Endlich in die Klinik – mein 7. Semester

Endlich wirds klinisch! So richtig kann ich das tatsächlich erst jetzt sagen. Und das, obwohl ich bereits im siebten Semester angekommen bin. In der Vorklinik wurden uns zunächst wichtige Grundlagen vermittelt. Anatomie, Biochemie oder Physiologie standen auf der Tagesordnung. Das alles diente der Vorbereitung für die Klinik. Denn nur so lassen sich die klinischen Fächer in der Tiefe verstehen. Aber auch das fünfte und sechste Semester waren eher grundlagenorientiert. In der Mikrobiologie, Virologie oder Pharmakologie erhielt man eine Idee, was einen in den folgenden Semestern erwarten könnte. Und jetzt, jetzt liegt das siebte Semester hinter mir. Und es standen erstmals „typische“ klinische Fächer auf dem Plan. Wir lernten deren wichtigste Krankheitsbilder, Diagnostik und Therapie. Also eigentlich das, was sich die meisten unter einem Medizinstudium vorstellen.

Aber was erwartet dich nun genau im siebten Semester? Wie gehst du die einzelnen Fächer am besten an? Und wie wurde das Ganze in Zeiten von Corona umgesetzt? Im Folgenden lest ihr meinen Rückblick auf das vergangene Semester.

Umgang mit der Onlinelehre

Die Pandemie überschattet bereits das vierte Semester in Folge. Ein Teil des Unialltags spielt sich weiterhin lediglich vor dem Bildschirm ab. In manchen Fächern wurden bessere, in anderen schlechtere Konzepte gefunden, die Lehrinhalte digital zu vermitteln. Insgesamt gab sich die Uni stets Mühe, uns Studierenden passable Alternativen zu bieten. Mit der Zeit ließ sich der Trend erkennen wieder zur Präsenzlehre zurückzukehren. Manche Seminare oder Vorlesungen fanden erstmals, wieder ausschließlich in Präsenz statt. Andere hingegen wurden nach wie vor lediglich vertont hochgeladen. Wiederum andere wurden im Hybridformat angeboten. Im kommenden Sommersemester soll sogar wieder komplett Normalbetrieb herrschen.

Wie stehe ich zu dem Ganzen?

Ich persönlich genieße sehr die durch die Onlinelehre erworbenen Freiheiten. Insbesondere die erlangte zeitliche und örtliche Flexibilität gefallen mir gut. Außerdem kann man ganz in seinem eigenen Tempo arbeiten. Und auch weitere Lernquellen lassen sich parallel viel leichter miteinbeziehen. Das gilt meiner Meinung nach aber einzig und allein für Vorlesungen. Den direkten Patientenkontakt kann kein Bildschirmformat der Welt ersetzten.

Was wünsche ich mir nun für die künftigen Semester? Für mich wäre ein Hybridformat ideal. Was das heißt? Das heißt, dass Vorlesungen wieder live gehalten werden würden, der Kurs aber gleichzeitig digital übertragen und aufgezeichnet wird. So würden einerseits die lauten Rufe nach Präsenzlehre mancher Studierenden erhört werden. Andererseits könnten Menschen wie ich weiterhin die Vorzüge der Online-Lehre genießen.

Und was stand nun eigentlich auf dem Plan des siebten Semesters? Wie wichtig sind die einzelnen Vorlesungen? Und wie bereitest du dich auf die Klausuren am besten vor?

Innere Medizin – ein Blick auf unsere Organe

Hier lernst du so einiges über unsere inneren Organe. Und zwar insbesondere, wie man deren Krankheiten diagnostizieren und therapieren kann.

Die Vorlesung erstreckt sich über zwei Semester. Im Sommersemester stehen die Endokrinologie, Gastroenterologie, Hepatologie und Hämatologie auf dem Plan. Im Wintersemester hingegen beschäftigst du dich vor allem mit der Kardiologie, Pneumologie und Nephrologie. Zwei Vorlesungen zur Intensivmedizin sind auch Teil der Reihe. Die Infektiologie und Rheumatologie/Immunologie erwarten dich erst in höheren Semestern.

Die Qualität der Vorlesungen zwischen den einzelnen Dozenten ist allerdings sehr wechselhaft. Am besten hörst du einfach selbst rein, welcher Stil dir liegt. Bei uns wurde die Vorlesung live gehalten. Parallel fand eine online Übertragung statt. Doch leider gab es keine Aufzeichnung. Das war insbesondere für Studierende wie mich ziemlich blöd. Etwa die Hälfte der Woche war ich nämlich im Labor wegen meiner Doktorarbeit beschäftigt und musste somit die Vorlesung sausen lassen. Stattdessen habe ich mir ein Kurzlehrbuch zur Hand genommen. Hier habe ich mir insbesondere die Themen angeschaut, die von den Dozenten in der Vorlesung behandelt wurden. Amboss stellt auch eine gute Alternative bzw. Ergänzung zur Vorlesung dar. Also wie du siehst, die Vorlesung ist kein muss. Allerdings stellt sie eine gute Basis für die Klausur dar.

Prüfungsleistung

Am Ende der ganzen Lernerei wartet wie immer eine Klausur. In 60 Fragen wird der gesamte Stoff geprüft. Alle verschiedenen Fachdisziplinen werden abgehandelt. Die einen werden mehr, die anderen weniger gewichtet. Hier hilft zur Orientierung ein Blick in die Altklausuren. Kreuzt man die CaseTrains, dann erkennt man, dass das Niveau über die vergangenen Jahre stetig anstieg. Altfragen sind rar geworden. Aber keine Angst! Auch wenn die Noten etwas schlechter ausfallen, mit etwas Vorbereitung wirst du die Klausur sicher bestehen.

Eins muss man sagen: So spannend das Fach ist, so zeitintensiv ist es auch. Es erfordert mit Abstand den höchsten Aufwand im gesamten Semester. Und es gehört auch definitiv zu den lernintensivsten des gesamten Studiums. Aber ich finde, die Lernerei lohnt sich! So ging mir das ein oder andere Lichtlein auf. Krankheiten, von denen ich schon häufig gehört hatte, konnte ich nun endlich verstehen und einordnen. Und: Lernst du die Innere Medizin einmal richtig, hast du dir eine gute Grundlage für viele weitere Fächer geschafft. Spätestens in der Vorbereitung fürs zweite Staatsexamen wirst du dich freuen. Denn hier nimmt die Innere Medizin einen großen Teil ein.

KPIM – klinisches Praktikum der Inneren Medizin

Begleitend zur Vorlesung findet ein Praktikum direkt auf Station statt. Insgesamt erwarten dich sechs Termine pro Semester. Hier lernst du, die Theorie aus dem PKU-Kurs direkt in der Praxis anzuwenden. Pro Kurstermin lernen die Studierenden zwei Patienten kennen. Zunächst wird deren Anamnese erhoben. Dann folgt die körperliche Untersuchung. Natürlich dürft ihr auch über die Diagnose rätseln. Doch das steht hier nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist es, die Hemmungen am Patienten zu verlieren und die Untersuchungstechniken direkt am Patienten zu üben. Dabei schaut euch ein Dozent über die Schulter. Er gibt euch hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand. Am Ende besprechen alle gemeinsam ihren Fall. Der betreuende Arzt liefert zusätzlich weiteres Hintergrundwissen. Und manchmal wirft man noch einen kurzen Blick in die Akte. Rückblickend hat KPIM viel Spaß gemacht! Der Kurs war spannend und lehrreich und bietet dir eine wichtige Grundlage für die ersten Famulaturen.

Radiologie – nicht nur der Röntgenblick zählt

Das zweitgrößte Fach, das dich im siebten Semester erwartet, ist die Radiologie. Hier lernst du die verschiedenen bildgebenden Verfahren kennen. Manche kommen nicht nur in der Diagnostik, sondern auch in der Therapie zum Einsatz. Von dem klassischen Röntgenbild über die Sonografie, der MRT, dem CT oder der Nuklearmedizin ist dort einiges geboten. Im Kurs lernt man zum einen die technische Theorie hinter dem jeweiligen Verfahren. Selbstverständlich wird aber auch die Anwendung im klinischen Alltag behandelt. Wann eignet sich welches „Bild“? Wie und wo erkenne ich die Pathologie? Die Radiologie ist ebenfalls ein sehr grundlegendes Fach, das euch (fast) überall wieder begegnen wird. Einmal gescheit gelernt und ihr werdet es euch später bestimmt danken.

Die Vorlesung ist sehr empfehlenswert. Die Dozenten bemühen sich, deine Begeisterung für die Radiologie zu wecken. In der Hauptvorlesung werden alle relevanten Grundlagen vermittelt. Dahingegen beschäftigt sich die Zusatzvorlesung mit speziellen Pathologien. Thematisch sind beide aufeinander abgestimmt. Die Veranstaltung wurde bei uns im Hybridformat angeboten. Die Präsenzveranstaltung wurde parallel an die Studierenden zu Hause online übertragen. Zusätzlich wurde die Vorlesung per Video aufgezeichnet. Ein tolles Konzept! Außerdem findet einmal pro Woche noch ein Seminar statt. Die Inhalte wurden hier mal mehr, mal weniger interaktiv vertieft. Insgesamt ist die Umsetzung der Lehrinhalte aber tipptop gelungen!

Am Ende des Semesters erwartet euch auch hier eine Klausur. Die insgesamt 30 Fragen bestehen überwiegend aus Bildfragen. Auch hier ist meinem Empfinden nach der Anspruch in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Altklausuren helfen dir zur Orientierung. Altfragen werden allerdings tendenziell seltener. Aber auch hier gilt: Mit einer guten Vorbereitung ist die Klausur machbar. Ich persönlich habe nur die Vorlesung zur Hand genommen. Ein vertiefender Blick in weitere Lehrmaterialien schadet jedoch bestimmt nicht.

Interdisziplinäre Onkologie – ein Überblick über diverse Krebserkrankungen

Außerdem erwartet euch im siebten Semester die Interdisziplinäre Onkologie. Warum interdisziplinär? Weil sowohl Kliniker als auch Pathologen und z. T. Nuklearmediziner oder Strahlentherapeuten mit an Bord sind. Hauptbestandteil des Kurses ist eine Vorlesungsreihe. Hier werden in den einzelnen Sitzungen häufige Krebserkrankungen thematisiert. Von Mamma-Ca, über Knochen- und Weichteilsarkome bis hin zum Melanom ist eine große Vielfalt geboten. Euch werden die verschiedenen Stufen der Diagnostik und Therapie vorgestellt. Ein Fallbeispiel soll das Ganze anschaulicher gestalten. Bei uns wurden die Vorlesungen vertont, hochgeladen.

Die Klausur umfasst 30 Fragen. Die Grundlage stellen letztendlich die Vorlesungen dar. Es ist also empfehlenswert, sich mit deren Inhalt auseinanderzusetzen. Auch hier ist ein Blick in die Altklausuren zur Vorbereitung und Orientierung hilfreich.

Der Kurs umfasst allerdings noch weitere Seminare. Im Kommunikationsseminar lernst du, wie man einem (Schauspiel-)Patienten eine schwere Nachricht überbringt. Das kann zum Beispiel eine Krebsdiagnose oder auch ein Rezidiv sein. Zusätzliche behandeln weitere (Online-) Seminare Themen wie die Evidenzbasierte Medizin, die Transplantationsmedizin oder die Onkologische Rehabilitation.

Orthopädie – ein Ausflug zum König-Ludwig-Haus

In der Orthopädie lernst du Grundlegendes über Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Der Kurs umfasst eine Vorlesung (bei uns im Video-Format), die dich mit den Grundlagen des Fachs vertraut macht. Letztendlich stellt sie die Basis der Klausur dar. Mit Blick in die Vorlesung und in die Altfragen sollte die Klausur gut machbar sein. Für den begleitenden Untersuchungskurs heißt es auf zum König-Ludwig-Haus. Hier lernst du in Kleingruppen verschiedene orthopädische Tests und Untersuchungstechniken kennen.

Rechtsmedizin – ein Krimi im Unialltag

Außerdem steht noch die Rechtsmedizin auf dem Semesterplan. Ein Fach, das die meisten wohl eher aus Krimis kennen. Und manchmal fühlte sich die Vorlesung auch tatsächlich wie ein kleiner Krimi an. Insgesamt erstrecken sich die beiden Vorlesungsreihen über zwei Semester. Hier erhältst du spannende, schaurige Einblicke in das Fach. Für die Klausur würde zwar ein kurzer Blick in die Vorlesung und ein etwas längerer in die Altfragen reichen. Trotzdem kann ich dir die Vorlesung empfehlen. Und zwar v. a. für diejenigen, die Lust auf einen kleinen Krimi im Unialltag haben.

Triple 1 – Augenheilkunde, HNO und Arbeitsmedizin

Ganz am Ende erwartet dich noch ein großer Brocken, die erste Triple. Dazu kann ich allerdings (noch) nichts sagen. Wegen meiner experimentellen Doktorarbeit studiere ich voraussichtlich zwei Semester länger. Dementsprechend teile ich die einzelnen Fächer großzügiger auf und kann dir über die Triple I erst im nächsten Semesterrückblick berichten.

UaK-Wahlfach – Grundlagen der Radioonkologischen Therapieplanung

Neben einem theoretischen Wahlfach gilt es in der Klinik auch einen praktischen Wahlblock zu belegen. Das ist das sogenannte UaK Wahlfach – Unterricht am Krankenbett. Hier bietet dir die Uni eine große Auswahl an Möglichkeiten. Manche werden als Wochenendblock oder als Block in den Semesterferien angeboten. Andere erstrecken sich über das gesamte Semester.

Unmittelbar nach der letzten Klausur startete mein UaK-Wahlfach. Ich entschied mich für die Strahlentherapie. Vom Engagement des Teams war ich begeistert! Sowohl der Arzt, der die Blockwoche leitete, als auch alle Kollegen waren sehr engagiert und motiviert uns Studierenden möglichst viel beizubringen. Wir erhielten Einblicke in die Bestrahlung selbst und deren Vorbereitung bzw. Planung. Außerdem waren wir beim Durchführen von diagnostischen und Planungs-CTs dabei. Wir hospitierten in der Ambulanz, probierten uns bei körperlichen Untersuchungen oder erhielten Einblicke in die Stationsarbeit. Hier lernten wir neben onkologischen Erkrankungen auch weitere internistische kennen. Zu guter Letzt durften wir auch bei Tumorboards mit dabei sein. Von der bunten Vielfalt war ich begeistert. Meiner Meinung ist der Wahlblock optimal für all diejenigen, die durch ein Fach möglichst viele Einblicke in verschiedenste Bereiche erhalten wollten. Und das ist einem tollen Team!

Insgesamt liegt ein spannendes Semester hinter mir. Die Semesterferien stehen nun vor der Tür. Lange ausgeruht wird allerdings nicht, denn im März geht es bereits zur nächsten Famulatur in den Süden Deutschlands. Hier erwartet mich ein Monat in der Inneren Medizin. Ich freue mich, die gelernte Theorie in der Praxis anzuwenden und noch viele weitere spannende Einblicke zu erhalten!

In diesem Sinne, habt auch ihr eine gute Zeit!

Eure Marleen
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und Campus Captain bei jungmediziner.de