Mareike in den Bergen

Erfahrungsbericht: Überlebenstipps für den Medizineralltag

Es ist allbekannt. Wer Medizin studiert, tut vor allem eins: Studieren. Nicht nur in genüsslicher Länge sechs Jahre lang, sondern unter dem Semester dabei auch gerne bis zu etlichen Stunden am Tag. Es scheint, als seien wir gerade davon besessen, uns mit Lehrbüchern, Vorlesungsunterlagen und Zusammenschriften an den Schreibtisch zu setzen und uns das Gehirn mit Informationen zustopfen zu wollen. Schneller, höher, weiter. Studieren – ja, das lieben wir.

Um aber im Unialltag des Medizinstudenten nicht unterzugehen und auch deinen Mitmenschen was Gutes zu tun, hier ein paar wertvolle Tipps.

Anmerkung vorab:
Kennste, kennste, eigentlich, aber ließ es gerne trotzdem.

1. Nicht schön reden sondern über das Schöne

„Du studierst Medizin? Wow, das könnte ich nicht. Ist das nicht total stressig?“
Wer diesen Satz schon mal zu hören bekommen hat, der kennt die Antwort: Ja.
Ich weiß ja nicht, wie ihr da draußen – ihr Mediziner und Nicht-Mediziner – das seht, aber ich persönlich antworte gerne immer mit „Ja schon, ABER…“.


Denn Fakt ist doch: Das Studium hat es in sich, aber das haben viele andere Studiengänge auch. Der NC macht nicht gleich aus jedem 1er Abiturienten einen 1a Arzt – „können“ tut der, der fleißig sein kann. Und, wir sind schon selber blöd, wenn wir uns in ein Studium werfen, das für sechs Jahre Grundstudium konzipiert ist. Also wieso beschweren?


Oftmals vergessen wir doch, wieso wir das Ganze studieren. Wieso wir etliche Abende vor dem Atlas, der neuen Wirkstoff-Tabelle oder in der Ethik-Vorlesung sitzen. Wir wollen später mal helfen, Leben retten, Menschen Gutes tun, nicht? Zumindest fällt mir die Überlegung schwer, wer meiner Kommilitonen später einer der „Geldmacher“-Ärzte werden wird.
Also: Lasst uns mit Freunden und Unbekannten doch über die schönen Aspekte des Studiums sprechen. Das freut das Gegenüber, den Gesprächsfluss (anstatt bei Jammerhymnen) und vor allem fördert es die eigene Motivation, und gibt die Antwort auf die Frage, wieso man eigentlich in die nächste Vorlesung geht. Je öfter man ehrlich über das Gute spricht, desto eher glaubt man auch wieder selber daran und ruft sich das auch wieder ins Gedächtnis, wenn es gerade schlecht läuft. Denn, den anderen vollzujammern bringt dir nix, dem anderen nix, der Welt nix.
Also: Nicht schlecht reden, nicht schön reden sondern über das Schöne.

2. Angenehmes Umfeld schaffen

Um erfolgreich durch den Uni- und Prüfungsalltag zu kommen, braucht es vor allem drei Dinge: Routinen, Freunde und Abstand.

Punkt Nr.1: Jeder hat sie irgendwo in seinen Alltag eingebaut: Die Routinen. Irgendwo versteckt, vergraben, kurz oder lang. Sei es der morgendliche Gang zur Toilette mit Nach-dem-Essen- Zähneputzen oder die abendliche Joggingrunde immer dienstags und donnerstags mit proteinlastigem Abendbrot. Routinen helfen ungemein Struktur in den eigenen Alltag reinzubringen. Und gerade das braucht es, wenn es mal wieder drunter und drüber geht. Strukturen geben Halt an einem Tag der vollkommenen Überladenheit, wenn man noch 10 000 Dinge erledigen muss. Sie helfen, für einen Moment mal abzuschalten, auch wenn sie vielleicht von außen betrachtet nicht die körperlich entspannteste Tätigkeit wie der Frühsport darstellen. Sie helfen. Allein z.B. im Rahmen einer Morgenroutine nicht entscheiden zu müssen, was man frühstückt – weil man ja immer das Gleiche isst – kann helfen, die Energie der vermeintlichen Morgenplanung für andere Entscheidungsmomente aufzusparen.

Zweiter Punkt: die Freunde. Bekannte, Verwandte? Ich versuche mal nicht zu viel zu philosophorieren mit – „Der Mensch ist ein Rudeltier“ oder so – (vielleicht ist er ja auch ein Einzelgänger), aber ich meine, noch nie jemanden getroffen zu haben, der mit den Worten „ich hasse Menschen“ wirklich ALLE Menschen dieser Welterde gemeint hat. Na, selbst erkannt? Dann überdenke das nochmal, bevor du deine Mutter anrufst oder XY auf einen Kaffee triffst.

Nein, Rückhalt im Leben braucht jeder und so auch jeder Student. Wenn es mal wieder zu stressig wird und wir ja jetzt alle wissen, dass wir die Nicht-Mediziner laut Tipp Nr. 1 nicht mehr volljammern dürfen, dann machen wir das eben diesmal bei unseren Medizinerfreunden. Ausnahmsweise gestattet. Denn wer versteht einen besser, als der, der selber mit im Boot sitzt. Nach ein, zwei beklagenden Sätzen sollte es dann aber auch gut sein, dann hat das Gegenüber ebenfalls genug, schließlich geht es ihm genauso.

Praktisch ist natürlich, wenn man sich nicht nur viel mit Freunden trifft (krasser neuer Tipp meinerseits), gemeinsam Hobbys nachgeht oder über Gott und die Welt geschweige denn den Menschen als Rudeltier philosophiert – sondern sich gleich in eine WG eingliedert und so zumindest ganz nette Menschen vor Ort hat. Noch praktischer wenn das gleichzeitig die genannten Freunde sind.

Gut aber auch, wenn die nicht grade das Gleiche studieren und noch im gleichen Semester, sonst hat man sofort wieder die nächsten Gespräche über den heutigen Pharma-Kurs.

Wenn’s mit den Kommilitonen als WG-Mitbewohner nicht zu vermeiden ist, dann wird Punkt Nr. 3 doch etwas schwieriger: Abstand schaffen.
Und mit Abstand meine ich A b s t a n d. Zu erreichen mit allem außeruniversitären, sei es Sport, Musik, Shoppen, der Heimweg – was das Herz erfreut. Sobald man das Buch vom Lernen zuklappt oder den Hörsaal verlässt: Abstand schaffen.

Wichtig hier: vor allem gedanklich. Es bringt nichts, fröhlich eine kleine Runde joggen zu gehen – man hat ja grad keine Uni – nur um dabei trotzdem den morgigen Kurs im Kopf zu haben. Dann lieber in Gedanken mit Mama über deine fehlenden Anrufe zu streiten (außer du „hasst Menschen“ – dann redest du ja mit keinem), schließlich beschäftigst du dich am Tag schon genug mit Studiumsangelegenheiten. Alles, was da aus der Reihe fällt, ist primär gut und fördert auch mal andere Gehirnzellen in deiner linken (und rechten) Gehirnhälfte.

Ach, und einfach nur rumliegen zählt bei so manchen Heilpraktikern bestimmt als Meditation und tut dir auch mal gut. ;)
Ich für meinen Teil schaffe jetzt jedenfalls erstmal Abstand zum Wort „Abstand“.

Zu guter Letzt:

3. Es muss nicht immer alles glatt laufen

Deshalb, gibt’s Tipp Nr. 3 heute mal nicht. Weil nicht alle guten Dinge immer drei sein müssen, damit etwas im Leben funktioniert.

P.S. für Dummies: auf das Studium auch mal anwendbar. Klappt’s, klappt’s, klapp’s nich’ , klapp’s nich’. Kennste, oder?

Und damit: Lycka till ! ***
 


Eure Mareike
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain

***schwedisch für: Viel Glück! Regel Nr. 2, Punkt Nr. 3 befolgend lerne ich momentan Schwedisch.