Trainingszwischenstand – die „Road to Kona“

Ich bin gerade in die Semesterferien gestartet und möchte die Zeit gerne nutzen, euch einen kleinen Einblick zu geben, wie mein Weg nach Hawaii bisher verlaufen ist. Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich mich in Frankfurt bei der Europameisterschaft für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert. Seitdem ich meinen Platz angenommen habe, befinde ich mich in der Planung und Vorbereitung meinen Traum von einer WM Teilnahme beim Ironman auf Hawaii Realität werden zu lassen. Bei einer so langen Vorbereitung fand ich es wichtig, mir immer wieder Zwischenziele zu setzen, um den Fortschritt sichtbar zu machen und eventuelle Defizite aufzuzeigen.

Trainingszwischenstand: Schwimmen

Besonders die Aussicht, dass die 3,8 km auf Hawaii im offenen Pazifik geschwommen werden und nicht wie in Frankfurt im Langener Waldsee bereiteten mir noch Sorge. Deshalb haben meine Trainerin und ich den Winter vor allem dazu genutzt, an meiner Schwimmform zu arbeiten, die zuvor nicht gerade von den coronabedingten Schließungen der Schwimmbäder profitiert hat. Im November ging es dafür dann auch noch einmal in die Sonne, nach Fuerteventura. Dort haben wir eine Woche lang einen sehr intensiven Schwimmblock mit 2 Schwimmeinheiten pro Tag eingelegt. Das intensive Training zahlte sich aus und ich fühlte mich schon bald deutlich wohler im Wasser. Mittlerweile sehe  ich das Schwimmen nicht mehr als notwendiges Übel im Triathlon, sondern kann endlich den gleichen Spaß an den Einheiten empfinden, den mir auch die anderen zwei Disziplinen bringen.

Trainingszwischenstand: Radfahren & Laufen

Während sich das Radtraining im Winter zunehmend nach drinnen auf die Rolle verlagert, weil die Temperaturen schlicht weg zu kalt sind, um längere Radtouren draußen zu machen, eigneten sich die Bedingungen zum Laufen an der frischen Luft nach wie vor. Die Einheiten waren sehr abwechslungsreich. Vom langen Lauf zu kürzeren Intervalleinheiten oder Kraftausdauer Trainings mit Intervallen am Berg war alles dabei. Den Höhepunkt stellten dann die vielen kleineren Straßenläufe dar, bei denen ich mich hin und wieder mal mit anderen messen konnte. Besonders die Winterlaufserie in Duisburg hat mir sehr gefallen. Diese besteht aus 3 verschiedenen Läufen. Der erste wird über die 10 km ausgetragen, der zweite dann über 15 km und zum Schluss folgt ein Halbmarathon. Neben meiner neuen persönlichen Bestzeit im Halbmarathon von 1:29 h habe ich mich vor allem darüber gefreut, viele bekannte Gesichter zu treffen und gemeinsam an den Start zu gehen.

Trainingslager auf den Kanaren

Im März ging es dann ein weiteres Mal auf die Kanaren, dieses Mal jedoch auf die Nachbarinsel Lanzarote. Auch dort warteten optimale Trainingsbedingungen und vor allem auch endlich wieder warme Temperaturen für längere Radeinheiten. Das Radfahren auf der Insel ist einfach einmalig. Die Winde der Kanaren und die hügeligen Vulkanlandschaften stellten dabei immer wieder eine Herausforderung dar, die mir schon einmal einen Vorgeschmack auf die Bedingungen Hawaiis geben sollten. Eine Lagune direkt vor unserem Hotel eignete sich super zum Freiwasser Training. Leider hatte ich nämlich nach wie vor mit Panikattacken und einer mentalen Blockade im Freiwasser zu kämpfen. Nach erfolgreichen zwei Wochen auf der Insel fand zu guter Letzt vor Ort eine Mitteldistanz statt. Die Mitteldistanz ist ein Ironman 70.3 mit 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und 21 km Laufen.

Der Wettkampf war sehr anspruchsvoll, da man sowohl auf der Rad- als auch auf der Laufstrecke mit den Höhenmetern und dem Wind zu kämpfen hatte. Zwar fehlte mir die nötige Erholung vor einem solchen Wettkampf, da ich ja gerade zwei intensive Belastungswochen absolviert hatte, aber nichtsdestotrotz freute ich mich sehr darauf, endlich wieder unter Wettkampfbedingungen an den Start zu gehen. Vor allem im Freiwasser erhoffte ich mir meine ursprüngliche Panik endlich überwinden zu können und war überglücklich, als ich dieses mit einer neuen Bestzeit von 34 Minuten über die 1,9 km verlassen konnte. Auch auf dem Rad und beim Laufen waren meine Werte vielversprechend und so ging es dann nach erfolgreichen zwei Wochen Trainingslager und einem guten Finish bei der Mitteldistanz auf Lanzarote wieder zurück nach Deutschland.

Trainingslager in Girona

Da die Berge auf Lanzarote allerdings noch nicht mit den Bergen zu vergleichen waren, die mich bei meiner Langdistanz im Juni erwarteten, beschlossen meine Trainerin und ich ein weiteres Trainingslager in Girona einzuplanen. Girona ist eine kleine spanische Stadt in den Pyrenäen, die sich optimal zum Rad fahren eignet. Schon vom ersten Moment an gefiel es mir vor Ort. Umgeben von anderen Rad Fahrer:innen zu sein und die Straßen in der Umgebung zu erkunden. Zusammen in der Gruppe und auf den super Straßen merkte ich kaum, dass ich in den 14 Tagen über 1.000 km auf dem Rad mit über 14.000 Höhenmetern zurücklegte.

Zurück in Deutschland

Zurück in Deutschland fing nun das neue Semester wieder an. Aber neben der Uni durfte ich mich auch schon auf ein weiteres Zwischenziel, den Ironman 70.3 im Kraichgau, freuen. Auf der 1,9 km langen Schwimmstrecke wollte ich dort meine Zeit aus Lanzarote noch mal bestätigen, um dann auf der hügeligen 90 km langen Radstrecke ordentlich Gas zu geben und zu gucken, wie ich dann den Halbmarathon nach einem harten Radfahren laufen könnte. Überrascht stellte ich fest, dass ich den Halbmarathon trotz anfänglicher Rückenschmerzen sehr gut laufen konnte und erkämpfte mir nicht zuletzt aufgrund der super Unterstützung von meinen mitgereisten Freunden und meiner Familie im Halbmarathon dann noch den dritten Platz.

Ironman in Nizza

Der Wettkampf im Kraichgau stimmte mich sehr optimistisch und ich startete voller Elan in die letzte intensive Belastungsphase vor meinem größten Zwischenziel auf der Reise nach Hawaii, dem Ironman in Nizza. Die Trainingseinheiten in dieser Zeit verliefen größten Teils nach Plan und so machte ich mich eine Woche vor dem Wettkampf auf den Weg nach Nizza.

Die letzten Radeinheiten sollte ich auf der Radstrecke absolvieren, um ein Gefühl für die Steigungen zu bekommen. Naja was soll ich sagen… es war steil! Die Radstrecke in Nizza umfasst über die 180 km noch zusätzlich 2.800 Höhenmeter. Konkret bedeutet das, dass man ab circa Kilometer 10 bis Kilometer 70 konstant Berg hochgefahren ist. Danach folgten ein Plateau und eine kurze Abfahrt. Doch bei Kilometer 110 wartete schon der nächste Anstieg, der sich noch einmal über etwa 15 km zog. Natürlich war ich darauf eingestellt, dass Nizza bergig werden würde, doch das übertraf meine Erwartungen. Ich stellte fest, dass mir die Radstrecke wohl einiges abverlangen würde, nichtsdestotrotz freute ich mich sehr auf das Rad fahren, weil mir gerade die technischen Abfahrten und die Aussichten in den Bergen viel Freude bereiteten.

Die Schwimmergebnisse aus den vorherigen Wettkämpfen und das glasklare Wasser der Cote’d’azur stimmten mich in der ersten Disziplin optimistisch. Bis mich im Training eine Feuerqualle am Fuß erwischte und die Panik im Freiwasser zurückkam. Einzig das Laufen schien zu halten, was ich mir versprochen habe. Die Laufstrecke erstreckte sich über 10 km entlang der Promenade des Angles mit einem Wendepunkt nach dem 5. Kilometer. Flach und gerade aus ist genau das, was ich am liebsten mag beim Laufen. Mit all diesen Gedanken im Gepäck war es endlich so weit und der Wettkampfmorgen ist gekommen.

Der Wettkampftag

Das Schwimmen

An so einem Wettkampftag klingelt der Wecker schon um 4 Uhr morgens. Der Startschuss fällt um 7 Uhr und bis dahin gilt es noch einiges zu erledigen. Nach einem schnellen Frühstück mit möglichst vielen Kohlenhydraten ging es für mich zur Wechselzone. Dort habe ich noch die letzten Vorkehrungen an meinem Rad getroffen und mich dann langsam in Richtung Schwimmstart begeben. Die Bedingungen schienen optimal. Es war zwar warm, jedoch wurde bekannt gegeben, dass es kein Neopren Verbot geben würde. Und die 3,8 km im Neoprenanzug zurückgelegt werden dürfen. Auch der Wellengang schien recht entspannt zu sein.

Ich versuchte mich nicht zu weit hinten an die Startlinie zu stellen, um möglichst früh jemanden zu finden, der etwas schneller schwimmt als ich, sodass ich mich an den Füßen des Vordermanns orientieren könnte. Gesagt getan ging es auch schon los. Der Startschuss fiel und ich rannte über den Kies ins Wasser. Tatsächlich fand ich direkt am Anfang „schnelle Füße“, denen ich eine Weile folgte. Ich hatte das Gefühl, ziemlich genau meine Pace zu schwimmen, hatte Platz um mich herum und konnte mich gut orientieren. Auch Quallen waren keine in Sicht, sodass das Schwimmen insgesamt deutlich besser lief als erwartet und ich das Wasser schon nach 1.09 h verließ. In Frankfurt war ich im Jahr zuvor noch 1.18 h geschwommen.

Das Radfahren

Mit diesem Erfolg rannte ich euphorisch zu meinem Rad und freute mich auf die wohl größte Herausforderung des Tages, die nun folgte. Die ersten Kilometer waren flach. Ich wollte keine Zeit verlieren, merkte aber, dass sich meine Beine schwerer anfühlten als sonst. Auch am Anstieg musste ich feststellen, dass ich noch nicht so recht in den Tritt gekommen bin. Der größte Schock kam dann aber, als ich mit der Nahrungsaufnahme beginnen wollte. Jedes Gel, welches ich genommen habe, sofort wieder ausspuckte. Die Aussicht, 180 km Radstrecke und einen Marathon ohne die nötigen Kohlenhydrate zu bestreiten, machten mich nervös, weshalb ich mit der Fehlersuche begann.

Ich vermutete, dass ich wohl beim Schwimmen etwas viel Salzwasser geschluckt haben muss. Und möglicherweise leicht dehydriert war. Deshalb legte ich den Fokus auf das Zuführen von Wasser im Wechsel mit etwa der halben Menge der geplanten Gels. Außerdem versuchte ich mich möglichst gut zu kühlen. Dazu kippte ich mir eine Flasche Wasser über den Kopf. Die Hitze in den Bergen stand ganz schön und machte mir ziemlich zu schaffen. Mein Magen beruhigte sich allmählich und der Plan schien wieder aufzugehen. Die Sorge, was das wohl für eine Auswirkung auf den Marathon habe, blieb allerdings. Ich war nach wie vor beunruhigt unterversorgt 42 km laufen zu müssen.

Als dann endlich auch der höchste Punkt der Radstrecke erreicht war, erreichte ich auch eine der Verpflegungsstationen. Ich griff eine Flasche, um sie mir zur Kühlung über den Kopf zu kippen und eine zweite um meine Flaschen nachzufüllen. Dafür erhielt ich dann prompt eine 5-Minuten-Zeitstrafe, da jede:r Athlet:in wohl nur eine Flasche bekäme. Das war mir nicht bewusst und wurde vorher auch nicht kommuniziert, aber so ist eben Sport. Die restlichen Kilometer der Radstrecke fand ich wieder gut in den Tritt. Endlich konnte ich wieder die normale Menge Gels aufnehmen und habe versucht, möglichst viel nach zu trinken.

Der zweite Teil der Radstrecke machte mir außerdem besonders viel Spaß, weil er landschaftlich einfach ein Traum war. Außerdem superviele technische Abfahrten beinhaltete, auf denen ich einige der Athleten, die mich auf meinem Kampf am Berg überholt hatten, wieder einholen konnte. Als ich nach diesen 180 km vom Rad stieg, war ich unendlich froh, das Rad fahren geschafft zu haben und sehr gespannt, wie ich mich jetzt nach so einem Kampf wohl beim Laufen fühlen würde. Zuvor musste ich aber noch die 5 Minuten Penalty in der Wechselzone abwarten. Dafür heißt es einfach still stehen und nichts tun. Erst wenn der:die Schiedsrichter:in einen loslaufen lässt, geht es weiter. Das strapaziert ganz schön die Nerven. 5 Minuten können echt lang sein.

Das Laufen

Endlich durfte ich loslaufen und stellte überrascht fest, dass sich meine Beine super anfühlten. Meine Trainerin rief mir zu, dass ich auf Platz 5 wäre, was mir zu dem Zeitpunkt ziemlich egal war, weil die Ziellinie noch so weit entfernt schien. Ich lief einfach und versuchte mich auf meinen Rhythmus zu konzentrieren. Bei den Verpflegungsstationen nahm ich nur Wasser. Der Sache mit den Kohlenhydraten traute ich immer noch nicht wieder ganz. Zusätzlich nahm ich alle 5 Kilometer ein Gel, das ich zum Glück auch super vertragen habe. Ich merkte, wie ich an einem Athleten nach dem anderen vorbei lief und freute mich über die vielen Zuschauer, die zur super Stimmung beitrugen. Auch der Wind, der nun aufgezogen war und die Hälfte des Rundkurses deutlich erschwerte, konnte mich nicht davon abhalten, einfach mein Tempo weiter zu laufen.

Bei der nächsten Zwischenzeit erfuhr ich, dass ich nun auf Platz 4 sei und Platz 2 und 3 vor mir wohl langsamer liefen als ich. Das motivierte! Ich lief und lief und war überglücklich, als ich nach der vierten Runde endlich auf die Zielgerade abbiegen durfte. Im Endeffekt beendete ich den Marathon in einer neuen persönlichen Bestzeit von 3.42 h. Damit war ich den schnellsten Marathon in meiner Altersklasse gelaufen. Das bedeutete Platz 3 für mich mit einer Minute Rückstand auf Platz 2. Noch nie habe ich so oft daran gezweifelt, ob ich das Ziel erreichen würde und noch nie war ich so froh, als ich es dann erreicht habe.

Voller Zuversicht starte ich nun in die letzten intensiven Trainingswochen vor meinem Start auf Hawaii. Ich werde am 18. September nach Hawaii fliegen. Eine Woche davor werde ich noch eine Mitteldistanz als letzten Formcheck in Almere in der Nähe von Amsterdam absolvieren.

Mehr über die letzten Vorbereitungen, Almere und Hawaii werde ich euch in einem meiner nächsten Berichte erzählen. Auf der Instagramseite von jungmediziner.de könnt ihr den Ironman auf Hawaii mitverfolgen.

Eure Sophia,
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und Campus Captainin bei jungmediziner.de

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