Eigene Praxis gründen: Wie die KVNO dich bei der Niederlassung unterstützt
Die eigene Praxis ist kein Auslaufmodell. Sie ist eine der selbstbestimmtesten und sinnstiftendsten Entscheidungen, die junge Ärztinnen und Ärzte treffen können. Davon ist Jonas Bördner überzeugt. Er ist Jurist und Bereichsleiter bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO).
In Folge 11 des Jungmediziner Podcasts spricht Fabian Engelhardt mit ihm über den Weg in die Niederlassung. Es geht um Förderung, Beratung, Startpraxen und darum, wie KI den Praxisalltag verändert. Hier sind die wichtigsten Punkte.
Lieber hören oder schauen? Die ganze Folge gibt’s auf YouTube und Spotify.

Von der Famulatur bis zur eigenen Praxis: So fördert die KV Nordrhein jede Phase. Alle Details findest du im Abschnitt „Förderung vom Studium bis zur eigenen Praxis“.
Mehr als Verwaltung: Was die KVNO macht
„Körperschaft des öffentlichen Rechts“ klingt trocken. Jonas widerspricht: Die KVNO sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten möglichst wohnortnah die passenden Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten finden. Das ist der sogenannte Sicherstellungsauftrag.
Dazu kommen politische Interessenvertretung und die Weiterentwicklung der Versorgung. Das Gebiet ist groß: von der Eifel bis an den Niederrhein, mit 24.000 Mitgliedern und rund 9,5 Millionen Versicherten. Die KVNO will deshalb vor allem Blaupausen schaffen, die Praxen selbst umsetzen können.
Praxis for Future: KI zum Anfassen
In Köln betreibt die KVNO den Showroom „Praxis for Future“ mit Fokus auf KI. Praxisteams sehen dort, welche digitalen Anwendungen in ihren Alltag passen. Die Nachfrage ist groß: Im ersten Jahr sind rund 400 Führungen geplant, die Termine waren innerhalb von 24 Stunden ausgebucht.
Oft kommt nicht nur die Praxisinhaberin, sondern das ganze Team. Manchmal ist es sogar das MFA-Team, das den Chef mitbringt, weil die alten Abläufe nicht mehr funktionieren.
Besonders gefragt sind zwei Werkzeuge:
- KI-Telefonassistenz: Das Telefon klingelt nicht mehr dauernd, Anfragen landen als Tickets. Eine Praxis merkte dabei: Plötzlich kommen viel mehr Anliegen an als vorher, weil niemand mehr in der Warteschleife hängen bleibt. Die Abläufe dahinter müssen also mitwachsen.
- Dokumentationstools: Sie laufen im Gespräch mit. Ärztinnen und Ärzte schauen ihren Patienten in die Augen statt auf die Tastatur.
Jonas‘ Fazit: Es geht nicht um möglichst schicke Tools, sondern um gute Prozesse.

🎙️ Unser Gast:
Jonas Bördner – Jurist & Bereichsleiter, Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Erst ausprobieren, dann übernehmen: die Startpraxis
Vom Showroom in die echte Versorgung: Am Kölner Standort betreibt die KVNO das Mediteam, eine eigene Hausarztpraxis. Dort sind alle Tools aus Praxis for Future im Einsatz. So kann die KVNO herstellerneutral prüfen, was im Alltag funktioniert und was nicht.
Der nächste Schritt sind Startpraxen in Regionen mit wachsendem Bedarf. Die erste startet Anfang 2027 in Kleve am Niederrhein. Das Prinzip:
- Die KVNO betreibt die Praxis zunächst selbst, digital auf dem Stand von Praxis for Future.
- Junge Ärztinnen und Ärzte arbeiten dort angestellt und lernen die ambulante Versorgung kennen.
- Nach einer gewissen Zeit können sie die Praxis übernehmen, ob als Einzelpraxis, MVZ oder Berufsausübungsgemeinschaft.
So wird der Einstieg in die Niederlassung schrittweise und mit wenig Risiko möglich.
Warum ambulant? Die Vorteile der Niederlassung
In der Klinik ist der Weg vorgezeichnet: Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt, vielleicht Chefarzt. Ambulant gibt es viel mehr Möglichkeiten, und genau das ist für Jonas die größte Stärke.
- Flexibel je nach Lebensphase: angestellt in einer bestehenden Praxis, inhabergeführt, als MVZ mit Kommilitonen oder als GmbH. Arbeitszeit und Familie lassen sich anpassen und später wieder hochfahren.
- Selbstbestimmt: keine Weisungsgebundenheit wie im Krankenhaus. Praxisräume, Abläufe, Praxissoftware und KI-Tools bestimmst du selbst.
- Therapiefreiheit: Du gestaltest Versorgung nach deinem eigenen Verständnis.
- Wirtschaftlich solide: Eine Praxis lässt sich nach wie vor gut führen.
- Spitzenmedizin auch ambulant: Von der Hausarztmedizin über die Facharztpraxis bis zur Psychotherapie. Auch operieren geht ambulant, teils sogar effizienter als im Krankenhaus.
Die Fachrichtung muss dabei noch nicht feststehen. Wer im Physikum steht oder sich noch nicht festgelegt hat, kann sich trotzdem schon informieren. Und wer bereits als Internist in der Klinik arbeitet, kann über geförderte Quereinstiegsprogramme in die hausärztliche Versorgung wechseln.
Förderung vom Studium bis zur eigenen Praxis
Die KVNO fördert den ganzen Weg, nicht erst die Gründung:
| Phase | Was gefördert wird |
| Studium | Famulaturförderung, eigene Stipendien |
| Praktisches Jahr | Stipendien |
| Facharztweiterbildung | Hausarztstellen voll gegenfinanziert, Facharztstellen kontingentiert |
| Niederlassung | Investitionskostenförderung in Förderregionen, frei verwendbar: Praxiskauf, Modernisierung, Inventar, Praxissoftware |
| Anstellung | Anschubfinanzierung, z. B. wenn ein MVZ eine Hausärztin anstellt |
Mindestens so wichtig wie das Geld ist die Beratung. Mit dem „Kompass Praxisstart“ bietet die KVNO eine persönliche Beratung an. Beim Format „Landpartie“ lernst du junge Kolleginnen und Kollegen kennen, die sich gerade niedergelassen haben. Praxis for Future steht auch Studierenden offen.
Jonas‘ Rat: Nicht von Förderrichtlinien und Paragrafen abschrecken lassen. Einfach anrufen oder eine Mail schreiben. „Die verwalten nicht nur, sondern die gestalten Versorgung sehr proaktiv.“
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Kontakt per Mail an: fabian.engelhardt@baz.de
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