04.11.2018

Erfahrungsbericht: Happy Halloween war gestern

Das vierte Semester hat begonnen und ich bin seit guten 2 Wochen wieder mitten im Unigeschehen. Nach fast 3 Monaten vorlesungsfreier Zeit werden nun 3 Monate mit einem vollgepackten Kalender folgen. Dann weitere 2 Monate nicht weniger intensive Zeit in der Zentralbibliothek. Und am Ende thront der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung (und jetzt wird es gruselig): Das Physikum.


Im März 2019 ist es soweit, die furchterregende (ich zieh das nun durch und bediene mich weiter am Halloween-Vokabular) erste, große Prüfung steht an. Alle Medizinstudenten müssen antreten, um einen 2-teiligen Test zu absolvieren. Dieser Test besteht aus einer mündlichen Prüfung, welche die großen Bereiche der Vorklinik abdeckt (das beinhaltet v.a. Physiologie, Biochemie und die Anatomie des Körpers) und einer schriftlichen - hier werden in 4 Stunden 320 Fragen gestellt. Die Eingrenzung auf ein bestimmtes Fach gibt es dabei nicht. Wir müssen Detailwissen aus 2 Jahren Studium liefern. Schockierend.

 

Was uns Studenten aber neben dem Abverlangen des immensen Wissensberges am meisten gruselt, ist, dass man bei Nichtbestehen erst wieder nach 6 Monaten antreten kann. Das macht dann aus 13 Pflichtsemestern ganze 14. Und außerdem kann man auch nicht unendlich oft wiederholen, es gibt nur wenige Versuche. Ein Bestehen ist also wichtig, um weitermachen zu können. 

 

Man darf diese Art der Prüfung natürlich gerne kritisch betrachten. Ist es zum Beispiel wirklich sinnvoll uns dermaßen unter Druck zu setzen? Sind diese Leistungskontrollen mit teils fragwürdigen Inhalten tatsächlich notwendig? Betrachtet man die Zahlen, so gibt es im Medizinstudium eigentlich keinen Grund zur Sorge: Fast jeder, der das Studium beginnt, wird auch Arzt. Die Bestehensquoten sind groß, die Jobaussichten sind hervorragend - äh, ich meine, schaurig schön. Doch dennoch ist es so, dass wir fast schon panisch auf die Termine im März schauen.

 

Was ich wirklich bedenklich finde, ist, dass man so nur allzu leicht dem Trott verfällt, die prüfungsrelevanten Dinge zu lernen aber nur soweit, wie es zum Bestehen der Prüfungen notwendig ist. Es geht kaum anders. Die Zeit reicht einfach nicht, um tiefer ins Detail zu gehen. Auch wenn man gerne möchte, fängt man irgendwann an, seine eigenen Ansprüche zu ändern. Ein Beispiel: Das für die Endprüfungen relevante Wissen wird von einem der führenden Verlage für medizinische Fachliteratur auf 14 Bände der Skriptenreihe komprimiert. Das sind bei schätzungsweise 80 Seiten pro Heft ca. 1100 Seiten Text. Buhuhuhu das klingt viel! Aber geht man durch die Gänge der Bibliothek des Vertrauens und schlendert so durch die Regalreihen, findet man etliche Bücher zu einem bestimmten vorklinischen Themenbereich, die diese Seitenzahl locker überschreiten. Wählt man also den Weg des geringsten Wiederstandes, so spart man sich die Tiefe und setzt auf die Breite. Man flutet den Schädel mit Detailwissen, Parametern, (Struktur-) Formeln und Tabellen, die das Große und Ganze niemals adäquat abbilden können. Was bleibt, ist weniger ein verstandenes als ein auswendig gelerntes Thema. Abbrufbar solange es das Kurzzeitgedächtnis zulässt. Das finde ich wirklich gruselig. 

 

Ich habe für mich selbst festgelegt, es anders anzugehen. Ich möchte verstehen und begreifen. Ich möchte Spaß am Entdecken und Lernen haben - nicht unter Zeitdruck die gelbhinterlegten, besonders relevanten Fakten aus dem Endspurt in Akkordarbeit aufsaugen. Also es ganz anders angehen, als ich es noch in den ersten 3 Semestern getan und ganz vielleicht auch zu einem kleinen Teil propagiert habe. Möglicherweise.

 

Vielleicht klappt es. Vielleicht aber auch nicht. Oder vielleicht ändere ich auch meine Ansprüche im Laufe des Semesters. Wir werden sehen.


Euer Marvin

Medizinstudierender an der Universität in Würzburg und jungmediziner.de Campus-Captain

 

 


 


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