17.09.2018

Erfahrungsbericht: Das Pflegepraktikum

Ich befinde ich mich schon fast am Ende der vorlesungsfreien Zeit. Diese, gänzlich von Univeranstaltungen entbundene, zwischen dem abgeschlossenen und bevorstehenden Semester stehende Periode mündete bisher immer in einem Eingangstestat. Diesmal aber nicht. Ich bin also fast von universitären Pflichten erlöst – wäre da nicht das Pflegepraktikum.


Zur Erläuterung: Als angehender Arzt muss man laut ÄApprO (der Ärztlichen Approbationsordnung) 90 Tage in der Pflege gearbeitet haben. Die Statuten sehen die Ausübung eben in dieser vorlesungsfreien Zeit vor. Die Vorgaben sind relativ schnell niedergeschrieben: Man muss den Pflegedienst in einer Bettenstation eines Krankenhauses oder vergleichbaren Einrichtung absolvieren, um als Student die Organisation des Krankenhauses kennenzulernen und in die Tätigkeit der Pflege eingewiesen zu werden. Man schnuppert also in der Regel die erste Krankenhausluft als (unbezahlte) Arbeitskraft.

Viel zu tun hat dies mit ärztlichen Tätigkeiten nicht. Stattdessen lernt man als Möchtegern Doktor in Spe aus der Sicht der untersten, noch immer nicht aus der Mode gekommenen, Hierarchiestufe, wie es ist, Krankenschwester zu sein – mit Einschränkungen. Dies involviert das volle Programm, dass die stets medial in der Kritik stehende Pflege zu bieten hat. Nicht selten fühlt man sich so, als wäre man Teil der Lösung für den oft diskutierten Pflegenotstand. Ein wenig befriedigender Titel, wenn man bedenkt, dass das Praktikum sehr viel mehr bieten könnte. Ein Student im 4. Semester, so wie ich einer bin, der 6 Monate vor der ersten Ärztlichen Prüfung steht, hat wenig Interesse daran, Bettpfannen zu leeren und Schränke aufzufüllen – Tätigkeiten, die den Arbeitsalltag prägen. 

Ich finde, das Pflegepraktikum könnte überdacht werden. Ich persönlich fände es schöner, nicht für die niedersten Aufgaben zuständig zu sein, sondern Tätigkeiten auszuüben, von denen ich tatsächlich in meiner Ausbildung zum Arzt profitiere. Aber da vor Antritt meiner letzten verbleibenden 30 Tage als Pflegepraktikant abzusehen war, dass diese Reform höchstwahrscheinlich nicht mehr eintreten wird, habe ich für mich ein paar Dinge überlegt, weclhe die Zeit im Krankenhaus interessanter machen werden. So habe ich mich zum Beispiel bei der Wahl für die Station für die interdisziplinäre Privatstation entschieden. Man kann hier schnell in den Kontakt mit Ober- und Chefärzten kommen. Dies zahlt sich aus, um Einblicke in ihre Fachbereiche zu bekommen. So konnte ich bei einer transösophagealen Endoskopie dabei sein, erleben wie ein Skalenuskathäter zur Blockade des Armnervengeflechts gelegt wird, bekomme von Radiologen Thoraxröntgenaufnahmen erklärt, kann bei Echokardiogrammen und anderen diagnostischen Verfahren dabei sein, bekam die Software zur Schrittmacherkontrolle beigebracht und konnte sogar bei einer Kardioversion zur Wiederherstellung des normalen Herzrhytmuses partizipieren. Auf sich aufmerksam zu machen, lohnt sich. 

Weiterhin sollte man sich natürlich auch mit allen anderen Menschen gut stellen. So habe ich nicht nur Freunde kennengelernt, mit denen ich mich auch nach der Arbeitszeit treffe und mit denen ich gemeinsam auch das ab und zu vorkommende Herumkommandieren aushalten kann, sondern würde womöglich ohne den guten Draht zu den Mitarbeitern und der Stationsleitung vermutlich gar nicht die Erlaubnis bekommen, von meiner Pflegearbeit entbunden zu werden. Und das eine Mal, als mir der Blasenkatheter eines Patienten vor den Augen des Kardiologen versehentlich diskonnektierte, während ich ihn mit seinem Rollstuhl aus dem Sonographie Zimmer brachte und kein Wischer weit und breit zu sehen war, war ich froh, schnell die nette Dame vom Reinigungsdienst zu finden, die mir dann in ihrer Pause den Allerwertesten rettete.

Ich habe also Glück mit meinem Arbeitsplatz. Habe sehr nette Mitarbeiter, die ich auch mal was fragen kann, ohne den Eindruck zu haben, sie hätten gerade keine Zeit und keinen Nerv dafür. Ich habe Leute kennengelernt; einen weiteren Medizinstudenten aus Mainz  und einen Azubi, mit denen ich echt eine coole Zeit habe, die auch sicherlich über das  Praktikum hinaus andauern wird. Außerdem arbeitet meine Cousine in demselben Haus, zwar auf einer anderen Station, aber trotzdem schön, sie während der Pausen oder dann zu sehen, wenn sie mal wieder unseren Fön braucht oder ich das Bettlagenlager auffüllen muss. All dies führt dazu, dass das Pflichtpraktikum angenehmer wird und teilweise wirklich Spaß macht. Ob ich dadurch allerdings ein besserer Arzt werde, bezweifle ich. 

Euer Marvin 

Medizinstudierender an der Universität in Würzburg und jungmediziner.de Campus-Captain

 


 


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