Ab in den Süden – meine Famulatur in den Bergen

Kurz nach Semesterende hieß es für mich erneut Koffer packen. Denn dieses Mal ging es für einen Monat in den Süden Deutschlands. Dort wartete eine Famulatur in den Bergen auf mich. Eine Famulatur, was ist das genau? Das bedeutet übersetzt aus dem Medizinerjargon nichts anderes als ein 30-tägiges Praktikum. Insgesamt vier müssen deutsche Medizinstudierende in den Semesterferien absolvieren. Und zwar eins in einer Hausarztpraxis, ein weiteres im ambulanten Bereich und insgesamt zwei in der Klinik.

Wer meine Berichte schon länger verfolgt, weiß, dass ich die Gunst der Stunde gerne nutze, um Pflicht mit Urlaubsgefühl zu verbinden. Vor allem dann, wenn aufgrund von langen Semestern, Blockpraktika oder Laborarbeit kaum Zeit für Urlaub bleibt. Ich ergreife dann gerne die Gelegenheit beim Schopfe und erkunde während der Famulaturen die verschiedensten Ecken Deutschlands. An Wochenenden bleibt dafür in der Regel genügend Zeit. So ging es zur ersten Famulatur mit meinem Freund an den Chiemsee. Vergangenes Jahr reiste ich in den Norden nach Bremen. Und diesen Monat ging es für meine Studienfreundin und mich zur Famulatur in die Berge nach Garmisch-Partenkirchen.

Wie mein vergangener Monat war? Die kurze Version: grandios. Die lange Version: folgt in den nächsten Zeilen.

Garmisch-Partenkirchen – „Wer hier lebt, ist zu beneiden, wer hier Urlaub macht erst recht“

Wo liegt Garmisch-Partenkirchen genau? Die Gemeinde liegt im Süden Deutschlands, 80 km von München entfernt inmitten der Berge. Die österreichische Grenze ist unweit entfernt. Jährlich zieht es ca. eine Million Touristen in die Region. Und das, wie ich finde, zurecht.

Die wunderschöne Natur ist für alle ein Traum, die gerne Bergsport betreiben. Im Sommer laden die Berge zum Wandern, Mountainbiken oder Klettern ein. Im Winter hingegen lockt das Ski(tour)- oder Langlaufparadies die Schneefans an. Für jeden ist etwas dabei – kaum ein Wunsch bleibt offen! Und von überall lassen sich die wunderschönen weißen Gipfel bestaunen. Mit etwas Glück kann man direkt vom eigenen Fenster aus den Blick auf das Zugspitzmassiv genießen. Die Zugspitze selbst mit dem Eibsee am Fuß, aber auch weitere traumhafte Bergseen sind nur wenige Autominuten entfernt. Langweilig wird einem hier kaum! Der traditionelle Charme, die Ursprünglichkeit und die Lebendigkeit machen das Städtchen perfekt. Das Ganze mag wie eine Kurzwerbung klingen, ist es vermutlich auch. Meiner Meinung nach entspricht das aber tatsächlich der Realität!

Auf der Suche nach der passenden Famulatur

Wie kam ich nun darauf, meine Famulatur in den Bergen bzw. den deutschen Alpen anzutreten? Meine ersten zehn Lebensjahre habe ich im Münchner Süden verbracht. Seitdem ist mein Herz an der Gegend hängen geblieben. Nicht umsonst war der Wunsch groß, die erste Famulatur am Chiemsee zu verbringen. Da ich stark in das (Vor-)Alpenland verliebt bin, war für mich klar: Auch dieses Mal soll es wieder in Richtung Süden gehen.

Nach kurzer Recherche begeisterte mich das Klinikum Garmisch-Partenkirchen sofort. Kurze Zeit später hatte ich meine Bewerbungsunterlagen abgeschickt. Es dauerte nicht lange, bis ich die positive Rückmeldung in der Hand hielt. Und noch viel besser: eine gute Studienfreundin konnte ich von meinem Vorhaben ebenfalls begeistern.

So galt es bald für uns zwei auf gemeinsame Unterkunftssuche zu gehen. Die Klinik konnte uns als Famulantinnen leider keinen Platz im angrenzenden Wohnheim anbieten. Diese sind ausschließlich für Mediziner:innen im PJ vorgesehen. Glücklicherweise fanden wir recht schnell ein mehr oder weniger bezahlbares Airbnb. Es lag zwar am anderen Ende der Gemeinde. Mit unserem Auto waren wir zum Glück flexibel, um die Klinik trotzdem gut zu erreichen.

Das Klinikum – von Alpspitze und Zugspitze umgeben

Die Klinik liegt am Ortsrand von Partenkirchen, unweit von der Olympia Skisprungschanze. Hier wird traditionell das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee ausgetragen. Das Lehrkrankenhaus der LMU ist mit 490 Betten mittelgroß. Klein genug, um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Doch trotzdem groß genug, um Einblicke in diverse diagnostische wie therapeutische Abläufe verschiedenster Krankheiten zu erhalten. Mit 18 spezialisierten Fachabteilungen sollte auch für jeden Studierenden etwas Spannendes dabei sein.

Wohin ging es für mich? Ich entschied mich für die Innere Medizin. Derzeit begeistert mich das Fach in seiner Komplexität sehr. Theoretisch kann ich mir unter dem Fachgebiet spätestens nach der abgelegten Klausur genaueres vorstellen. Aber wie sieht der Praxisalltag aus? Um genau das schon vor dem PJ zu erfahren, entschied ich mich für eine Famulatur in der Inneren Medizin. Denn würde mich der Arbeitsalltag rein gar nicht begeistern, wollte ich mir mit noch offeneren Augen die anderen Fächer im weiteren Studienverlauf ansehen.

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Der Famulaturalltag – zwischen Station und Funktionsdiagnostik

Am ersten Tag erhielten wir eine kleine Klinikführung. Wir wurden außerdem mit allem ausgestattet, was uns den Monat über begleiten sollte. Das heißt Kleidung, einem Transponder, Essensmarken etc. Dann galt es abschließend noch einen PCR-Test zu machen. Bevor wir kein negatives Ergebnis in der Hand hielten, durften wir unsere Station nicht betreten. Also hieß es abwarten bis zum nächsten Morgen. Nach einer Stunde standen wir schon wieder vor der Klinik. Die Sonne schien, das Wetter war angenehm kühl. Was könnte man da nur Grandioses anstellen? Richtig, der Berg hat uns lautstark gerufen! Schnell haben wir unsere Ski eingepackt und ab ging es auf die Piste. Wie könnte man sich den ersten Tag in den Bergen nur schöner vorstellen!

Und wie sah nun mein normaler Alltag genau aus?

Um acht Uhr startete der Tag mit der Übergabe aus der Nacht. Danach hieß es für uns Studierende, d. h. den PJlern und mich auf Station Blut abzunehmen. Was für den:die ein oder anderen bereits erfahrenen Blutabnehmer:in Routine sein mag, war für mich eine sehr willkommene Übung. In den vergangenen beiden Famulaturen konnte ich nämlich an beiden Händen abzählen, wie oft ich eine Nadel in der Hand gehalten hatte. Die morgendliche Routine kam mir dementsprechend sehr gelegen.

Und danach? Danach hatten wir die große freie Wahl. Wir heißt in dem Fall meine sehr nette PJlerin der Station und ich. So konnten wir bei Visite mitlaufen und dem Stationsalltag beiwohnen. Wir hatten die Möglichkeit, uns in Patientenfälle einzuarbeiten oder gemeinsam Arztbriefe zu diktieren. Besonders spannend war für mich hingegen die Funktionsdiagnostik. Hier lernten wir die verschiedenen Ultraschalltechniken besser kennen. Wir schauten außerdem bei Bauchfell- oder Brustfellpunktionen zu oder lernten einiges über den Herzultraschall. Zudem hatten wir Zutritt zum Herzkatheterlabor oder durften bei (Magen-)Darmspiegelungen zusehen. Ebenfalls gut gefiel mir die Tagesklinik. Hier hatten wir die Möglichkeit, eigenständig Patienten aufzunehmen. Die Anamnese, die körperliche Untersuchung und deren Dokumentation war ganz unsere Aufgabe. Dadurch war der Lerneffekt groß!

Zweimal die Woche gab es nachmittags online PJ Unterricht. Hier durften wir Famulanten auch gerne dran teilnehmen. Eine Einheit widmete sich internistischen Themen. Die zweite hingegen befasste sich mit der Chirurgie. Insgesamt gingen die Tage mal länger, mal kürzer, meist bis in den Nachmittag hinein. Prinzipiell konnte ich mir selbst recht frei einteilen, wie lange ich vor Ort bleiben wollte.

Das besondere Schmankerl der Famulatur in den Bergen

Damit uns ja nicht die Energie ausging, erhielten wir Frühstücks- und Mittagsessenmarken. Ganz ungewohnt, aber fantastisch zugleich war es als Famulant die Verpflegung gestellt zu bekommen. So konnte ich mich morgens vor Beginn mit einem Brötchen oder einer Brezel, einem Stück Obst und Cappuccino bzw. Tee stärken. Mittags durfte ich ein kleines, drei Gänge Menü im Garten oder auf dem Stationsbalkon genießen. Der Blick auf die Berge mit der Sonne im Gesicht war einmalig! Und die Gesellschaft war auch herrlich. Mit meiner PJlerin verstand ich mich prima. Doch auch das gesamte Ärzteteam war wahnsinnig nett und hilfsbereit. Ich hatte sowieso das Gefühl, dass sich die fantastische Umgebung in der Zufriedenheit des gesamten Krankenhauspersonals widerspiegelte. Jeder grüßte auf dem Gang jeden, hier und da hielt man zusätzlich einen kleinen Plausch. Die Atmosphäre war top!

Die Zwangspause – eine Woche in Isolation

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Das dachte ich mir auch, bis ich eines morgens auf Station unerwartet die Meldung über mein positives PCR-Ergebnis erhielt. Das Klinikum bittet jeden:jede Mitarbeiter:in, sich selbst zweimal die Woche abzustreichen. Zack – da war doch glatt mein zweiter PCR-Test positiv. Also hieß es: Adieu Famulatur und herzlich willkommen im zweiten Gästezimmer unserer Vermieterin. Glücklicherweise hatte sie noch ein weiteres, abgetrenntes im Angebot. Damit hatte sie uns richtig aus der Patsche geholfen. So konnte ich mich wunderbar isolieren, ohne meine negative (aber sonst sehr positive!) Freundin mit ins Boot zu ziehen.

Gesundheitlich blieb es bei mir bei einer normalen Erkältung. Das war einerseits vorteilhaft, weil ich mich bereits nach einer Woche in die Freiheit raustesten konnte. Doch andererseits negativ zugleich, weil ich nach drei Tagen viel zu fit war, um die weiteren Tage alleine in Quarantäne verbringen zu wollen. Was solls, die Zeit habe ich trotzdem sehr gut herumgebracht. Und in der Woche darauf bin ich mit umso mehr Energie und Freude zurück zur Famulatur gestiefelt.

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Der Berg ruft – unsere Freizeit während der Famulatur in den Bergen

Glücklicherweise wurden wir den Monat über fast ausschließlich mit grandiosem Wetter beschenkt. Sowohl an den Wochenenden, als auch nach der Klinik ging es meist raus an die frische Luft. Nachmittags blieb hier und da Zeit für ein Käffchen oder Bummel in der Stadt. Das Zentrum lag direkt auf dem Nachhauseweg aus der Klinik. Wenn ich mich dazu entschied, nach Hause zu laufen (und nicht zu fahren), machte ich gerne im Städtchen Halt, um die entspannte Atmosphäre zu genießen. Was trieben wir sonst? Eines Nachmittags spazierten wir um den gefrorenen Eibsee herum. Der Blick auf die Zugspitze von unten war gigantisch! An einem anderen Tag besuchten unsere zwei Freundinnen in Murnau am Staffelsee. Die zwei machten dort zeitgleich ihre Famulatur in der BG Unfallklinik. Für einen kurzen Bergmarsch oder Jogginglauf lockte uns das Wetter sonst auch noch sehr gerne hinaus.

An den Wochenenden blieb uns dann Zeit für größere Ausflüge. Zu Beginn lag der Fokus vor allem auf dem Ski fahren. Wir düsten z .B. durch das Garmisch-Classic Skigebiet, das tatsächlich nur 2 km von unserer Wohnung entfernt lag. Das Zugspitze-Skigebiet lockte uns vor allem bei wärmeren Temperaturen im Tal. Bei über 2000 Metern über dem Meeresspiegel waren die Chancen für weniger Sulzschnee noch etwas höher. Doch nichts konnte uns so sehr begeistern wie Kühtai. Mit 1h 20 min Fahrt lag das Gebiet zwar nicht in unmittelbarer Nachbarschaft, aber jede Minute Fahrtzeit hat sich absolut gelohnt!

Mit der Zeit machte sich der Frühling in Garmisch breit. Im Tal war der Schnee schon längst weggeschmolzen. Und auch auf den Bergen begann es zu tauen. Also hieß es: weg mit den Ski und her mit den Wanderschuhen! Der herrliche Sonnenschein lud uns mit offenen Armen zum Erklimmen der umliegenden Berggipfel ein. Manche Wege waren bereits gut begehbar, andere noch ziemlich im Schnee versunken. Egal wie, mit viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen schlugen wir uns bei allen Bedingungen den Weg hoch zum Gipfel. Spätestens mit der grandiosen Aussicht wurde jeder Schweißtropfen bestens belohnt!

Nach 30 Tagen neigte sich die wunderbare Zeit leider dem Ende zu. Was soll ich sagen, so schön es auch hier in Würzburg ist, so traurig war ich, dass der wunderbare Monat ein Ende nahm. Wie sagt man so schön: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei!

In diesem Sinne hoffe ich, dass auch ihr mindestens so spannende Famulaturen verbracht habt!

Alles Liebe

Marleen
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und Campus Captainin bei jungmediziner.de