Mareike in den Bergen

Erfahrungsbericht: Hausarztfamulatur mit Einblick in die Psychotherapie

Vergangenen Monat habe ich meine Famulatur in der Allgemeinmedizin bei einem Hausarzt in Aachen absolviert. Das Besondere daran: Mein Arzt war bzw. ist zusätzlich noch Psychotherapeut. Damit konnte ich Einblicke in gleich zwei Bereiche bekommen, besser geht es kaum oder? Wäre da nicht Corona.

Als ich Anfang März in Aachen ankam und die WG, in der ich untergekommen war, mit in Beschlag nahm, war das Sars-CoV2-Virus in Deutschland zwar schon präsent, aber mit all seinen Ausgangsbeschränkungen und Problematik in der medizinischen Versorgung noch nicht allgegenwärtig.

Dürfte ich bei Ihnen mit ins Gespräch?

So verliefen die ersten Tage meiner Famulatur noch relativ „alltagsgetreu“. Das Praxisteam erwies sich als sehr herzlich und nahm mich gerne als Famulantin auf. Mir wurde der übliche Ablauf der Patientenaufnahme sowie der Blutabnahme noch einmal näher aufgeführt. Von den MTAs sind mir auch andere Dinge wie das Konzept der Aktenverwaltung und Dokumentation gezeigt worden.

Dadurch dass mein Arzt auch psychotherapeutische Gespräche führte, war es unabdingbar, jeden einzelnen Patienten zu Anfang nach der Erlaubnis zu fragen, mit ins Gespräch zu gehen zu dürfen. Schließlich kann man in den ersten Tagen kaum herausfiltern, welcher Patient für eine allgemeinmedizinsche Untersuchung kommt und wer z.B. eine mental stützende Unterhaltung führen möchte. Zumal das Praxisteam die entsprechenden Leute teils schon jahrelang kennt und bei der Anmeldung die Problemstellung meist wenig bis gar nicht thematisiert wird.

Im Verlauf der ersten zwei Wochen kristallisierte sich somit für mich heraus, welche Patienten ich gar nicht erst fragen musste bzw. wem ich mit einem Lächeln wieder ins Arztzimmer folgen durfte. Die Zeit, die ich nicht in einem Gespräch verbrachte, nutzte ich dann entweder für etwaige Blutabnahmen. Oder unterhielt mich mit den MTAs, auch sehr schön!

Einblicke in die Psychotherapie

Aus den psychologischen Dialogen, die ich mitbekam, konnte ich dafür mal mehr mal weniger mitnehmen. Die Problematiken waren weit gestreut: Von gewünschten Medikamentenumstellungen über Familienproblematiken bis hin zu Verarbeitung von Traumata oder der Umgang mit der eigenen Eifersucht. Es war sehr interessant mit anzusehen, wie sich teilweise die Stimmungslage oder Motivation der Patienten im Laufe des Gesprächs änderte und mit was für einem Vertrauen in den Arzt die Menschen in die Praxis kamen.

Aber dafür sind sie ja da, die Hausärzte: Als erste Ansprechs- und Vertrauensperson. Und es war schön, das auch mal im einem so speziellen Bereich miterleben zu dürfen. Auch da die Möglichkeit von Einblicken in den Umgang mit psychischen Problemen von Patienten im Vergleich zu anderen Fachrichtungen im Studium eher begrenzt ist.

Ankunft von Corona

Die Anzahl der psychotherapeutischen Gespräche der Praxis belief sich während meiner Famulatur auf ca. 30-40% und nahm ab der zweiten Woche stetig etwas zu.
Denn: Corona war gänzlich angekommen in Aachen und die Tage in der Praxis gestalteten sich von nun an sehr unterschiedlich. Vor allem zu Anfang der Ausgangsbeschränkungen klingelte das Telefon unerlässlich. Wohingegen die Menge der persönlich vorbeischauenden Patienten immer weiter abnahm, zumindest die mit allgemeinmedizinischer Problematik. Damit schrumpfte auch der Anteil an Gesprächen, denen ich „beiwohnen“ durfte. Schade drum, aber auch kein Problem, sagte ich mir, schließlich waren noch alle wohlauf und das ist doch die Hauptsache.

Wenig später änderten sich zunehmend die Hygienebestimmungen in der Praxis. Patienten mit Erkältungssymptomatik sollten, wenn möglich, die Praxis gar nicht erst aufsuchen. Lieber sollten diese über den telefonischen Dienst Rat suchen und Angehörige holten stellvertretend die Atteste ab. Eine ziemliche Umstellung für alle aber an sich die beste Lösung.

Damit gab es auch sehr ruhige Tage. Wenn also wenig in der Praxis los war, dann radelte ich wieder zurück in die WG. Verbrachte die freien Nachmittage mal mit einer schönen Kocheinheit oder einer Joggingrunde mit den Mitbewohnern.

Meine 30 Tage Famulatur vergingen dabei wie im Flug und ehe ich mich versah, war der Koffer wieder gepackt und es hieß „Auf Wiedersehen!“ und „Hello Würzburg, again.“ :)

Fazit

Rückblickend habe ich damit allgemeinmedizinisch – abgesehen von einigen Klassikern wie Lunge abhören, Bauch abtasten und dem Umgang mit Erkältungs/Grippe-Symptomatik – zwar nicht besonders viel aus meiner Famulatur mitgenommen. Aber das war mir im Vorhinein schon bewusst und dafür konnte ich die wertvollen Einblicke in die Psychotherapie gewinnen. Dadurch, dass die ganze Corona-Sache ebenfalls seinen Einfluss hatte, hatte ich im Endeffekt also richtig Glück.

Abschließend kann ich ziemlich sicher sagen, dass ich weder in die eine noch in die andere Fachrichtung möchte. Der eine Bereich würde mir vermutlich persönlich zu nahe gehen. Der andere weist für mich ein zu breites Spektrum an Problemstellungen auf. Ich möchte mich später lieber anders intensiver spezialisieren, aber wer weiß, wo es mich mal hinführt.

Jedenfalls kann ich nur sagen, Spaß hatte ich in Aachen! Eine lehrreiche, mal zur Abwechslung etwas entspanntere Famulatur und eine Praxis, die bis zum Schluss offen hatte.

Bleibt gesund,

Eure Mareike
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain