Studienplatztausch Medizin: Voraussetzungen, Ablauf, Tipps

Jahr für Jahr bewerben sich bundesweit mehr Interessenten für ein Medizinstudium als Studienplätze vorhanden sind. Du möchtest in Heidelberg Medizin studieren, hast aber eine Zusage für Hannover erhalten? Dann musst du deinen Plan nicht aufgeben. Du tauschst kurzerhand mit jemandem, der in Hannover studieren möchte. Dabei ist jedoch einiges zu berücksichtigen. Was du beachten solltest und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, erfährst du im folgenden Artikel. Wir geben dir einen Überblick zum Thema Studienplatztausch Medizin.

Welche Gründe gibt es für einen Studienplatztausch Medizin?

Die Studienplätze für das Medizinstudium sind zulassungsbeschränkt und werden zentral vergeben. Die Stiftung für Hochschulzulassung lenkt über ein Portal die Studienplatzvergabe, damit an einem Ort keine freien Plätze verbleiben. Jeder Abiturient ist daher froh, dass er zum Medizinstudium angenommen wird. Was, wenn die Universität jedoch ganz und gar nicht seinen Vorstellungen entspricht? 

Manche Medizinstudenten möchten lieber in der Nähe ihres Heimatortes bleiben, andere favorisieren einen Studienort, der viele Freizeitmöglichkeiten und eine sehenswerte Stadt bietet. Der Studierende möchte womöglich erste Erfahrungen außerhalb des bisherigen Umfelds sammeln. Auch familiäre Verpflichtungen können einen anderen Studienort erfordern. Die Motive für einen Studienplatztausch Medizin liegen vor allem im persönlichen Bereich, die neue Freundin oder der neue Freund können ebenso ein Grund für einen dringenden Ortswechsel sein.

Auch während des Medizinstudiums kann der Wunsch bestehen, den Studienplatz zu tauschen. Sei es, dass Studierende an einem anderen Ort neue berufliche Erfahrungen erwerben möchten oder ihr Studium in der gewünschten Fachrichtung am bisherigen Standort nicht ausreichend vorantreiben können. Eventuell soll eine Fachrichtung vertieft werden, die an der eigenen Hochschule gar nicht angeboten wird. Durch die praktischen Erfahrungen in der Vorklinik und im klinischen Studienabschnitt kann sich herausstellen, dass ein Ortswechsel vorteilhaft wäre. 

Studienplatztausch Medizin
Studienplatztausch Medizin

Unter welchen Voraussetzungen ist ein Studienplatztausch möglich?

Da Universitäten unterschiedliche Prüfungsordnungen und Studienpläne haben, kommt es auf eine gewissenhafte Vorbereitung des Studienplatztauschs an. Tauschen können grundsätzlich nur Studierende, die regulär zum Medizinstudium zugelassen wurden. Ausgeschlossen sind beispielsweise Medizinstudenten, die eine Prüfung abschließend nicht bestanden oder ihre Zulassung per Klage erzwungen haben. Ebenso darf es sich nicht um einen Teilstudienplatz handeln, der sich nur auf die Vorklinik beschränkt.

Studierende können ausschließlich Studienplätze an deutschen Hochschulen und innerhalb des Studiengangs Medizin tauschen. Es besteht kein Rechtsanspruch auf einen Studienplatztausch Medizin, die jeweiligen Hochschulen müssen dem Tausch immer zustimmen. Ein Wechsel kann unter folgenden Bedingungen erfolgen:

  • Die Tauschpartner müssen an den jeweiligen Universitäten eingeschrieben sein.
  • Die Studierenden müssen sich im gleichen Semester befinden.
  • Der Leistungsstand sollte möglichst identisch sein, damit die Scheine als Leistungsnachweise anerkannt werden.
  • Die Tauschfrist an den Hochschulen ist zwingend einzuhalten.
  • Generell darf außerhalb der Regelstudienzeit getauscht werden (mit Ausnahme der Studienorte Dresden, Berlin und Erlangen-Nürnberg).

Tipp: Von einem Regelstudiengang in einen Modellstudiengang zu wechseln, gestaltet sich komplizierter und kann die Dauer des Studiums verlängern. Lediglich zum ersten Semester und wenn das Physikum, der 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, bestanden wurde, darf gewechselt werden. Insgesamt 23 Universitäten und Hochschulen bieten einen Modellstudiengang an, in dem großer Wert auf zeitigen Patientenkontakt und das Erwerben praktischer Fähigkeiten gelegt wird.

Wodurch unterscheiden sich Studienplatztausch und Studienortwechsel?

Während des Medizinstudiums brechen einige Studierende ihre Ausbildung ab oder gehen ins Ausland. Dadurch entstehen außerplanmäßig freie Studienplätze, die von Interessenten belegt werden können. Steht ein solcher Platz an deiner Wunsch-Uni zur Verfügung, ist ein Studienortwechsel möglich. Du erfährst gleichwohl nur davon, wenn du dich rechtzeitig erkundigst, beispielsweise im Dekanat oder Sekretariat der medizinischen Fakultät. Beim Studienplatztausch werden zum Schluss lediglich die Namen und Daten der Studierenden bei den beteiligten Hochschulen wechselseitig ersetzt. Der Tausch des Studienplatzes Medizin setzt hingegen keinen freien Studienplatz voraus.

Wie läuft ein Studienplatztausch Medizin ab?

Bereite dich auf deinen Studienplatztausch sorgfältig vor und denke darüber nach, ob deine Entscheidung auch in einem Jahr noch Bestand haben wird. Steht fest, dass du in einer anderen Stadt studieren möchtest, kümmere dich rechtzeitig um die Suche nach einem Tauschpartner. Ist der Tauschwillige gefunden, nimm per E-Mail, Kontaktformular oder Handy Verbindung zu ihm auf. Danach ist es sinnvoll, dass beide Tauschpartner ihr jeweiliges Sekretariat an der Uni über den beabsichtigten Wechsel und Tauschpartner in Kenntnis setzen.

Leicht fällt der Tausch mit einem Medizinstudenten, der den gleichen Studiengang an deiner favorisierten Uni belegt und an deine Hochschule wechseln möchte, die ein vergleichbares Profil in Lehre und Prüfung aufweist. Jeweils zwei Studierende können direkt miteinander den Studienplatz Medizin tauschen. 

Findet sich kein geeigneter Tauschpartner, bleibt dir die Option, ringsum mit drei oder sogar vier Studierende den Studienplatz zu wechseln. Wenn beispielsweise unter ähnlichen Voraussetzungen Ben von Dresden nach Berlin möchte und Peter von Köln nach Hamburg, Kerstin von Berlin nach Köln sowie Emma von Hamburg nach Dresden, sind am Ende des Ringtauschs alle Vier zufrieden. Es empfiehlt sich, frühzeitig Informationen an den einbezogenen Universitäten einzuholen und zu erfragen, welche Möglichkeiten für einen Ringtausch bestehen und akzeptiert werden. Je mehr Partner beteiligt sind, desto gründlicher sollte der Tausch vorbereitet werden.

Welche Vor- und Nachteile haben direkter Tausch und Ringtausch?

Der direkte Austausch von zwei Studierenden kann unkompliziert vonstattengehen. Die Auswahl an Tauschpartnern ist in der Regel viel größer, ein Tauschwilliger schneller zu finden als mehrere. Sollte sich kein geeigneter Tauschpartner für die Wunsch-Uni finden, erhöht sich der Aufwand zur Suche von tauschbereiten Studierenden beträchtlich.

Beim Ringtausch müssen nicht nur die Orte zwischen mehreren Personen koordiniert werden, es müssen auch ähnliche oder übereinstimmende Leistungsnachweise vorliegen. Bei drei oder mehr Partnern wird die Gefahr größer, dass Scheine an anderen Hochschulen nicht anerkannt werden oder ein Interessent abspringt. Die Suche nach mehreren Tauschpartnern gestaltet sich aufwendiger als beim direkten Tausch. Dafür bleibt die Auswahl des künftigen Studienstandorts nicht auf eine Stadt begrenzt.

Welche Besonderheiten hat ein Studienplatztausch zum ersten Semester?

Viele Universitäten erlauben keinen Tausch zum ersten Semester. Das resultiert daraus, dass in der Vergangenheit angebliche Studierende bereits mit Studienplätzen gehandelt und sie gegen Geld angeboten haben. Du musst also vorher klären, ob ein Studienplatztausch Medizin überhaupt möglich ist. Anschließend kommt es darauf an, dass beide Tauschpartner bereits immatrikuliert sind und nach dem gleichen Verfahren sowie über die gleiche Auswahlquote zum Studium zugelassen wurden. Es ist wichtig, ob ihr über die Wartezeitquote (bis Sommersemester 2022), die Abiturbestenquote, das Auswahlverfahren der Hochschulen oder die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) eure Zulassung erhalten habt. Die Webseiten der Hochschulen geben Auskunft über ihr Zulassungsverfahren, die Auswahlquoten, Leistungsanforderungen und das zentrale Bewerbungsverfahren über das Portal hochschulstart.de. Jeder, der Medizin studieren möchte, muss sich als erstes online über hochschulstart.de bewerben. Dort kannst du die von dir bevorzugten Studienorte in einer Rangfolge angeben. 

Tipp: Die größten Chancen auf deine Wunsch-Uni hast du, wenn du keine Hochschulstadt ausschließt und nicht nur die bei Studierenden beliebtesten Studienorte angibst. Die Reihenfolge solltest du so wählen, wie es deinen Vorstellungen entspricht. Durch die Teilnahme an und gute Ergebnisse in einem Eignungstest kannst du deine Chancen auf einen Studienplatz erhöhen.

Medizinstudium
Medizinstudium

Wo finde ich einen Tauschpartner?

Du kannst direkt bei deiner Wunsch-Hochschule nachfragen. Tauschpartner findest du zudem im Internet und in den sozialen Netzwerken. Im Freundes- und Bekanntenkreis von deinem Vorhaben zu erzählen, kann ebenso hilfreich sein. Auch Aushänge an der Universität können etwas bringen. Je mehr Optionen und Kontakte du nutzt, desto besser sind deine Erfolgsaussichten.

Die größte Reichweite haben Tauschbörsen im Netz. Zu den bekanntesten für den Studienplatztausch Medizin gehören:

  • Studienplatztausch.de
  • Medi-learn.de
  • Studi-info.de
  • Studis-online.de
  • bei Facebook: Gruppe „Studienplatztausch Medizin“.

Du kannst dort Inserate veröffentlichen, Tauschpartner kontaktieren, gezielt nach deiner Wunsch-Uni suchen und dich sogar auf Studienplatztausch.de kostenlos telefonisch beraten lassen. Andererseits ist das die einzige Plattform, deren Nutzung einmalig 5,10 Euro kostet. Für Inserate über dieses Portal werden 4,90 Euro fällig. Portale wie Medi-learn.de, die sich auf Medizinstudiengänge spezialisiert haben, bieten umfangreiche Informationen zu den Hochschulen, deren Semesterinhalten und Tauschterminen an. Die meisten Mitglieder erreichst du über Facebook, wo du dich jedoch durch viele entbehrliche Informationen kämpfen musst. 

Tipp: Du erfährst auf den Tauschbörsen zudem, welche Universitäten den Studienplatztausch Medizin generell ablehnen und an welchen Hochschulen Modellstudiengänge angeboten werden. 

Was sollte ich beim Studienplatztausch Medizin beachten?

Nimm Kontakt zur Studienberatung bzw. dem Sekretariat deiner neuen Uni auf und informiere dich, welche Anträge du stellen bzw. welche Dokumente du abgeben musst. Erkundige dich insbesondere nach den Fristen, die einzuhalten sind. Bevor du alles in die Wege leitest, besuche deinen künftigen Studienort und sieh dich in der Stadt sowie der Hochschule schon einmal um. Du solltest deine(n) Tauschpartner persönlich kennenlernen, um deine Erfolgsaussichten für den Studienplatztausch von Angesicht zu Angesicht auszuloten. So vermeidest du größtenteils, dass es sich dein Tauschpartner im letzten Moment anders überlegt, während du schon die notwendigen Schritte eingeleitet hast. Exmatrikulieren solltest du dich dennoch erst, wenn beide Unis dem Tausch zugestimmt und die Anträge genehmigt haben.

Die Verbindlichkeit des Tauschs kannst du durch einen Vertrag mit deinem Tauschpartner erhöhen. Darin werden Grundlagen, Gestaltung und Details des direkten Tauschens oder Ringtauschs festgehalten. Zwar gibt das keine Garantie für das Gelingen des Tauschs, du erhältst dadurch jedoch eine gewisse Sicherheit. Achte darauf, dass dein Partner alle notwendigen Prüfungen besteht und die gesamten Scheine nachweisen kann. Sieh vor Prüfungen oder in anderen belastenden Studienphasen von einem Studienplatztausch ab und warte damit, bis alle erforderlichen Leistungsnachweise vorliegen.

Je früher du im Medizinstudium wechselst, desto höher sind die Aussichten auf das Einhalten der Regelstudienzeit. In der Vergangenheit hatten die meisten Studierenden im 1. Semester des klinischen Studienabschnitts Erfolg mit einem Studienplatztausch. Der Abschnitt liegt zwischen dem bestandenen Physikum und dem Beginn des Praktischen Jahres (PJ). In dem Zeitraum haben fast alle Studierenden den gleichen Leistungsstand. Diese Zeit beinhaltet den 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, bekannt als Hammerexamen. Über dessen Anforderungen und Ablauf sowie das PJ kannst du dich auf unseren Ratgeberseiten näher informieren. 

Woran sollte ich noch denken?

Ein Studienplatztausch Medizin hat auch Auswirkungen auf dein alltägliches Leben. Meistens bist du gezwungen, für die Zeit des Studiums in deine Wunschstadt umzuziehen. Du musst nicht nur ggf. Strom und Telefon an deinem alten Wohnort abmelden, sondern dich ebenfalls beim neuen Einwohnermeldeamt ummelden oder einen Zweitwohnsitz anmelden. Alle Vertragspartner sind über deinen Umzug zu informieren, insbesondere Banken, Krankenkasse und Versicherungen, wenn du beispielsweise eine Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten abgeschlossen hast. 

Sie hilft dir, falls du den Dienstschlüssel verlierst oder du einem Patienten Schaden an seiner Gesundheit, seinem Eigentum oder Vermögen zufügst. Schadenersatzforderungen von Patienten können schnell Millionen Euro betragen, beispielsweise für lebenslange Rentenzahlungen. Die Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten sichert deine praktische Tätigkeit im Krankenhaus oder in der Arztpraxis während der Famulaturen, dem PJ und dem Krankenpflegepraktikum ab. Eine eigene Privathaftpflichtversicherung oder die Privathaftpflicht der Eltern reicht dafür nicht aus. Daher ist eine Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudierende sinnvoll. Welche günstigen Angebote für Medizinstudierende offeriert werden, erfährst du bei unserer unabhängigen Ärzteberatung.

Welche Versicherungen brauche ich bereits während des Medizinstudiums?

Neben der Berufshaftpflichtversicherung für Medizinstudenten und einer Privathaftpflichtversicherung ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu empfehlen, damit die für dich existenzbedrohenden Risiken abgedeckt sind. Das Wertvollste, was Ärztin oder Arzt für sich und ihre Patienten besitzen, ist ihre Arbeitskraft. Wenn du deinen Beruf ganz oder teilweise nicht mehr ausüben kannst, droht dir eine finanzielle Notlage. Es hat keine Bedeutung, ob die Ursache dafür Krankheit oder ein Unfall war. Die BU zahlt dir zum Ausgleich des Einkommensverlustes bei 50-prozentiger Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente. Das berufsständische Versorgungswerk für Ärzte erbringt erst eine Leistung, wenn du jegliche ärztliche Tätigkeit beenden musst.

Versicherungsschutz
Versicherungsschutz für Jungmediziner

Der Gesetzgeber schreibt außerdem eine Krankenversicherung vor. Bis zum 25. Lebensjahr sind viele Medizinstudenten in der Familienversicherung der Eltern mitversichert. Zu diesem Zeitpunkt oder zu Studienbeginn müssen sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Für die private Krankenversicherung sprechen die Flexibilität und der Umfang der gewünschten Leistungen, beispielsweise Einzelzimmer, Chefarztbehandlung oder vollständige Kostenübernahme für alternative Heilmethoden. Angehende Ärzte sind in der Lage, diese Leistungsfähigkeit kostenbewusst zu nutzen. Die Beiträge hängen vom Eintrittsalter ab und können für Studierende sehr preiswert sein. Spätestens nach dem Studienabschluss ist die private Krankenversicherung eine ernsthafte Option für Ärzte. Entscheidungshilfe zur privaten Krankenversicherung erhältst du bei unserer in der Betreuung von Mediziner:innen erfahrenen Ärzteberatung.