Ironman Weltmeisterschaft Hawaii 2022

Dies sind meine persönlichen Tipps und Tricks, die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii zu genießen. Warum man das unbedingt einmal in seinem Leben tun sollte und was so besonders an der amerikanischen Inselgruppe ist, erfahrt ihr hier.

Ich habe mich für meinen Urlaub auf Hawaii entschieden, da eine meiner besten Freundinnen am Ironman teilnahm. Ich versuche sie seit dem Beginn ihrer sportlichen Karriere so gut es geht zu unterstützen und für mich war klar, dass ich mich im Falle ihrer Qualifikation in den Flieger setzen werde. Zusammen mit meiner Freundin habe ich einen 14-tägigen Urlaub auf der pazifischen Insel geplant, um Sophia zu unterstützen und gemeinsam das Paradies zu erkunden. Wir waren beide noch nie dort und die Vorfreude war entsprechend riesig. Sowohl meine Freundin als auch ich mussten einige Vorkehrungen treffen, damit der Reise nichts im Wege stand. 

Die Planung

Im August 2021 hat sich Sophia in Frankfurt am Mainnova Ironman European Championship für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert. Der Ironman wurde dann aufgrund von Corona mehrmals verlegt und ist dann auf den Oktober dieses Jahres verschoben worden. Ein für mich fast perfekter Zeitraum. Ich konnte glücklicherweise meine Uni-Kurse so planen, dass genau ein Zeitraum von ca. 2 Wochen „frei“ war. Eigentlich hätte ich im Klinik-Block sein müssen, konnte diesen aber geschickt verschieben. 

Die Block-Kurse im 10. Semester

Die Block-Kurse im 10. Semester werden nach Gruppen vergeben. Verpflichtend sind die Fächer Chirurgie, Innere, Gynäkologie, Allgemeinmedizin und Pädiatrie sowie 2 Wochen Wahlfach. Man muss demnach 6 „Blöcke“ à 2 Wochen absolvieren. Dafür steht ein Zeitraum von ca. 16 Wochen zur Verfügung und damit hat man 2 Frei-Blöcke. In der Wahl der Termine ist man nicht gänzlich frei, aber man kann sich für eine Gruppe „bewerben“. Die Gruppen unterscheiden sich in der Reihenfolge ihrer Block-Wochen und ihrer Frei-Blöcke. Am beliebtesten ist die Gruppe, die am Ende einen Frei-Block hat. So kann man am Ende länger am Stück für das Examen im April lernen. Ich habe mich für einen Block entschieden, dessen Frei-Block im Zeitraum des Ironmans lag. 

Anreise 

Der lange Flug von 12 Stunden mit Zwischenlandung in San Francisco war irgendwie auszuhalten. Ich habe auf dem Flug noch viele weitere Athlet:innen, Unterstützer:innen und „Fans“ getroffen. Die Beinfreiheit im Flugzeug war mal wieder viel zu gering, das Essen war echt gut. In San Francisco musste ich mein Gepäck erneut aufgeben, um dann nach Hawaii, Kona weiterfliegen zu können. Also musste ich auch erneut durch die Sicherheitschecks. Das war nervig, aber unkompliziert. In SFO kam ich das erste Mal mit den amerikanischen Preisen für Waren in Kontakt. 11 Dollar für ein mickriges Käse-Sandwich und 6 Dollar für einen Kaffee.

Nach 2 Stunden Aufenthalt in SFO ging es für weitere 6 Stunden in einen Flieger von United Airlines. Destination: Kona. Hawaii.

Ankunft

Mein Flieger landete in Kona zur Abendzeit und es war schon dunkel. Meine Freundin war bereits in Kona, da sie 4 Stunden vor mir ankam. Sie hat andere Flüge buchen müssen, da mein Flug zum Zeitpunkt ihrer Buchung unbezahlbar war. Die Flugpreise sind in den Wochen vor dem Ironman praktisch explodiert. Da sich immer mehr Athlet:innen qualifiziert haben und es immer sicherer wurde, dass der Ironman nicht mehr verschoben wird, ist die Nachfrage in den Himmel geschossen. Die Ankunft in Kona war ein Traum. Zwar hat die Dunkelheit sehr viel von der Schönheit der Insel versteckt, aber das Klima, welches man mit dem ersten Atemzug aufgenommen hat, war genauso, wie man es sich vorstellt. Tropische Luft wie im Paradies. 

Der erste Tag auf Hawaii

Am nächsten Morgen haben wir unser Auto abgeholt und sind alle zusammen zum Cptn. Cook Monument gefahren. Für alles offen habe ich mich ohne Erwartungen ans Steuer gesetzt und mich vom Navi leiten lassen. Es ging durch verschiedenste Vegetationen, die ich mir nicht hätte vorstellen können, mit Farben, die ich nicht beschreiben kann, über schmale Straßen zu einem Punkt auf der Insel, der als einer der schönsten Schnorchelspots zählt, die die Insel zu bieten hat. Sophia hat sich diesen Platz ausgesucht, da sie dort ihre Freiwasser-Trainingseinheiten absolvieren konnte. Wir beobachteten sie aus der Ferne, waren besorgt, da sie dort hinten, kaum erkennbar, im freien Meer dicht an den Felswänden und begleitet von ihrer Trainerin und vermutlich etlichen Fischen schwamm. Irgendwann verlor ich ihre Spur, aber ihr Vater hatte ein geübteres Auge. Er beobachtete seine Tochter und ihre Schwimmhaube, die für mich von dem aufbrausenden Wasser kaum mehr zu unterscheiden war. 

Ich schnappte mir meine Schnorchelausrüstung und sprang endlich auch ins Wasser. Und was ich dann sah, habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Eine unendliche Variation an Fischen, so bunt wie der schönste Regenbogen. Ich kam mir vor wie in einem Aquarium. Fische, so gelb wie eine Zitrone schwammen in Schwärmen an mir vorbei. Kleine Kugelfische mit weißen Punkten schauten mich an. Ich sah Seeigel und dachte an einen besseren Schutz für meine Füße bei meinen nächsten Tauchgängen. Und ein Fisch stach besonders ins Auge: Der Humuhumunukunukuapuaa.

Der Hawaiianische Nationalfisch. Die Bemalung dieses Fisches ist so außergewöhnlich, dass es kein Wunder ist, dass er es zum Nationalfisch geschafft hat. Er hat eine gelbe Fläche, die durch einen schwarzen, dicken Streifen von der weißen Vorderfläche getrennt ist. Seine Oberfläche scheint mit Neonfarben verziert zu sein und es sieht ein bisschen so aus, als würde er Lippenstift tragen. Sein deutscher Name lautet Diamant-Picassodrückerfisch.

Die Insel

Hawaii ist der Name der Inselgruppe sowie der der größten dazugehörigen Insel. Daher wird die größte Insel, um Verwechslungen vorzubeugen, auch Big Island genannt. Big Island ist aus Vulkanausbrüchen entstanden. Heiße Lava hat sich durch Kontakt mit dem Meereswasser verfestigt und die Inseln geformt. Tiere, die hier leben, sind allesamt über das Wasser gekommen. Die Ureinwohner:innen der Insel haben eine enge Verbindung zu der Natur. Es gibt auf Hawaii alle Vegetationsformen bis auf Tundra und Wüste. Es gibt schneebedeckte Berge und einen echten Regenwald. Die Insel ist für viele Menschen das absolute Paradies.

Marvin im Regenwald auf Hawaii
Wanderung durch den Regenwald

Und das Lebensmotto der Hawaiianer:innen ist ebenso bemerkenswert. Drive with Aloha heißt es auf den Schildern der Highways. Was so viel bedeutet, wie: Drive with care. Aloha ist mehr als nur ein Wort. Aloha kann vieles bedeuten und ist der Ausdruck hawaiianischen Lebensstils. Die Hawaiianer:innen mögen es entspannt. Sie sind freundlich und offen. Sie lieben ihre Insel und freuen sich über Gäste. 

Man kann mit dem Auto in nur wenigen Stunden um die Insel fahren. Es gibt einen Highway, der die Ost- mit der Westküste verbindet. Auf der Westseite liegt Kona, im Osten Hilo. Beide Regionen sind städtisch geprägt. Im Süden gibt es Vulkane und im Norden kann man in den Wintermonaten Wale beobachten. Rundherum gibt es unzählige traumhaft-schöne Strände. Und weil die Hawaiianer:innen ihre Natur lieben, soll diese auch für jeden Menschen frei begehbar sein. So etwas wie Eintrittsgelder gibt es hier nicht.

Beach Day

Mit der Zeit wurde das Schnorcheln meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Meine Freundin und ich haben einen Tag für die Erkundung der Strände der Westküste verplant. Die Vielfalt zu erkunden ist es Wert, zu reisen.

Wir stoppten als erstes am Kekaha-Kai-State-Park. Das Meer so türkis und der Sand so weiß, dass man glaubt, in der Karibik zu sein. Wir verbrachten einige Stunden hier unter Palmen im Sand und machten uns auf den Weg nach Puako Beach. Der Strand ist bekannt für eine bestimmte Art von Meeresbewohnern und wir waren noch nicht am Wasser angelangt und konnten sie schon sehen: Meeresschildkröten.

Zum Anfassen nah. Ihre kleinen Köpfchen streckten sie nur wenige Meter von der Küste entfernt zum Luftholen aus dem Wasser zwischen den Lavasteinen. Eine sonnenbadende Schildkröte machte es sich im Sand gemütlich. Wir ließen uns in einigem Sicherheitsabstand nieder, um sie nicht zu stören und begaben uns sofort ins Wasser, um ihre Freunde zu begrüßen. Das Wasser war klar, wurde aber durch unsere Ungeschicklichkeit trüb, da wir den Sand mit unseren Füßen aufwirbelten. Ich konnte keinen Meter mehr weit gucken und sah in diesem Nebel plötzlich schemenhaft eine riesige Schildkröte vor mir auftauchen. Sie schien die Felsen zu untersuchen. Sie knabberte an den Algen und störte sich nicht an uns. Meine Freundin hat sie auch erblickt. Und neugierig trauten wir uns immer näher heran, natürlich unter Einhaltung eines gewissen Abstandes zur Wahrung des Sicherheitsradius.

Wir wollten das Tier nicht stören und es machte den Anschein, als würden wir sie selbst dann nicht stören, wenn wir es wollten. Das Tier glitt seelenruhig durchs Wasser und tauchte alle 30 Sekunden auf, um nach Luft zu schnappen. Mir kam die Zeit vor, als würde sie stehen bleiben. Das Wasser war noch immer nicht klarer, obwohl ich mir einen Fleck auf einem Felsen im Wasser ausgesucht habe, auf dem ich ruhig stehen und beobachten konnte. Plötzlich kam aus dem Nichts eine weitere Schildkröte. Sie näherte sich uns und schwamm so nah an uns heran, dass wir noch völlig fokussiert auf die erste Schildkröte, sie erst bemerkten, als sie nur wenige Zentimeter vor uns auftauchte. Diese Schildkröte kam so unerwartet aus dem Nichts, dass wir uns mächtig erschreckten. Kurz darauf lachten wir beide.

Raceday

Am Tag des Wettkampfes klingelte unser Wecker um 5 Uhr morgens. Wir wollten unbedingt den Start von Sophia erleben, sie noch einmal sehen, bevor sie ins Wasser springt. Wir konnten einen wunderschönen Sonnenaufgang am Alii Drive beobachten und hatten Blick auf den Schwimmkurs.

Ab ins Wasser

Die Kanonen knallten und damit startete der Ironman an seiner Geburtsstätte. Wir versuchten Sophia nicht aus den Augen zu verlieren, aber ähnlich wie am Cptn. Cook Monument konnten wir sie nach einigen Hundert Metern kaum noch erkennen, dann war sie für uns verschwunden; das Meer war zu unruhig und die Athleten zu zahlreich. Über unsere Handys konnten wir sie tracken. Sie kam wie erwartet aus dem Wasser, schwamm eine tolle Zeit und machte in der Wechselzone noch weitere Plätze gut.

Ab auf die Radstrecke

Wir wechselten die Stellung und positionierten uns so, dass wir Sophia anfeuern konnten, sobald sie sich aufs Rad schwingt und und sich in Richtung Queen Ka’ahumanu begibt. Kurz nachdem wir einen guten Platz fanden, rauschte sie an uns vorbei und strahlte sichtlich. Nun begann das Stellungsspiel. Wir positionierten uns permanent neu, immer so, dass wir dieses kleine Zeitfenster, in welchem sie an uns vorbeiraste, nutzten, sie mit aller Kraft anzufeuern. Als Sophia dann auf dem Weg durch die Lavalandschaft war, zu der Zuschauer keinen Zugang haben, verfolgten wir das Rennen weiter über Livestreams und fieberten gespannt dem Beginn des Marathons entgegen. 

Und noch der Marathon

Als Sophia in die Laufschuhe wechselte, war sie bereits über 6,5 Stunden sportlich unterwegs. Und wie sie unterwegs war. Sie konnte während der 180 km Radstrecke etliche ihrer Kontrahentinnen überholen. Dann startete Sophia großartig in den Marathon. Und wir alle fühlten es: Heute liefert sie eine Spitzenleistung.

Unser Stellungsspiel ging auch in die nächste Runde und wir positionierten uns weiter taktisch und konnten Sophia den nötigen Support geben. Wir sahen sie, riefen ihr zu, liefen neben ihr her und rannten dann zum Auto, um rechtzeitig und vor ihr am nächsten Spot zu sein. Allerdings waren die meisten Highways und Straßen wegen des Wettkampfes versperrt, aber irgendwie schafften wir es immer, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. 

Und auch Sophia hatte ein perfektes Timing. Noch vor Anbruch der Dunkelheit machte sie sich auf in Richtung Zielgeraden, wo Chalsea Sodaro, die Gewinnerin des diesjährigen Ironmans, auf sie wartete, um Sophia zu beglückwünschen. Und auch wir standen schon bereit, um sie in die Arme nehmen zu können. Nach 10 Stunden und 40 Minuten durchlief Sophia mit einer neuen persönlichen Bestzeit die Ziellinie in Kailua Kona. 

Abschluss

Wir alle waren und sind unendlich stolz auf ihre Leistung. Die letzten Tage brachen an und wir hatten noch Zeit, gemeinsam Hawaii zu erkunden. An erster Stelle standen die amerikanischen Fast-Food-Ketten – dort konnte Sophia endlich ihre Diät brechen.

Dann wartete noch eine hawaiianische Besonderheit auf uns. Wir fuhren abends an einen Spot, der berühmt dafür war, wilde Manta Rochen anzulocken. Es handelte sich um ein Hotel. Es war direkt am Meer gebaut worden und richtete früher die Scheinwerfer zur Beleuchtung des Pools ins Meer. Dies führte dazu, dass sich Plankton bildete, welches wiederum die Mantas anzog. Dadurch kam es zu der ersten Sichtung von Mantas auf Hawaii. Den Pool gibt es heute nicht mehr, aber die Scheinwerfer sind geblieben. Und tatsächlich hatten wir Glück: Nach einer guten Stunde sahen wir 3 umwerfend schöne Tiere durchs Wasser gleiten. Sie waren so groß wie Schlauchboote und nah genug, um sie genau beobachten zu können. Die 3 schwammen auf uns zu und drehten dann ab, um in die Dunkelheit des Ozeans wieder zu verschwinden. So endete unser letzter Tag auf Hawaii. 

Marvin und Sophia auf Lavagestein im Jeep
Ausflug zu den Lavafeldern

Den Erfahrungsbericht von Sophia selbst zum Ironman auf Hawaii findet ihr hier.

Euer Marvin,
Medizinstudent an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain

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