Clara in Tansania

Famulatur im St. Jospeh Hospital in Moshi – Tansania

Nachdem ich bereits mein Pflegepraktikum vor einigen Jahren in Ghana absolviert hatte, zog es mich erneut nach Afrika. Nach meinen drei Monaten im Westen des Kontinenten war ich auf der Suche nach einem anderen Land, das auch relativ sicher ist und in dem viel Englisch gesprochen wird.

Daher habe ich mich für eine Famulatur in Tansania entschieden.

Planung für die Famulatur in Tansania

Ich habe hierfür die etwas einfache, aber auch teurere Variante gewählt und ging über die Organisation WorldUnite!. Sie organisierten die Flughafentransfers, eine Unterkunft, die Platzierung im Krankenhaus und eine Orientierung in der Stadt.

Ansonsten buchte ich meine Flüge selber und kümmerte mich um alle nötigen Impfungen. 

Des Weiteren ist es ratsam, sich vorab eine grundlegende Ausstattung fürs Krankenhaus zu besorgen. In meinem Fall waren das: Kasacks, FFP2-Masken, Handschuhe, Haarnetze, Desinfektionsmittel und sonst die Sachen, die man in Deutschland auch zu einer Famulatur mitnehmen würde.

Das Visum kann man auch vorab besorgen, ich habe es mir aber problemlos on arrival holen können, es ist wichtig, darauf zu achten, ein Student Visum zu bekommen, damit man dann auch arbeiten darf. Außerdem sind die aktuellen Einreiseregeln bezüglich Corona zu beachten. 

Am Volunteerhaus von WorldUnite
Am Volunteerhaus von WorldUnite

Die Famulatur im St. Joseph Hospital

Das St. Joseph Hospital ist ein kirchlich geführtes Krankenhaus im Stadtteil Soweto in Moshi. Es fasst ca. 200 Betten und hat an Stationen folgendes: Out Patient department, emergency room, Pädiatrie, Male ward, Female Ward, Geburtenstation, Surgery und aktuell auch einen COVID ward, der während meiner Zeit aber zum Glück ziemlich leer blieb.

Die Stationen meiner Famulatur in Tansania

Ich verbrachte eine Woche in der Pädiatrie, eine auf der Geburtenstation und zwei in der Notaufnahme.

Insgesamt muss man sagen, dass in Tansania weniger englisch gesprochen wird, als ich dachte. Die Konversationen mit Patienten laufen immer auf Swahili, die zwischen Ärzten und Schwestern für gewöhnlich auch. Die Ärzte und auch die meisten Schwestern können zwar Englisch nutzen, dies aber nur, wenn sie mit einem direkt sprechen.

So war es am Anfang ein bisschen schwer, wirklich rein zu kommen, dennoch konnte ich in meiner ersten Woche auf der Pädiatrie viel lernen. Ich war bei den Visiten dabei, bei OP Nachversorgungen und bei der normalen Stationsarbeit. Der Arzt erklärte mir viel und sprach Krankheitsbilder wie Malaria und Pneumonie, und wie sie sich bei Kindern präsentieren, mit mir durch.

In der Geburtenstation war dann nochmal deutlich mehr los! Hier konnte ich jeden Tag einige Geburten sehen und auch einige Male assistieren. Außerdem konnte ich auch immer mit in den OP gehen, wenn ein Kaiserschnitt anstand. Auch die Neugeborenen Versorgung fand hier auf Station statt.

In der Notaufnahme sahen wir von COVID über Sichelzellanämien bis zu vielfältigen verschiedenen Motorradunfällen (meistens die „Boda Bodas“, die Motorradtaxis in Tansania) wirklich einiges. Hier konnte ich mit meinem mittlerweile ein bisschen besserem Swahili die Anamnesen erheben, die körperlichen Untersuchungen durchführen, und habe viel und lange mit den Ärzten mögliche Verdachtsdiagnosen, das weitere Vorgehen und die Medikation diskutiert. Wir führten außerdem viele Ultraschalle und EKGs durch. Für weitere Untersuchungen mussten wir die Patienten allerdings in ein größeres Krankenhaus überweisen. Hier habe ich wirklich wahnsinnig viel gelernt. Und spätestens als ich mit im Krankenwagen mit einem Traumapatienten durch Moshi raste, hatte ich den Eindruck, einen wirklich guten Einblick in die Notfallmedizin zu erhalten. Wenn auch natürlich ganz anders als bei uns in Deutschland.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jeder im St. Joseph Hospital wirklich sehr nett war und einige Ärzte auch wirklich Interesse daran hatten, einen zu fordern und einem etwas beizubringen. Die Arbeitszeiten waren mit Montag bis Freitag ca. 8 bis 15 Uhr recht entspannt.

Tansania und Moshi

Moshi ist eine recht kleine Stadt am Fuße des Kilimandscharo und war für mich der perfekte Ort für einen Monat. Es gibt einige wirklich schöne Orte zum entspannend (z. B. Blossom, Union Café und Maembe Garden Restaurant), gute Restaurants (z.B. Jay‘s Kitchen, Indoitaliano, Milan‘s) und natürlich überall wahnsinnig leckeres und gutes Streetfood. Gut feiern gehen kann man im Club Red Stone.

Meine Unterkunft lag im Bereich KDC und war quasi ein Volunteerhaus von WorldUnite! wo ich mit einigen anderen Deutschen und Franzosen zusammen wohnte und eine tolle Zeit hatte.

Ansonsten lässt sich um Moshi herum wahnsinnig viel unternehmen. Es gibt beispielsweise heiße Quellen, Wasserfälle und einen Kratersee (Lake Chala) sowie tolle Tierschutzeinrichtungen (Makoa Farm) zu erkunden.

Nach dem Praktikum gingen eigentlich alle von uns noch auf Safari, einige fuhren auch nach Sansibar oder bestiegen den Kilimandscharo, alles absolut zu empfehlen.

Die Menschen insgesamt in Tansania sind unglaublich freundlich und liebenswert. Ich war immer direkt die „dada“, also Schwester, und wurde überall herzlich aufgenommen. Hierbei ist aber natürlich die eigene Einstellung wichtig, eine gewisse Offenheit und Interesse sollte man auf jeden Fall zeigen.

Ich habe meine Zeit in Moshi geliebt und kann die Stadt nur jedem ans Herzen legen. Es gibt hier auch noch das KCMC, eins der besten Krankenhäuser des Landes, bei dem man sich wohl auch besser individuell bewerben kann, hierzu kann ich aber sonst nicht viel sagen.

Ein Tipp noch: Alfred ist Taxifahrer und einer der nettesten Menschen, die ich in meiner Zeit in Moshi kennengelernt habe, mit ihm kann man fast alle Ausflüge günstig organisieren. Er ist über what’s App unter +255 715 688 957 zu erreichen.

Blick von Moshi auf den Kilimandscharo
Blick von Moshi auf den Kilimandscharo

Kosten 

Flüge: ca. 800 € mit KLM (hin nach JRO, zurück von Sansibar sehr praktisch)

WorldUnite: 400 € (Organisation, SIM Karte, Stadttour am ersten Tag, Begleitung ins Projekt am ersten Tag, Flughafentransfer, usw)

Direkt ans Krankenhaus: 250 €

Visum: 50 €

Essen / Monat: ca. 150 €, sehr abhängig davon, was man kocht und wie oft man essen geht

Für die Finanzierung ist das Stipendium von nachwuchsmediziner.de und jungmediziner.de wirklich eine große Hilfe!

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit und in Tansania und kann jeden nur empfehlen, eine Famulatur in Moshi zu machen! Man sollte sich aber darüber bewusst sein, dass Swahili wirklich wichtig ist und am besten vorher schon ein bisschen lernen.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, macht es!

Eure Clara

Würzburg, Oktober 2021

Folge uns auf Instagram
Folge uns auf Instagram