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Über die Impfstoffe

Heute werde ich über die verschiedenen Arten von Impfstoffen sprechen. Fangen wir mit den gängigsten Impfstoffen der verschiedenen Firmen an. Die meisten der bisher zugelassenen Impfstoffe haben eines gemeinsam: Sie sind genbasiert. Genbasierte Impfstoffe werden unterteilt in mRNA-Impfstoffe, wie die von Biontech oder Moderna. Oder vektorbasierte, wie der russische Sputnik oder der der Universität Oxford: AstraZeneca. Es gibt auch Impfstoffe aus Indien und China, die nicht genbasiert sind, sondern aus inaktivierte Erregern bestehen. Diese Art des Impfstoffes ist schon bekannt und wird klassicherweise verimpft, zum Beispiel ist das Poliovakzin von dieser Sorte.

Wie funktionieren sie?

Genbasierte Impfstoffe sind sehr wichtig für die weltweite Pandemiebekämpfung. Sie sind billig und leicht zu produzieren und zu reproduzieren. Die beiden Hauptvertreter dieser Gruppe sind die mRNA-basierten Impfstoffe und die Vektorimpfstoffe. Beide Typen enthalten Baupläne von bestimmten Teilen des Coronavirus. Diese Baupläne gelangen in unsere Körperzellen, wo sie gelesen werden und unser Körper dann Teile des Virus selbst nachbauen kann. Der Körper lernt dann, mit dem Virus umzugehen. Er erkennt die Virusteile und lernt, Antikörper zu bilden. Man spricht von einer Immunantwort.

Wie genau funktioniert also ein mRNA-basierter Impfstoff?

mRNA ist der Teil unseres genetischen Materials, der den Zellkern verlässt. Im Zytoplasma wird sie dann in Proteine umgewandelt. Diese Proteine verbleiben in der Zelle. Und es gibt auch keine Möglichkeit für die mRNA, zurück in den Zellkern zu gelangen. Deshalb kann man zurecht davon ausgehen, dass dieses System für den Menschen sicher ist.

Was ist ein Vektorimpfstoff?

In diesem Fall dienen modifizierte Viren eines anderen Virustyps als Träger für den Bauplan. AstraZeneca verwendet zum Beispiel unschädlich gemachte Erkältungsviren, um den Bauplan von Teilen des Coronavirus zu transportieren. Diese Vektorviren können dem Körper nicht schaden, aber sie haben die Fähigkeit, den Bauplan in unsere Zielzellen zu bringen. Diese Methode ist der mRNA-basierten Methode von Biontech sehr ähnlich. Nachdem also der Bauplan geliefert wurde, beginnt die Zelle, die Teile des Coronavirus zu produzieren.

Beide Blaupausen (die der mRNA- und der Vektor-Methode) bilden das gleiche virale Protein ab. Das so genannte Spike-Protein. Dieses Spike-Protein befindet sich auf der Hülle oder dem Kapsid von Coronaviren und ermöglicht dem lebenden Virus, in die menschliche Zelle einzudringen. Isoliert betrachtet ist das Spike-Protein jedoch harmlos. Aber für das Virus ist das Spike-Protein essentiell und deshalb wird es wohl auch nicht so schnell vollständig mutieren. Davon ist zumindest auszugehen und darin liegt auch begründet, warum die Forschung bei der Herstellung von Impfstoffen gerade das Spikeprotein wählt, eine Immunreaktion im Menschen zu provozieren.

Das bedeutet auch, dass diese Impfstoffe vermutlich auch vor kommenden Mutationen des Sars-Cov-2-Virus ausreichend schützen werden. Und da die ausgelöste Immunantwort auch gegen das Spike-Protein anderer Coronaviren gerichtet ist, hofft man, dass der Impfstoff auch gegen andere Typen von Coronaviren Wirkung zeigen wird.

Warum gibt es verschiedenen Impfstofftypen?

Hauptsächlich, weil wir neuere Technologien haben, die neuere Arten von Impfstoffen möglich machen. Die genetischen Varianten scheinen die Vielversprechendsten zu sein. Aber um sie zu entwickeln, waren neue Technologien nötig und das ist teuer. Einige Hersteller entwickeln daher weiterhin die herkömmlichen Impfstoffe. Diese scheinen im direkten Vergleich Nachteile zu haben, sind aber bewährt und können ohne zusätzliches Know-how hergestellt werden.

Wir wissen also schon jetzt, dass die von uns verwendeten Impfstoffe einen großen Nutzen haben werden. Die Sicherheit wird durch umfangreiche Zulassungsverfahren sichergestellt.
Das möchte ich erklären: Ein Impfstoff muss heute beweisen, dass er hilft, die Krankheit zu verhindern und dass er dem menschlichen Körper nicht schaden wird. Dieser Nachweis ist sehr teuer und erfordert die Beobachtung einer großen Anzahl von Menschen über einen längeren Zeitraum. Die Pandemie-Situation hat diese Prozesse immens beschleunigt. Trotzdem kann ein Impfstoff nur zugelassen werden, wenn die Behörden ihn für sicher halten. Dieses Verfahren ist von Land zu Land unterschiedlich, und diese Entscheidung kann nicht nur nach medizinischen Gesichtspunkten getroffen werden. Sie muss auch gegen den Schaden abgewogen werden, der entstehen könnte, wenn der Impfstoff nicht zugelassen wird oder wenn es eine längere Wartezeit gibt. Aus diesem Grund wird sehr genau abgewogen, ob und wann ein Impfstoff zugelassen wird.

Im Moment sieht es so aus, als das die zugelassenen Impfstoffe weitaus wirksamer sind, als wir erwartet haben. Impfstoffe sind daher als Lösung für die Pandemie gerechtfertigt.

Eine Möglichkeit, warum es immer noch Impfstoffskepsis gibt, möchte ich am Beispiel von AstraZeneca illustrieren. Dieser Impfstoff ist vektorbasiert. Die ersten Daten sprechen von einer Wirksamkeit von etwa 70 %. Das bedeutet, dass 70 % weniger geimpfte Menschen an COVID erkrankt sind als in einer ungeimpften Kontrollgruppe. Diese Zahl ist alleinstehend schon sehr hoch. Dennoch schaffen es andere Impfstoffe, noch höhere Zahlen zu erreichen. In manchen Fällen weit über 90 %. Diese Diskrepanz verunsichert auf den ersten Blick. Natürlich hätte man lieber einen starken Impfstoff als einen schwachen. Aber das ist eine Fehlinterpretation der Daten.

Ich möchte gerne ein Beispiel geben: Nehmen wir an, wir entwickeln ein neues Verhütungsmittel, das zu 70 % wirksam ist. Es ist billig zu produzieren, also hat es eine Daseinsberechtigung. Aber hier bedeutet 70 % Wirksamkeit, dass wenn 10 von 10 Frauen ohne Verhütung schwanger werden, dies 3 von 10 Frauen mit diesem Mittel passieren wird. Denn es gibt nur schwanger oder nicht schwanger. Aber bei Krankheiten wie COVID gibt es nicht nur krank oder nicht krank, sondern es gibt verschiedene Stufen der Krankheit. So können nach den Daten der Impfung mit AstraZeneca 3 von 10 Menschen an COVID19 erkranken, aber bei weitem nicht so schwer, wie es ohne Impfung der Fall wäre. Neue Daten zeigen sogar, dass eine Impfung mit AstraZeneca einen schweren oder gar tödlichen Verlauf um über 95 % reduzieren kann. 

Damit hoffe ich, zu zeigen, dass Impfungen zurecht als eine der größten Errungenschaften der Medizin gehandelt werden und sie ein Schlüssel zur Bekämpfung der Pandemie sein können. Neben der gerechten Verteilung ist aber auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen, entscheidend. Ich hoffe ich konnte, ein wenig Licht ins Dunkel bringen, um die Welt der Impfstoffe besser verstehen zu können.

Update: Nach den neuesten Erkenntnissen einer amerikanischen Studie verhindert AstraZeneca schwere Verläufe um 100 % und besitzt eine Gesamtwirksamkeit von 79 %.
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/neue-studie-astrazeneca-impfstoff-wirksamer-als-gedacht-und.1939.de.html?drn:news_id=1240479

Falls du noch mehr über die Corona-Impfung lesen möchtest, empfehlen wir dir unser Interview mit einer Impfärztin.

Eure Marvin,
Medizinstudent an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain