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Erfahrungsbericht: Ferien – Mit dem Rucksack durch Europa

Das Gute an einer Physikumswiederholung ist, dass man auch den Physikumsurlaub wiederholen kann. Dieser fällt nämlich in der Regel bei den Studenten etwas größer und ausgefallener aus, als ein “normaler” Semesterurlaub.

Einige mieten sich mit ihren Lernbuddys villaähnliche Airbnbs in der Nähe von Amsterdam, kaufen sich ein billiges Auto. Erkunden mit diesem vom Verfall gekennzeichneten Wagen und einem Surfbrett die Küsten Südeuropas. Wieder andere chartern sich Billigflüge, um die Ruinen Tschernobyls zu erkunden. Und anschließend in Georgien in den coolsten Clubs des Landes zu feiern. 

Backpacken in Skandinavien

Ein Freund und ich haben uns dazu entschlossen, mit dem Rucksack bepackt, zu zweit Skandinavien zu bereisen. Anschließend möchten wir uns mit Freunde in Osteuropa treffen. Wenig luxuriös, dafür aber für den schmalen Geldbeutel und hoffentlich auch zur Freude Gretas war das Fortbewegungsmittel unserer Wahl der große Omnisbus von der Firma mit dem auffällig, grünen corporate design. Für 100 Euro ist es möglich, fünf Fahrten, egal welcher Länge, zu unternehmen. Unschlagbar. 

Einfach Mal eine kurze Pause machen

Skandinavien belegt in Rankings zur Messung der Lebensqualität regelmäßig die vorderen Plätze. Kopenhagen gewinnt dabei als einzig dänische Stadt immer wieder den Preis für eine der lebenswertesten Städte der Welt. Norwegen führt als Land in derselben Kategorie die Liste auch wieder in diesem Jahr an. Aber das alles hat seinen Preis.

Essen in Skandinavien

Während man in Deutschland für gute 15 Euro auswärts durchaus gesättigt das Lokal verlassen kann, kann man damit in Schweden gerade so seinen Bierdurst löschen. 20 Euro für eine Hauptspeise sind im Norden keine Ausnahme. Nun könnte man denken, die Ersparnisse, die sich durch die billigen Reisekosten ergaben, würden uns ein Bankett nach dem anderen in der osloer Gastronomielandschaft bescheren. Aber was wären wir für Studenten, wenn wir nicht auch hier mit Bedacht gewählt hätten? Um wirklich billig und auch gut und sogar noch warm zu essen, bleibt einem Sparfuchs fast nur das Vertrauen auf das eigene Kochtalent.

Noch besser und wieder im Einklang mit der Ideologie von schulschwänzenden Teenagern ist es, Lebensmittel zu erwerben, die andernfalls in den Müll gewandert wären. Dies ist wirklich praktisch und hat uns vor dem Bankrott bewahrt. Man kann sogar kulinarische Highlights erwarten. Und dank App und intuitiven Bestellvorgängen, hat man schon am Anfang des Tages seine Mahlzeiten bis zum Abend geplant und bezahlt. Man erkundet Lokale und Orte, die man andernfalls ganz sicher nicht besucht hätte. Dadurch spart man sich viel Zeit und Stress bei der Entscheidungsfindung. 

Apropos Entscheidungsfindung. Wer nicht weiß, wie er seine Abende gestalten soll, dem rate ich einfach andere Reisende anzusprechen. Wirklich viele Gleichgesinnte werden einem auf seiner Reise begegnen. So bin ich in Göteborg von einem Russen und einer Italienerin auf eine dieser berüchtigten, illegalen Technopartys eingeladen worden. Die Koordinaten zur Party haben sie mir mitten in der Nacht über den facebook massenger geschickt. In Malmö haben wir so eine sehr nette finnisch und schweizerische Begleitung für unser Dinner gefunden. 

Kopenhagen ist super!

Gerade Kopenhagen ist unter Backpackern sehr beliebt. Wir trafen eine Deutsche, die auf dem Weg nach Russland kurz einen Zwischenstop in Dänemark machte. Einen Inder, der unser 10-Bett-Hostelzimmer am frühen Morgen zwar lautstark unterhielt, leider aber per Telefon mit einem indischen Gesprächspartner, so dass ich daraus leider keine Informationen ziehen konnte. Einen Franzosen, der 8 Monate lang per Anhalter durch Europa reist. Dabei auf fremden Couchen übernachtet und sein Handy in Bars und Kneipen auflädt, um mit diesem auch gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen zu können. 

Wer hingegen weniger Lust auf Fremde, dafür aber mehr Lust auf Natur hat, der braucht nicht glauben, dass man durch den Fernbusverkehr eingeschränkt sein würde. Gerade im Norden gibt es wunderschöne Landstriche, die sich unweit der Metropolen fußläufig erkunden lassen. Gemeint sind die Oslomarka, die bewaldeten Flächen rund um die norwegische Hauptstadt, die hochgelegen phänomenale Blicke über die Stadt gewähren, welche seinerzeit angeblich auch Edvard Munch inspirierten. Oder die Inseln rund um Göteborg, die sich per Fähre erreichen lassen und eine noch weitgehend unberührte Natur besitzen. Wir haben dort stundenlang in kompletter Ruhe die Sonnenwanderung über die Nordsee beobachten können. Dabei konnten wir gänzlich vergessen, dass in nur acht Kilometern Entfernung die fünft größte Stadt Skandinaviens liegt.

Einfach unbeschreiblich

Bis bald, euer Marvin
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain