürlich muss noch vieles berücksichtigt werden, für detailliertere Informationen bucht er einen Online-Beratungstermin. Er erhält bei uns Unterstützung von spezialisierten Beratern für Ärzte und Medizinstudenten. So optimal vorbereitet kann er sich im PJ ganz auf die Entwicklung und Vertiefung seines ärztlichen Denkens und Handelns konzentrieren.

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