Vermisst du die Präsenzlehre?

Wir haben durch die Pandemie einen Wandel in der Lehre beobachtet. Bereits zwei Semester fanden fast ausschließlich ohne Präsenzunterricht statt. Im Oktober startet dann das dritte in dieser Form. Wobei noch nicht ganz klar ist, inwieweit die Präsenzlehre ohne einen flackernden Bildschirm dazwischen wieder Einzug in den Unialltag halten wird. Die Forderungen danach dürften meiner Meinung nach groß sein. Ich selbst habe es aber nicht so eilig, wieder zur „Normalität“ zurückzukehren, wie man so schön sagt. Ich finde sogar, dass wir die neue Normalität definieren (sollten).

Neue Möglichkeiten, durch weniger Präsenzlehre

Mir fällt es nicht besonders schwer, mich an die Onlinelehre anzupassen. Das liegt vermutlich daran, dass ich schon vor dem Studium gelernt habe, mich selbst zu strukturieren. Meiner Meinung nach ist das ein großer Vorteil. Ich brauche keine festen Strukturen, an die ich mich halten kann. Im Gegenteil: Ohne vorgefertigten Einheitsplan fühle ich mich sogar viel wohler. Ich genieße die durch Corona erworbenen Freiheiten. Dass ich mich den letzten Monaten zum Manager eines Gesundheitsunternehmens hochgearbeitet habe, mit einem Freund (Felix) zusammen ein Testzentrum leite und ein sehr erfolgreiches Semester abgeschlossen habe, vermutlich das este meiner bisherigen Studienzeit, ist das Resultat.

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Anpassungsfähigkeit ist wichtig

Ich bin der Meinung, dass es gewinnbringend sein kann, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Vorteile zu suchen und diese zu nutzen. Es bringt nichts, an alten Strukturen krampfhaft festhalten zu wollen. Natürlich ist es schade, dass der menschliche Kontakt wegbleibt. Aber es war doch schon im März letzten Jahres zu erwarten, dass der Zustand von längerer Dauer sein wird. Zu diesem Zeitpunkt konnte man sich entscheiden, ob man die Situation nur über sich ergehen lässt oder ob man sie am Schopfe packt und Möglichkeiten sucht, das allerbeste daraus zu machen. So schade es auch ist und so sehr der Patientenkontakt auch fehlt ändern kann man es nicht.

Weniger Vorgaben, mehr Freiheiten

Um es zusammenzufassen: Keine strikten Vorgaben mehr zu bekommen, ist genau das, was dem Studium bisher gefehlt hat. Das Studium hat sich gewandelt. Von einem vorgefertigten Fahrplan, dem man folgen musste, zu einem Fixpunkt, der am Ende steht und bei dem es egal ist, wie man ihn erreicht. Am Ende soll das Lernziel erreicht werden. Das heißt, die Klausuren müssen bestanden werden. Egal wie man das schafft. Und dabei muss ich nicht an die Hand genommen und durch die Lehrveranstaltungen geführt werden.

Ausblick

Im Hinblick auf das nächste Semester wünsche ich mir, die Option zu haben. Sodass jeder die Möglichkeit hat, für sich zu entscheiden, wie er unterrichtet werden möchte. Die Rufe nach Präsenzlehre sind aber so laut, dass man den Eindruck bekommt, mit meiner Meinung recht alleine zu sein. Für mich wäre das ein Rückschritt. Trotzdem wünsche ich es natürlich jedem, dem es im Moment sehr schwer fällt, dass die Situation sich für ihn bessert. Ich werde mich auch daran anpassen können.

Mehr über die digitalen Semester findest du in unserer Rubrik: Digitales Semester.

Eure Marvin,
Medizinstudent an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain

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