Anatomie lernen leicht gemacht!

Anatomie gehört wohl zu einem der schwierigsten Fächer der Vorklinik, zurecht! Unzählige Knochen, Muskeln, Gefäße oder Nerven warten nur darauf, von dir gelernt zu werden. Wo sollst man da nur beginnen? Bzw. wie kann man sich all das überhaupt merken? Schnell verliert man in der Masse an Strukturen den Überblick. Was ist relevant? Was weniger? Sich anfangs überfordert zu fühlen, ist vollkommen normal. Die Menge an Lernmaterialien übersteigt schließlich bei weitem das, was man aus der Schulzeit gewohnt war. Aber kein Grund zur Sorge. Mit den richtigen Tipps und Tricks schaffst auch du es, ein: Meister:in der Anatomie zu werden! Hierfür habe ich dir in den folgenden Zeilen meine besten Ratschläge zusammengefasst, sodass auch du problemlos durch die Anatomieprüfung kommen wirst.

Die Grundlagen – arbeite dich vom Großen ins Kleine

Bevor du dich gleich in den Details verlierst, starte am besten ganz von vorne. Bist du mit der anatomischen Terminologie vertraut? Kennst du dich mit den Lage- und Richtungsbeziehungen aus? Und weißt du bereits, wie man die verschiedenen Arten der Körperbewegungen nennt? Anfangs mögen all die neuen Fachtermini wie eine neue Sprache für dich klingen. Doch bald wird sich der Medizinerjargon wie Alltagssprache für dich anfühlen. Bist du einmal drin, lassen sich dann viele Ausdrücke logisch erklären und nachvollziehen.

Den Grundsatz, zunächst mit den Grundlagen zu beginnen, kannst du dir für jedes weitere Themengebiet beibehalten. Lerne erst die Basics, bevor du dich an das Spezialwissen heranwagst. Nicht, dass du am Ende vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr siehst! Letztendlich sollte dir für ein solides Bestehen der Prüfung ein breites Grundwissen absolut genügen. Die Details sind meist den Einserkandidaten vorbehalten. Also schraub zunächst den Anspruch herunter. Genügend beschäftigt sein wirst du allemal. Du hast am Ende noch genügend Zeit? Dann kannst du dich immer noch tiefer in die Materie fuchsen.

Das richtige Lernmaterial – die Mischung macht‘s

Nun gut, aber was nimmst du am besten zum Lernen her? Die Vorlesung? Den Anatomieatlas? Oder doch lieber Karteikarten? Möglichkeiten gibt es hier wie Sand am Meer. Ich empfehle dir primär die Kombination aus zwei Dingen. Zum einen Lernmaterial, das dich mit anatomischen Abbildungen vertraut macht. Das kann ein Anatomieatlas wie z. B. der Prometheus oder Sobotta Atlas sein. Aber auch Grafiken aus Amboss oder speziell für das Lernen der Anatomie konzipierte Apps sind eine gute Option. All das hilft dir, um dich mit der Lage der Strukturen vertraut zu machen. Zum anderen empfehle ich dir Karteikarten zu nutzen. Dabei ist es ganz egal, ob digital oder analog. So kannst du deinen Lernerfolg regelmäßig prüfen. Durch das Wiederholen lassen sich die Informationen außerdem leichter ins Langzeitgedächtnis übertragen. Doch später mehr dazu!

Probiere gerne durch weitere Lernmaterialien aus. Vielleicht hält dein:e Dozent:in eine fantastische Vorlesung? Oder unter euch Studierenden wird eine gute Zusammenfassung weitergetragen? Mit der Zeit wirst du sicherlich das für dich passende Lernmedium finden. Du fühlst dich mit ein-zwei Quellen wohl? Dann fokussiere dich hierauf, anstatt parallel unzählige weitere Materialien heranzuziehen. Denn oft ist weniger mehr!

Die passende Lernmethode – welcher Typ bin ich?

Nun haben wir die Frage geklärt, womit du am besten lernen kannst. Doch wie gehst du dabei im Idealfall vor? Hierfür könnte es helfen, dir klar zu werden, welcher Lerntyp dir am meisten entspricht. Denn egal wen man befragt, am Ende lernt jeder auf seine eigene Art und Weise. Du weißt noch nicht, mit welchem Typus du dich am meisten identifizierst? Dann können dir die folgenden Zeilen helfen genau das herauszufinden.

Visuell:

Ein visueller Lerntyp arbeitet am liebsten mit bildbasierten, anschaulichen Materialien. Abbildungen, Mindmaps oder selbst erstellte Zusammenfassungen können dir den Lernprozess sehr vereinfachen. Wie kannst du nun „visuell“ Anatomie lernen? Karteikarten stellen hier eine wunderbare Möglichkeit dar. Einige Verlage bieten speziell fürs Anatomielernen konzipierte Lernkärtchen an. Du kannst sie dir selbstverständlich auch selbst erstellen. Am besten versiehst du sie gleich mit reichlich Abbildungen. Denn: Visuell lernst du am besten. Das Ganze funktioniert auf Papier genauso gut wie digital, z. B. über die App Anki. Letztere hat den Vorteil, dass du dir Beschreibungen von Abbildungen verdecken lassen kannst. So kannst du dich gleich dein Wissen abfragen lassen.

Was gibt es noch für Möglichkeiten?
Selbst wenn du kein großer Zeichenkünstler bist, könnte dir das Malen von Strukturen weiterhelfen. Wem das gelingt, der hat sich bereits intensiv mit den Größe- und Lageverhältnissen des Organs, Muskels, Gefäß- oder Nervenverlaufs auseinandergesetzt. Denn nur ein flüchtiger Blick ins Lehrbuch reicht hierfür nicht aus. Außerdem können dir Anatomie-Apps wie z. B. der „Atlas der Humananatomie“ weiterhelfen. Dadurch bekommst du ein besseres Gefühl für Lage und Beziehungen der Strukturen untereinander. Hierbei kannst du einzelne Ebenen ein- bzw. ausblenden lassen. Auch lassen sich die Strukturen von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten. Oder du kannst dir durch einzelne Animationen die Physiologie des Organs besser vorstellen.

Auditiv:

Auditive Lerner profitieren am meisten durch das Hören von Informationen. Klassischerweise würde sich die Vorlesung als Lernmedium für dich anbieten. Hast du dir andernfalls schon einmal überlegt, dir deine Lernunterlagen laut vorzulesen? Vielleicht nimmst du sie gleich als Audiodatei auf. So kannst du sie dir zu einem späteren Zeitpunkt noch mal abspielen.

Motorisch:

Hier bringst du dir den Lernstoff am besten in Aktivität bei. Du könntest z. B. beim Lernen spazieren gehen. Ob durch die Wohnung oder den nächstgelegenen Stadtpark ist dabei vollkommen egal. Warum soll das Lernen in Bewegung effektiv sein? Eine mögliche Erklärung wäre die fehlende Ablenkung. Ist dein Gehirn zusätzlich auf das Gehen konzentriert, schweifen deine Gedanken schwerer von der Lernmaterie ab.

Empfehlenswert für motorische Lerntypen ist außerdem die Loci-Methode. Was das ist? Hier gehst du einen bekannten Weg (z. B. zu deinem Supermarkt, zur nächsten Haltestelle etc.) oder einen realen Wohnraum ab. An eindeutigen, festgelegten Plätzen legst du fiktiv Gedächtnisinhalte ab. In der Prüfung kannst du dann gedanklich den Weg bzw. Raum erneut durchschreiten. Dabei führst du dir die einzelnen, abgelegten Gedächtnisinhalte vor Augen. So kannst du leicht die Informationen in der richtigen Reihenfolge wieder abrufen. Die Methode kann dich z. B. beim Erlernen eines Nervenverlaufs oder der Aufzweigung von Gefäßen unterstützen.

Kommunikativ:

Kommunikation ist für dich der Schlüssel zum Erfolg? Dann wären Lerngruppen für dich genau das Richtige. Hier könnt ihr euch gegenseitig abfragen, komplexe Themen besprechen oder ungeklärte Fragen gemeinsam recherchieren. Vielleicht bereitet auch jeder:jede eine Kurzpräsentation zu einem bestimmten Thema vor? Insgesamt könnt ihr sehr von eurem gegenseitigen Wissen profitieren.

Und, wo erkennst du dich wieder? Zwar tendiert jeder:jede zu einem bestimmten Lerntyp, aber: am Ende machts die Mischung! Je abwechslungsreicher du deinen Lernalltag gestaltest, desto freudiger und ausdauernder bestreitest du die Prüfungsphase. Möchtest du noch mehr über die einzelnen Lerntypen im Allgemeinen erfahren? Dann schaue doch in einem weiteren Artikel von mir vorbei. In meinen „10 Tipps für dein Medizinstudium“ habe ich noch viele weitere Lerntricks für dich parat. Sie werden dir nicht nur das Anatomie lernen, sondern auch das Büffeln für andere Fächer erleichtern.

Eselsbrücken – werde kreativ!

Egal, wie ausgefuchst und optimal auf dich abgestimmt deine Lernmethode sein mag. Manchmal kann man sich gewisse Dinge partout nicht merken. In dieser Situation könnten dir selbst konzipierte Eselsbrücken auf die Sprünge helfen. Es gilt: Je verrückter, desto besser! Je bunter dein kreiertes Bild, je ausgefallener dein Spruch, desto länger kannst du ihn dir merken. Merkhilfen können auf den ersten Blick zwar zeitaufwendig und mühselig klingen. Langfristig würde dich das ständige vergessen und wiederholen hingegen einiges Mehr an Energie und Zeit kosten.

Wie gehst du am besten vor? Die erste Assoziation, der erste Gedanke ist meist der Beste. Reime, eine kleine Geschichte, ein anderer Anfangsbuchstabe oder das Aufteilen des Wortes in zwei Teile können deiner Kreativität auf die Sprünge helfen. Das hilft alles nichts? Vielleicht können dir die Illustrationen von Meditricks die nötige Unterstützung bieten? Das ist eine audiovisuelle Lernplattform, die dich deine Lerninhalte durch ihre bunten Bildgeschichten keinesfalls vergessen lassen werden!

Regelmäßiges Wiederholen – der Weg zum langfristigen Erfolg

Auf Logik lernen ist per se der beste Weg, in der Anatomie allerdings wenig hilfreich. Das Büffeln erinnert vielmehr an das sture auswendig lernen von Vokabeln. Und wie soll man sich all das jemals merken? Um die Fülle an Informationen langfristig zu behalten, sollest du den Stoff regelmäßig wiederholen. In Fachkreisen wird das auch als „Spaced Repition“ bezeichnet. Was das genau ist? Das ist eine Lernmethode, bei der die Zeitabstände zwischen den einzelnen Wiederholungen immer länger werden. Das zugrunde liegende Prinzip ist der sogenannte „Spacing-Effekt“. Er besagt, dass Lerninhalte, die über einen längeren Zeitraum gelernt werden, besser im Gedächtnis verankert bleiben, als solche, die in recht kurzer Zeit intensiv bearbeitet werden. Das kennen wir alle, oder?

Entweder planst du dir selbst regelmäßige Wiederholungseinheiten ein. Oder aber, du nutzt hierfür clevere Algorithmen. Sie berechnen für dich, wann welche Lerneinheit wieder an der Reihe ist. Dafür kann ich dir erneut die Anki-App ans Herz legen. Von dir selbst erstellte digitale Karteikarten werden, je nachdem wie gut du sie beherrscht, nach einem bestimmten Zeitraum erneut geprüft. Das kann nach 10 min, einem Tag, einer Woche oder gar noch länger sein. Je öfter du die Information siehst, desto leichter geht sie in dein Langzeitgedächtnis über.

Manche Dinge willst du dir einfach nicht merken können? Vielleicht wären Post-it Zettel eine Idee für dich. Klebe sie an Orte, denen du regelmäßig begegnest. Ob an den Kühlschrank, die Klotür oder dein Handy ist dabei vollkommen egal. Jedes Mal, wenn den Zettel siehst, kannst du dich den Inhalt abfragen und so dein Wissen prüfen.

Der Präpkurs – Lehre in der Praxis

Der Präpkurs ist ein zentrales Element des Anatomiekurses. Hier kannst du theoretisch gelerntes Wissen direkt am Körperspender anwenden und vertiefen. Mein Tipp: bereite dich auf die einzelnen Kurse bereits zu Hause vor. Wenn du mit dem theoretischen Hintergrund bereits vertraut bist, nimmst du aus der praktischen Einheit wesentlich mehr mit. Außerdem gilt: nutze auch die freiwilligen Übungszeiten im Präpsaal. Eine bessere Möglichkeit, als am Körperspender direkt zu lernen, gibt es kaum.

Struktur und Zeitmanagement – bringt das was?

„Gut geplant ist halb gelernt“! Verschaffe dir zunächst einen Überblick über alle prüfungsrelevanten Themen. Das gilt insbesondere für mündliche Prüfungen. Hier lassen sich meist unterschiedliche Vorlieben der einzelnen Dozent:innen erkennen. Und auch durch das Kreuzen von Altklausuren kann man gewisse Schwerpunkte erahnen. Auch hier gilt: Arbeite dich vom Großen ins Kleine. Verschaffe dir zunächst ein solides Grundwissen in den einzelnen Themenbereichen, bevor du dich in Einzelheiten stürzt.

Um am Ende unter enormen Zeitdruck nicht ins Schwitzen zu geraten, empfehle ich dir einen eigenen Lernplan zu erstellen. Die Anatomie des Menschen ist ein riesiges Feld. Teile dir die Stoffmenge in kleine Lerneinheiten ein. Der Lernberg wirkt gleich viel übersichtlicher und machbarer.

Außerdem: der Austausch mit Kommilitonen ist zwar richtig und wichtig, aber vergleiche dich nicht zu sehr mit anderen. Jeder greift auf andere Lernmethoden zurück. Jeder benötigt unterschiedlich viel Zeit. Lass dich beim Blick auf andere nicht verunsichern!

Schlussendlich solltest du nicht vergessen, genügend Pausen zu einzuplanen. Das gilt schon im Kleinen während des Lernens. Fünf Minuten Pausen alle halbe Stunde können für eine wesentlich lang anhaltendere Konzentration sorgen. Vergiss allerdings auch nicht die großen Pausen während oder nach anstrengenden Lerntagen. Dabei tankst du wieder genügend Energie, um die gesamte Lernphase froh und munter zu überstehen.

Auch, wenn du es am Anfang für unmöglich hältst, die riesige Stoffmenge lässt sich bewältigen! Das haben so viele vor dir geschafft. So schaffst du es auch! Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Tipps und Tricks hierfür die nötige Unterstützung liefern konnte. Jedenfalls wünsche ich dir viel Erfolg. Halte die Ohren steif!

Deine Marleen,
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und Campus Captainin bei jungmediziner.de