Ein Erfahrungsbericht über die Vorklinik

Vorklinik Erfahrungsbericht: Was bisher so hinter uns liegt

Für das Physikum dürfen Medizinstudierende zwei Jahre Prüfungsstoff innerhalb kurzer Zeit verinnerlichen. Damit sie die gefragte Information auf Abruf bei der Prüfung parat haben. Doch welche Bereiche umfasst dieses ganze Wissen in der Vorklinik eigentlich genau?

Die Vorklinik

Wenn man nicht selber viel mit der Medizin oder den Studierenden in Kontakt ist, ist einem meistens gar nicht bewusst, dass es in der Vorklinik um viel mehr als nur die ganze Anatomie des Körpers geht. Die biochemischen Abläufe, die physiologischen und molekularen Hintergründe – Eintauchen in die Physik, in die Chemie, die Biologie und natürlich die psychologischen Aspekte im Umgang mit Patienten. All das dürfen wir uns in den ersten Semestern an Wissen aneignen.

Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren mein Pflegepraktikum am Uniklinikum absolvierte, wusste ich nicht mal was die „Histologie“ in der Medizin bezeichnet. Ich dachte, da ginge es um die Medizingeschichte. Interessant, aber doch gar nicht mehr so wichtig heutzutage, wie damals praktiziert wurde, oder? Zum Glück wurde ich dabei schnell von einem Freund, der am selben Klinikum als studentische Hilfskraft arbeitete, aufgeklärt. „Gewebelehre“, so hieße das. Und sei gar nicht mal so unwichtig später in der Klinik.

Erstes Semester

In Würzburg, so finde ich, ist die Art und Weise, wie die Vorklinik gestaffelt wird, ziemlich gut gelungen. Im ersten Semester wird man noch gar nicht so viel mit der „eigentlichen Materie“ der Medizin in Kontakt gebracht. Sondern darf sich erstmal mit Physik, Chemie, Biologie und der Terminologie für die wichtigsten Lateinbasics befassen. An sich ein guter Einstieg in das Studium, um damit die Grundlagen für die Physiologie, Biochemie und die Nomenklatur in der Anatomie zu legen.

In den naturwissenschaftlichen Fächern wird man dabei unter anderem durch verschiedenste Praktika grob an die Arbeitsweise mit den diversesten Messgeräten und -methoden herangeführt. Es wird titriert, die Wärmelehre behandelt oder aber die Ausbreitung von Bakterienkulturen beobachtet. Im Prinzip „Schulwissen plus plus“ nochmal aufgearbeitet und vertieft – wobei bei fast jedem eines der Fächer sicherlich kein Lieblingsfach ist.
Auch die Terminologie lässt sich im ersten Semester gut bestreiten – selbst ohne je ein Wort Latein in der Schule gehabt zu haben. Da könnte man glatt sagen: Veni, vidi, vici – und Französisch kann ich trotzdem.

Zweites Semester

Weiter geht’s in Würzburg im 2. Semester mit den Grundlagen der Gewebelehre – der Allgemeinen Histologie – die die Wintersemestler sogar schon im 1. Semester begrüßen dürfen. Hier wird man aus der Biologie mit der allbekannten Zellenlehre schon etwas Richtung der Anatomie gezogen. Es geht um Epithelien, Fett-, Bindegewebe, Knochen und was der Körper sonst noch alles an Grundgewebearten zu bieten hat. Parallel dazu darf man gut und gerne in die riesigen Anatomie- Atlanten eintauchen, denn der Präparierkurs öffnet seine Tore und man schreitet ein in die faszinierende Welt des menschlichen Körpers mit all seinen Organen.

Um das Semester natürlich noch etwas voller zu packen, kommt dann gleichzeitig der Psychologie-Kurs und der erste Teil der Biochemie mit Praktikum hinzu. Auf was achte ich im Umgang mit Patienten. Was muss ich in der Anamnese unbedingt erfragen und wird Biochemie eines meiner Favoritenfächer? Sicherlich nicht.

Drittes Semester

Wer dann nach dem ersten Jahr noch nicht genug vom Studium hat, der stürzt sich weiter in den zweiten Teil der Biochemie – in meinem Fall der Stoffwechselbiochemie. Je nach Prüfer im Physikum kann man sich hier weit genug dabei austoben, etliche Strukturformeln auswendig zu lernen und aufzeichnen zu können. Also: Einmal die Glykolyse, bitte!

Nebenbei ist jetzt noch die Spezielle Histologie an der Reihe, sich einen Weg in die Studentengehirne zu bahnen. Der Aufbau der Niere, der markante Unterschied der Ohrspeichel- zur Bauchspeicheldrüse – wenn’s geht, alles mindestens zweimal lernen und einmal weniger vergessen.

Ach ja, und ich meine natürlich „der Parotis zum Pankreas“.

Sollte jemand dann seit einem Jahr das Physikalische Etwas im Leben vermissen, ist er in der Physiologie gut aufgehoben. Dort kann er seinen Horizont erweitern, indem er Formeln und Prozesse mit Abläufen im menschlichen Körper an Synapsen und anderen Übergängen in Verbindung bringt. Halleluja!

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Neutroanatomie

Zu guter Letzt, neben der restlichen Physiologie, ist dann noch die Neuroanatomie an der Reihe. Alles, was man zum Gehirn je herausgefunden hat, jetzt in die Köpfe der Studierenden packen. Dabei zu hoffen, dass zumindest der grobe Aufbau der Hirnhemisphären hängen bleibt. Wenn’s geht noch ein paar Verschaltungen, Krankheitsphänomene und allgemein die ganzen Transmitter Vorgänge mal 1000, damit man in der ganzen Physikumsvorbereitung mindestens zehn Mal an demselben Bahnsystem verzweifelt.

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Aber so fühlt sich das Gehirn mit all seinen Sulci (lat .für Furche) doch gerne mal an.

Durchweg ist die Theorie der Vorklinik in den Semestern dicht gepackt und jedes halbe Jahr scheint schlimmer zu sein als das vorherige. Aber keine Sorge, das geht nur dreimal so, dann ist ja schon Physikum! ;)

Wenn ich im Nachhinein auf die vergangenen Semester zurückblicke, kann ich mit der Struktur und der Gestaltung des Studiums in Würzburg echt zufrieden sein. Spätestens ab dem dritten Semester schließt sich so langsam der Kreis und die verschiedenen Fächer verschwimmen ineinander. Schließlich beginnt man Stück für Stück das „große Ganze“ zu verstehen, das „wie“ des Lebens also. Den Sinn des Lebens aber – nein – den hat man auch als Mediziner:in dann immer noch nicht für sich erschlossen.

In diesem „Sinne“:
Ein frohes Neues Jahr noch und auf ein erfolgreiches 2019 – ob mit oder ohne Physikum.

Eure Mareike
Medizinstudierende an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captainin

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