28.06.2017

Wenn Gummi Patienten gegen Echte ausgewechselt werden


Jahrelang können wir uns hinter nicht benoteten Klausuren verstecken, vergnügt an Gummipuppen rumspielen und vor allem: lange wird wenig von uns erwartet. Egal ob es Pflegepraktikum, Uni Kurse oder Famulaturen sind, es gibt immer die Möglichkeit sich vor der Tatsache zu drücken, dass das Studium auf die Verantwortung als Arzt vorbereitet. Im Pflegepraktikum oder Famulatur ist man stets nur ausführende Person kleiner Tätigkeiten, in der Uni beantwortet entweder ein Kommilitone oder der Professor die Frage für einen und die Klausuren zählen auch nur bedingt, da keine Note bis zum Examen zählt. So kann man also das ganze Studium die Tatsache verdrängen, dass die eigenen Leistungen wichtig sind.

 

Die Frage, die sich mir stellt: Ist es nicht zu spät erst im 10. Semester zu erkennen, dass das Wissen eigentlich unabdingbar ist? Natürlich gibt es auch dafür eine schöne Ausrede, die sich Mediziner immer gerne einfallen lassen, denn „man lernt doch eh alles was man wirklich braucht in der Facharztausbildung.“

 

Doch wie wichtig das Allgemeinwissen in der Medizin ist und dass einem das auch nicht langfristig bleibt, wenn man nur alles auf letzte Sekunde lernt, habe ich lange verdrängt. Doch zu meiner „Erleichterung“, es geht ja Vielen so. Der Grund weshalb ich jede Klausur gut bestehe und oftmals nicht mit ausreichendem Wissen liegt daran, dass es immer genügende gibt denen es noch schlechter erging. Heute in meinem Praktikum fühlte ich mich gezwungen Fragen des Arztes über die Basics der Physiologie mehr schlecht als recht zu beantworten, da die quälende Stille in der niemand etwas sagte mir als verschwendete Zeit vorkam. Doch wenn der Grund der Stille nicht nur 10 super schüchterne Studenten ist, dann kann man definitiv sagen, dass das Physikum komplett vergessen wurde. Dies zeigt eindeutig, dass Last-Minute lernen einem zu keinem langfristigen, unabdingbaren Wissen weiterhilft. Und leider bin ich da kein Einzelfall, denn ich habe noch nie ein Praktikum oder eine Vorlesung erlebt, in der ich mich alleine mit meinem unvorbereiteten Wissen gefühlt habe.

Liegt dies nun daran, dass die meisten Mediziner grundsätzlich faul und uninteressiert sind? Oder fehlt einfach der gewisse Druck, den man braucht, um gut zu sein? In meinem Fall ist es definitiv der fehlende Druck. Ich mag Medizin, ich habe auch kein Problem mich hinzusetzen und Serien abhängig bin ich auch nicht. Doch in einem Alter, in dem man neugierig ist, viel Energie hat, und vor allem viele Möglichkeiten hat, fokussiert man sich leider oft auf die kurzfristigen Bereicherungen, wenn die Uni auch nebenbei läuft.

 

Ich habe nie gedacht, dass mir diese Denkweise meine Zukunft verbauen könnte, denn es heißt ja immer: Es gibt eh einen sicheren Arbeitsplatz. Dies ist wahrscheinlich auch war, doch was man vergisst ist, wenn man nicht wirklich involviert ist, verpasst man die Dinge von denen man sonst nichts erfährt. Dieser Erkenntnis musste ich mich zum ersten Mal seitdem ich studiere während meiner Zeit in New York stellen. Denn sobald man international Forschen oder Arbeiten möchte, zählen die Noten. Von den Studenten in den USA wird deutlich mehr schon während des Studiums erwartet, was Forschen und Wissen angeht, sodass, wenn man dort hin will schon während der Uni hier sehr viel Gas geben sollte. Zudem wurde ich damit konfrontiert, was man alles Aufregendes in der Medizin machen kann, welchen Effekt ich in der Uni Würzburg nur selten habe. Diese Dinge fordern aber meist eine überdurchschnittliche Leistung. Auch wenn es nur darum geht Kontakte zu knüpfen egal ob in den USA oder in Deutschland fällt dies einfacher, wenn man die Professoren beeindrucken kann. Ich wurde in New York von der Medizin neu begeistert und ich bereue es nicht vorher außerhalb meines Studiums nach Möglichkeiten zu suchen, Medizin zu erleben, denn jede Erfahrung bringt einen näher an das Ziel nicht nur Arzt zu werden sondern ein guter Arzt zu werden.

Also wie können wir mehr Studenten dazu motivieren außerhalb des Nötigen zu arbeiten?
Ich glaube dafür müsste das Studium eine wichtigere Bedeutung im Leben jedes Studenten erhalten. Doch um dies zu erreichen muss es zählen was man leistet und zwar nicht erst in späteren Jahren, wenn es vielleicht zu spät ist, sondern jetzt schon. Daher bin ich ein großer Befürworter dafür, dass unsere studentischen Leistungen jetzt, wie in jedem Studiengang, bewertet werden und sich somit auf die Zukunft auswirken. Dies würde dazu führen, dass sich viele vermehrt mit der Medizin auseinander setzen würden, noch mehr Interesse entwickeln und so ihr Wissen langfristig verbessern. Zudem sollten Studenten mehr an die Forschung herangeführt werden, indem dies vermehrt gefordert wird.

 

Mein Fazit: Wenn wir weiterhin gute Ärzte ausbilden wollen, muss von Anfang an mehr von uns erwartet werden.

 

Bis bald,

Eure Alina

Medizinstudierende an der Universität in Würzburg und jungmediziner.de Campus-Captain 

 

 


 


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