Mareike

Erfahrungsbericht: Famulatur in den Bergen

In den vergangenen Semesterferien habe ich erfolgreich meine erste Famulatur absolviert.

Eine Famulatur, das ist ein Fachpraktikum, das jeder Medizinstudent bis zum Hammerexamen absolvieren muss und davon mehrere: Zweimal 30 Tage in einer stationären Einrichtung, einmal 30 Tage in einer ambulanten und nochmal 30 Tage bei einem niedergelassenen Arzt, vorzugsweise einem Hausarzt. Die Zeit dafür bietet sich in den Semesterferien. Da man als Mediziner mehrere prüfungsfreie Wochen im Frühjahr und Sommer hat, ist das normalerweise auch kein Problem. Zumindest nicht, um noch einen entspannten Urlaub vor oder hintendran zu hängen.

Für mich ging es diesen Sommer nach Füssen. Wem der Name des Städtchens nichts sagt, dem mag das Allgäu vielleicht ein Begriff sein oder zumindest das Schloss Neuschwanstein. Auf gut Deutsch: wundervolle Landschaft mit Bergen.

Oben auf dem Säuling

Füssen ist ein kleiner Ort mit ca. 15 000 Einwohnern und liegt direkt an der österreichischen Grenze, damit bietet sich wie gesagt eine echt schöne Umgebung, aber durch das nahegelegene Schloss in Hohenschwangau auch viel Tourismus.
Die Klinik in Füssen ist durch die bescheidene Grösse des Ortes verständlicherweise ebenfalls klein. Das war aber auch genau die Absicht hinter meiner Wahl des Praktikumortes.
Wer wie ich weder eine Rettungssanitäter/assistenten-Ausbildung gemacht hat oder sonst irgendwo bereits Erfahrung im Gesundheitswesen gesammelt hat – mal abgesehen vom verpflichtenden Krankenpflegepraktikum – der ist meines Achtens für die erste Famulatur an kleinen Kliniken bestens aufgehoben. Wer von Anfang an Action und die „überkrassen Fälle“ sucht, der darf sich natürlich auch direkt an Unikliniken wagen. Für mich war das für den Anfang erstmal nichts.

Meine erste Famulatur

Die erste Famulatur, das ist für die meisten die beste Gelegenheit, um Grundlagen wie Blutentnahmen, Zugänge legen, Patientenakten verstehen und Arztbriefe schreiben zu erlernen. Je nach gewähltem Fachgebiet erhält man zusätzlich erste Einblicke in die ärztliche Versorgung der fachspezifischen Fälle. Meine Wahl für Füssen fiel auf die Viszeralchirurgie. Durch die kleine Grösse des Klinikums werden die Allgemein-, Unfall- und Viszeralchirurgie-Patienten dort aber sogar auf derselben Station behandelt, was so viel heisst wie: 20 % / 20 % / 60 % demnach vorrangig Einblicke in die unfallchirurgische Versorgungsweise.

Mein Alltag gestaltete sich meist in Blutentnahmen/Zugänge legen am frühen Vormittag, wonach ich dann frei entscheiden konnte, ob ich mir OPs ansehen will, dort gegebenenfalls assistieren kann oder ob ich etwas meiner Zeit in der notfallärztlichen Ambulanz verbringe und dort die Aufnahme und klinische Untersuchung von Patienten übe. Allgemein heißt es damit auf der chirurgischen Station: freie Wahl, viel Flexibilität und aber auch Eigeninitiative. Wenn man ein paar Tage in der Klinik ist und anfängt, fast jeden, der einem auf dem Gang begrüßt, mittlerweile zu kennen, merkt man schnell: hier reißt keiner einem den Kopf ab, wenn man lieber, statt das Blut auf der Station abzunehmen, mal bei einer der „spannenderen OPs“ assistieren möchte. In der Klinik herrscht sowieso wahnsinnig gutes Klima, jeder begrüßt jeden und alle sind unvorstellbar freundlich, allem voran auf der Station der Inneren Medizin – hier ist eine Famulatur wohl ebenso wärmstens zu empfehlen.

Im Grossen und Ganzen habe ich somit meine vier Wochen vor allem damit verbracht, Patienten in der Ambulanz aufzunehmen, viele Sprunggelenke zu untersuchen, ein paar Platzwunden zu nähen und natürlich bei Verplattungen, Laparoskopien und anderen OPs zuzugucken oder zu assistieren. Abwechslung ist zumindest geboten und wenn es am Tag mal nichts groß Spannendes zu sehen und zu tun gibt, na dann schaut man halt mal auf den anderen Stationen vorbei. Lust auf Endoskopie, Herzkatheter, Sonographie oder die Gyn? Wenn nichts zusagt, ja dann geht man eben auch einfach mal um 12 oder 14 Uhr (statt wie meist um ca. 16:00 Uhr) und genießt den freien sonnigen Nachmittag mit einer Joggingrunde auf den Kalvarienberg oder einer Radrunde um den Forggensee. Am Wochenende dann Wanderungen zum Tegelberg und Branderschrofen oder aber eine schöne Tour auf den Säuling oder die Hochplatte. Austoben kann man sich hier definitiv. Ein weiterer Vorteil: von der Klinik wird für Famulanten ein Zimmer im 100m entfernten Wohnheim sowie das Mittagessen gestellt. Lediglich Besteck, Geschirr und Töpfe/ Pfannen muss man sich für Frühstück und Abendessen dann doch selber mitnehmen (da ist die Anfahrt mit Auto schon zu empfehlen aber nicht unbedingt notwendig).

Da man hier somit einiges an Geld spart, gönnt man sich dann doch das eine oder andere gute Essen in der kleinen feinen Innenstadt oder das nächste leckere Schoko-Soufflé in „Tati‘s Cakes“ – bester Laden! ;)
Füssen war und ist damit echt eine sehr gute Wahl für ein Praktikum!

Damit kann ich insgesamt also nur noch folgende Tipps geben:

  1. Klein ist super.
  2. Zu klein kann zu wenig sein, muss aber nicht. Einfach informieren unter-> siehe 3.
  3. Die Seite „www.famulatur-ranking.de“ bietet sehr hilfreiche Erfahrungsberichte von Studenten zu absolvierten Famulaturen in den jeweiligen Fachbereichen (Für Füssen stimmt die Benotung definitiv).
  4. Wenn es finanziell klar geht, Orte wählen, wo ihr eh mal hinwolltet oder die einfach eine schöne Umgebung haben. Dann fühlt es sich eher wie Urlaub an. :)
  5. Fachbereiche wählen, die man tendenziell nicht sowieso im Blockpraktikum/PJ hat. Einfach alles mal ausprobieren. (Meine Wahl bereue ich trotzdem nicht.)

Jap. Genau. :)
Und mit diesen Top5 verabschiede ich mich und sage:

Auf in den kalten Winter! Eure Mareike