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Erfahrung Medizinstudium: Das digitale Semester – Teil 3: Das Fazit zum Schluss

Das (erste) Corona-Semester ist geschafft. Die Klausuren sind um und wir Studenten sonnen uns, besteigen Berge oder nutzen die freie Zeit, um erstmal wieder runter zu kommen. Zum Schluss hin war es wieder hart und zwar ordentlich. Dabei kann ich diesmal aber nur für mich sprechen, zu mal das 7. Semester so oder so immer als ein sehr stressiges beurteilt wird. Wie gross der Anteil der ganzen Corona-Sache daran ist, kann ich also nicht genau sagen. Aber nun zum Gesamtüberblick meines Uni-Sommers und meiner Erfahrungen der Online-Lehre.

Das verflixte 7. Semester – Entspannter Start

Der April fing mit dem E-Learning Konzept angenehm an (siehe hierzu auch – Teil 1: Online-Vorlesungen und Seminare). Man konnte sich seine Zeit bis auf wenige digitale Pflicht-Veranstaltungen über Zoom selbst einteilen, der Kaffee war gleich um die Ecke frisch gekocht und man entschied wetterabhängig, welche Stunde man am besten für ein bisschen Sport nutzte. Es lief sogar so gut, dass ich auch wie Marvin über dreimal die Woche in der Virusdiagnostik arbeiten und damit einen helfenden Beitrag in dieser Gesundheitskrise leisten konnte. Grob gesagt: Flexibiltät pur und viel Rahmenprogramm. Schön!

Holprige Mitte

Mit den ersten Klausuren Anfang Juni (und damit ca 5-6 Wochen nach Unistart) wurde es dann so langsam schwieriger. Nicht mal deshalb, weil allgemein der Lernumfang wenige Tage vor den Prüfungen immer größer wird, sondern auch da diesmal der Stoff nicht richtig sitzen wollte. Lag es am Fach, an der Zeiteinteilung, an der Arbeit in der Virologie? Mittlerweile glaube ich, nein. Wenn dann wenig. Ich wollte dieses Semester jedoch mal dazu nutzen, wirklich viel mit den Vorlesungen zu arbeiten. Die meisten angucken, auch teilweise zweimal. Das hatte ich bisher bis auf Ausnahmen nie oder nie wirklich intensiv gemacht.

Das Corona-Semester war perfekt, um einen Eindruck zu bekommen, ob ich die letzten drei Jahre mehr von den Veranstaltungen hätte profitieren können. Aber ja, funktionierte wohl nicht so gut.

Hinzu kam, dass die Ausgangsbeschränkungen und die Limitationen des Treffens mit Freunden nach den ersten vier Wochen dann doch langsam an einem nagten. Man wollte Leute sehen, sich erzählen, was man im Frühjahr erlebt hatte. Wie man mit der Situation umging und einfach nur mal wieder eine Runde quatschen.

Während ich zu Anfang des Semesters die eingeschränkte soziale Welt sogar genoss – einfach mal mehr Zeit für mich, den Sport und meine Projekte – fiel es nach einiger Zeit doch schwerer. So sehr, dass man sich schon fast die ein oder andere Pflicht-Präsenzveranstaltung wünschte und den sozialen Wert erst so richtig darin erkannte.

Bitteres Ende

Die letzten drei Wochen waren dann die reinste Stress-Fuhre. Nach der mitunter größten Klausur der Inneren Medizin folgten 10 Tage voller Orthopädie, Onkologie und Radiologie. Positiv war an der ganzen Lernerei hierfür aber, dass die Fächer zum einen nicht gerade unspannend waren und zum anderen die Klausuren jeweils 2-3 Tage Abstand zueinander hatten. Ist auch sinnvoll, denn wer will schon einen Klausuren-Triathlon?

Nicht ganz so glücklich war ich dann mit der ersten Triple-Klausur: HNO, Augenheilkunde und Arbeitsmedizin in einer Prüfung.
Sinn? Keiner. Klar, Augen, Nasen und Ohren liegen nah beieinander. Aber zwischen drei Fächern ständig umzuswitchen und sich lernerisch auf kein Thema richtig einlassen zu können – weil man ja alles gleichzeitig abrufen muss – finde ich absolut nicht sinnvoll. Aber gut, so wird der Mediziner weiter dazu angelernt, immer nur das absolut Notwendigste zu können. Sehr schade eigentlich, hier sollte sich in Zukunft etwas tun. Da habe ich echt lieber drei kleine Klausuren.

Das Semester endete also wieder mit totalem Schlafmangel und viel Kaffee. Aber mit nichts, was der Student nicht schon kennt. Hauptsache gesund geblieben.

Mein Fazit zum E-Learning

Lernen mit den Vorlesungen

Im Nachhinein kann ich sagen, dass einige Fächer wirklich toll präsentiert wurden. HNO, Radiologie und Orthopädie zum Beispiel: Größtenteils Top-Vorlesungen und ausreichend für die Klausuren, die wiederum auch sehr fair gestellt waren. Interessante Inhalte und ein bisschen mehr Arzt-Feeling, das Studentenherz schlägt munter.

Bei wiederum anderen Fachgebieten war die Lehre nicht gut strukturiert. Der Studierende hatte bei solchen dann vor allem Schwierigkeiten das Gesamtbild eines Sachverhalts zu verstehen. Reingeworfen in einen Teich voller anfangs nicht zusammenhängender Informationen. Und die Beziehungen zueinander muss man sich dann selber herleiten. Liest man dasselbe Thema dann aber mal auf z.B. Amboss nach, klärt sich die Struktur mit einem Mal.

Sicher ist für mich jetzt: Vorlesungen sind oft wirklich nur als Orientierung zu gebrauchen. Klar, so sind sie auch gedacht, würde man jetzt sagen. Aber die wichtigen Krankheitsbilder kann man doch wohl strukturiert darstellen oder nicht? Und vor allem während eines reinen Online- Semesters sollte doch noch mehr Fokus darauf gelegt werden.

Hier muss sich in Zukunft noch etwas tun. Das würde ich mir wünschen, sonst ist es schade um die investierte Zeit und doch wirklich schade um die Lehre. Corona hin oder her.

Die Klausuren

Im Bereich der Prüfungen meine ich, keinen großen Unterschied zu einem normalen Semester gespürt zu haben. Manche waren fair gestellt, manche weniger und manche auch fast schon gemein. Was ich dabei aber nicht ganz verstehe: Wenn in einer unbekannten neuen Situation die Lehre plötzlich eine komplett andere Gewichtung bekommt, sollte ich dann als Dozent nicht lieber sagen: „In dieser besonderen Lage lieber einen Tick zu leicht als zu schwer?“. Würde man meinen.

Und dann bitte auch nur Sachen, die überhaupt behandelt werden. Hier gab es seitens der Studierenden einige Ärgernisse. Zu Recht. Aber (!) wir haben ja Glück damit, dass in Würzburg die Evaluation und Rückmeldung der Studenten*innen einen hohen Stellenwert geniesst. Und gerade jetzt ist diese ja umso wichtiger. Also evaluiert fleißig, egal welches Semester oder welcher Studiengang!

Das totale Ganze

Zusammengefasst war dieser Sommer damit ein unfreiwilliges spannendes Experiment. Ich kann für meinen Teil sagen, dass auch in Zukunft das E-Learning einen wichtigen Stellenwert haben sollte. Vielleicht ja z.B. Vorlesungen, die gleichzeitig mit möglicher Anwesenheit und auf Zoom laufen? Gerne aber auch ein paar Präsenzveranstaltungen mit im Boot, zumindest solche die einen nützlichen Praxiswert aufzeigen – denn auch bei den Praktika gibt es einige schwarze Schafe. ;)

Wie wär es also mit einem neuen Experiment?
Idee: Eine oder gern auch zwei Wochen E-Learning, die jeder frei gestalten kann und dann aber eine oder zwei Wochen Praktika und Präsenzveranstaltungen, die das selbst angelernte nochmals erläutern und vertiefen. Dann hat auch jeder Student die Möglichkeit, sich mal ordentlich auf Themengebiete vorzubereiten und von der Lehre und der Interaktion mit den Dozenten richtig zu profitieren. Ob von Zuhause oder aus Spanien. Solch eine Teil-Flexibilität wär doch eine nette Sache. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Auf jeden Fall wurde für den Winter jetzt ein „Hybrid-Semester“ angekündigt. Was man darunter verstehen soll, ist mir noch nicht ganz klar. Aber ich bin mal gespannt. Auf ein neues Experiment. Und natürlich berichte ich darüber in einem neuen Artikel unter der Rubrik „Erfahrung Medizinstudium“.

Bis dahin wünsche ich viel Gesundheit und Frohsinn,

Eure Mareike
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain