Mein PJ in Sambia

Für mich stand schon lange fest, dass ich gerne ein Teil meines PJs im Ausland absolvieren möchte, da ich weder eine Famulatur noch ein Semester im Ausland gemacht hatte und diese Gelegenheit im Studium noch nutzen wollte. Diese Erfahrung lässt sich ja so nicht mehr nachholen – kommt man als „fertige/r“ Arzt/ Ärztin in ein anderes Land, ist diese Erfahrung sicherlich eine andere. 

Ich hatte mich dabei zunächst nicht auf ein bestimmtes Land festgelegt, außer dem Kriterium, dass es hauptsächlich englischsprachig sein sollte, denn meinem Schulfranzösisch oder -spanisch traute ich keine vernünftige Kommunikation, vor allem im Krankenhaus, zu. Außerdem wollte ich nicht parallel zur Examensvorbereitung noch Sprachkurse besuchen müssen. Ich habe auch keinen Medical English Kurs besucht – wer die Gelegenheit dazu hat, kann davon aber bestimmt profitieren. 

Als Fachrichtung habe ich mich für mein Wahlfach Gynäkologie entschieden. In diesem Fachbereich hatte ich bereits eine Famulatur absolviert, sodass ich dachte, ein halbes Tertial in Deutschland „reiche“ als zusätzliche Erfahrung und ein halbes Tertial im Ausland würde mir noch zusätzliche Erfahrungen bringen.

Um mich für ein Land zu entscheiden, habe ich mir diverse Berichte im PJ-Ranking sowie auf medizinernachwuchs.de durchgelesen sowie selbst auf Klinik-Websites recherchiert. Es stellte sich heraus, dass man in vielen Ländern (z.B. Australien) mit hohen Praktikumsgebühren rechnen muss – dazu war ich dann nicht bereit, wenn man bedenkt, dass Flug- und Unterkunftskosten ja noch dazu kommen. Außerdem hat mich besonders die Möglichkeit gereizt, noch einmal einen ganz anderen Klinikalltag mitzuerleben; ich könnte mir vorstellen, eine beispielsweise australische Uniklinik funktioniert ähnlich wie ihr deutsches Pendant. 

So kam ich etwas durch Zufall auf Berichte aus Sambia, die sehr interessant klangen – und zusätzlich ist die offizielle Landessprache Sambias als ehemalige britische Kolonie Englisch. Für das PJ wird nur eine Klinik in Sambia anerkannt – das University Teaching Hospital (UTH) in der Hauptstadt Lusaka. Dies ist der Medizinischen Fakultät der University of Zambia (UNZA) zugeordnet. So entschied ich mich, es einfach zu versuchen und mich beim Dekan der Fakultät zu bewerben. Nachdem ich irgendwann die richtige Email-Adresse herausgefunden hatte, bekam ich schon am nächsten Tag eine Rückmeldung, ich musste noch ein Formular vom Dekanat meiner Heimatuni ausfüllen und wieder per Mail zurückschicken und dann hatte ich auch schon eine Zusage! Ich habe mich im Herbst 2018 für einen Praktikumsbeginn im Juli 2019 beworben. So hatte ich auch noch genug Zeit für die ganze Vorbereitung, wobei man sich vermutlich auch noch deutlich später bewerben könnte. 

Durch die Planung bereits vor PJ-Beginn hatte ich noch die Möglichkeit, den Zeitraum meines Auslandsaufenthaltes selbst zu bestimmen. So informierte ich mich über das Klima in Sambia und kam zum Entschluss, die 2. Hälfe meines ersten Tertials dort zu verbringen – von Mitte Juli bis Anfang September, wo in Sambia offiziell Winter ist und Trockenzeit herrscht. Diese Zeit würde ich auch jedem empfehlen, denn die Temperaturen sind für Europäer sehr angenehm – nachts um die 10 Grad und tagsüber 25 – 30 Grad. Da Trockenzeit herrschte, habe ich acht Wochen lang keinen Tropfen Regen gesehen! Die Regenzeit folgt dann im deutschen Winter, was ich mir logistisch teilweise schwierig vorstellen könnte (bei nicht befestigten Fußwegen, einfachen Häusern etc.). 

Worum man sich im Vorhinein kümmern sollte, sind grob gesagt alle Impfungen bzw. alles Medizinische, eine Flugbuchung, eine Unterkunft, eine Auslandskranken- und haftpflichtversicherung, eine Kreditkarte o.Ä. fürs Ausland, eventuell die Finanzierung des Auslandsaufenthaltes bzw. das Bewerben für Stipendien sowie das Visum für Sambia.

In Würzburg hatte ich das Glück, ein Tropenmedizinisches Institut direkt vor Ort zu haben. Grundsätzlich würde ich immer die Beratung bei Experten empfehlen, da sich die notwendigen Impfungen auch mal ändern können. Ich habe mich gegen Gelbfieber, Tollwut, Typhus sowie Meningokokken ACWY impfen lassen. Auch eine Malaria-Dauerprophylaxe wird empfohlen. Ich hatte mich diesbezüglich für Malarone entschieden, da bei Doxycyclin als Nebenwirkung eine Photosensibilisierung bekannt ist, was ich bei einer Reise nach Afrika nicht riskieren wollte. Das ist aber die deutlich teurere Alternative (fast 200€ für 8 Wochen). Man zahlt alles zunächst selbst und kann dann die Rechnungen bei der Krankenkasse einreichen. Meine Krankenkasse hat zum Glück alle Kosten inklusive der Malariaprophylaxe übernommen, sonst kommen schnell mehrere 100€ zusammen! 

Ich habe meine Flüge früh gebucht (Anfang des Jahres für Juli), da einige Flüge zu dem Zeitpunkt schon als fast ausgebucht angezeigt wurden. Man hat durch die vorgegebenen PJ-Daten ja keine Variabilität in den Hin- und Rückflugsdaten. Ich bin mit Kenya Airways über Amsterdam/ Paris und dann über Nairobi nach Lusaka geflogen, es gibt allerdings auch andere Routen (aber keine Direktflüge von Deutschland nach Sambia). Man ist auf jeden Fall mehr oder weniger das ganze Wochenende unterwegs. Ich habe für Hin- und Rückflug über 1000€ bezahlt, es gibt aber wohl auch billigere Flüge. 

Eine Unterkunft wird vom Krankenhaus nicht gestellt, darum muss man sich leider selbst kümmern. Es werden Hostels empfohlen, was ich zunächst auch als Unterkunft wählen wollte – ich war mir aber unsicher, wie man von dort aus (min. 40min Fußweg) jeden Tag zur Klinik kommen sollte, denn es gibt in Lusaka kein wirkliches öffentliches Verkehrssystem wie in deutschen Städten. Minibusse fahren bestimmte Routen in der Stadt ab, warten aber darauf, dass sie voll werden, ehe sie abfahren – zu einer bestimmten Uhrzeit verlässlich in der Klinik zu sein, ist so sicher schwierig. Außerdem hatten die meisten Hostels ziemlich schlechte Bewertungen online, sodass ich mir unsicher war, ob ich dort wirklich acht Wochen verbringen wollte. Ohne mir wirklich etwas davon zu versprechen, habe ich auch noch auf AirBnB geschaut – und siehe da, eine Wohnung in der Nähe der Klinik war zu vermieten! Diese Wohnung („charming city cottage“ auf AirBnB) kann ich für einen Aufenthalt in Lusaka empfehlen, man läuft nur ca. 5 – 10min zu Fuß zur Klinik, sie ist ruhig gelegen und voll ausgestattet. Es können bis zu 3 Leuten dort unterkommen. Allerdings nicht ganz billig (über 1000€ für die 8 Wochen), wenn man die Wohnung alleine mietet! Es ist immer schwer zu sagen, was einem eine gute Wohnumgebung wert ist, ich habe es auf jeden Fall genossen, damit ein „Zuhause“ in Sambia zu haben. Die Vermieter sind auch sehr nett und stehen jederzeit bei Problemen oder Fragen zur Verfügung. 

Vor Abreise sollte man sich außerdem um eine Auslandshaftpflicht- und eine Auslandskrankenversicherung (in Sambia sicherlich mit Rücktransport-Klausel sinnvoll) bemühen. Ich habe beides zum Glück nicht gebraucht, aber man weiß ja vorher nie, was so während der Zeit passiert. Beides gibt es für (Medizin-)Studenten billig zu haben, vielleicht deckt Deine normale Berufshaftpflichtversicherung ja auch bereits das Ausland mit ab? Bei der Klinik musste ich keine Unterlagen dieser Art vorlegen, aber Kopien der Versicherungen und Kontaktdaten für den Fall der Fälle sollte man mitnehmen!

Zusätzlich habe ich ein Konto bei der DKB eröffnet (kostenlos), um die entsprechende Kreditkarte nutzen zu können, mit der man kostenlos im Ausland Geld abheben kann. Bankautomaten lassen sich in Lusaka genügend finden und meist ist sowohl Karten- als auch Bargeldzahlung in Geschäften oder Restaurants kein Problem. Die Landeswährung Kwacha kann übrigens nicht mit eingeführt werden. 100 Kwacha entsprechen ca. 7€. Einiges (Mittagessen in der Klinik, Taxis, Restaurants) ist billiger als in Deutschland, insbesondere Lebensmittel im Supermarkt sind aber teurer als in Deutschland (da fast alles importiert wird)!

Um Kosten des Auslands-Tertials etwas abzufangen, bieten sich Stipendien für Auslandspraktika, wie z.B. das von medizinernachwuchs.de oder von PROMOS (das Erasmus-Praktikum für außereuropäische Länder) an. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich zu bewerben!

Der größte organisatorische Aufwand für Sambia war mit Abstand das Visum – leider weiß ich bis heute nicht, was die richtige Strategie gewesen wäre, da auf E-Mails nicht geantwortet wurde und die angegebene Telefonnummer nicht vergeben war. Auch die sambische Botschaft in Deutschland hat widersprüchliche Informationen gegeben. Es gibt eine elektronische Plattform zur Beantragung eines Visums: https://evisa.zambiaimmigration.gov.zm . Dort kann man das benötigte student visa und einen study permit beantragen. Es war mir bis zuletzt unklar, ob auch ein study permit benötigt wird. Als Student, der aber eigentlich für ein Praktikum im Land ist und nicht an der Uni eingeschrieben ist, ist dies vermutlich eine Grauzone. Ein multiple entry visa hat 80 US-Dollar gekostet, der study permit ca. 160€ (wird in Kwacha abgebucht). Für ein student visa muss man unter anderem ein Formular ausfüllen, einen cover letter, Passbilder sowie eine (beglaubigte!) Passkopie und seine Flugtickets hochladen. Und da fängt es schon an – man kann sich im Bürgerbüro zwar eine Kopie seines Passes beglaubigen lassen, aber dies kann in Deutschland nur auf der Amtsprache Deutsch erfolgen – womit in Sambia natürlich keiner etwas anfangen kann. Trotzdem habe ich es in dieser Form hochgeladen und es wurde angenommen. Für den study permit mussten noch einige Dokumente mehr hochgeladen werden – z.B. Dokumente zur Finanzierung des Aufenthaltes, eine Art Bürgschaft, ein ärztliches Attest (eigentlich von einer Regierungsbehörde – bei mir wurde auch der Hausarzt akzeptiert) und eventuell ein Führungszeugnis. Auf dem zugehörigen Formular muss außerdem der Dekan unterschreiben (eigentlich der Leiter der Studieneinrichtung). Den study permit habe ich erst ca. 3 Wochen vor Abreise beantragt und bis Abreise keine Rückmeldung bekommen. Erst mitten in meinem Aufenthalt bekam ich eine E-Mail mit der Genehmigung meines study permits! Außerdem wird ein Visum bei Einreise zunächst für 30 Tage genehmigt, danach muss es verlängert werden. Als ich dies in der lokalen Behörde versucht habe, wurde mir gesagt, dass sich der Visumsstempel in meinem Pass nicht verlängern lässt, aber dass mein study permit ja genehmigt worden sei, den ich abholen könne. Dann sei mein Visum auch nicht (mehr) relevant. Ob man jetzt also nur ein study permit hätte beantragen können, bleibt unklar. Leider ist wohl mit einigem an Willkür zu rechnen. Von anderen Studenten habe ich gehört, dass sie ein Business Visum beantragt haben (das aber auch teurer ist), vom Dekan wurde aber ein student visa empfohlen. Es bleibt zu hoffen, dass das digitale System nach und nach verbessert wird. 

Zur weiteren Vorbereitung: In Lusaka werden hauptsächlich die lokalen Sprachen Bemba oder Njanga gesprochen, was ich aber nicht vorher versucht habe zu lernen. Auch wenn die Sprache von vielen Patienten bevorzugt wird, können eigentlich alle im Land Englisch sprechen, sodass man auch ohne diese Sprachkenntnisse gut klarkommt. Ich habe mich online ein bisschen über Sambia eingelesen, mir aber keinen Reiseführer gekauft (es gibt auch nicht so viele). Literaturempfehlungen kann ich also keine aussprechen. Falls man sich (trotz Linksverkehr und etwas chaotischen Straßenverhältnissen) ein Auto mieten möchte, wird ein internationaler Führerschein benötigt, den man im Bürgerbüro beantragen kann. 

Das Krankenhaus UTH selbst genießt in Sambia einen guten Ruf, es ist z.B. mit dem cancer disease hospital das einzige Krankenhaus des Landes, wo manche Chemotherapien durchgeführt werden können. Außerdem ist hier wohl das einzige Herzkatheterlabor des Landes zu finden. Die Ausstattung könnte aber deutlich besser sein, wer es sich leisten kann, geht eher in einer der vielen privaten Krankenhäuser. Auf dem Gelände der Klinik selbst befindet sich auch die medizinische Fakultät und die Hörsäle für UNZA-Studenten. Man sieht überall Studenten, da auch die Mediziner anderer Medical Schools aus Lusaka das UTH als Lehrkrankenhaus nutzen. Praktika sind viel früher und zahlreicher in das sambische Medizinstudium integriert. Vom Wissensstand sind die Studenten auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland, ebenso die Ärzte. Das Klima allgemein ist ein respektvoller Umgang miteinander, und das Gestresste wie in deutschen Krankenhäusern ist nicht so deutlich. Die größten Probleme des Krankenhauses sind die mangelnde Geräte-Ausstattung, mangelnde Medikamentenausstattung und mangelnde Blutkonserven in der blood bank. Unter diesen Umständen wird trotzdem versucht, die bestmögliche Patientenbehandlung zu ermöglichen. Allerdings sind die meisten Sambier nicht krankenversichert, sodass sie ihren Aufenthalt und alle medizinischen Leistungen selbst zahlen müssen – da kommt es schon einmal vor, dass zwar das Röntgenbild mitgegeben wird, es für die Befundung aber nicht mehr gereicht hat; oder dass Blutproben im Labor verworfen werden, weil die Untersuchung nicht bezahlt wurde. 

Die Gynäkologie ist in Teams eingeteilt (firm A – E), die einen Rotationsplan pro Woche durchlaufen. Hierzu exemplarisch der Plan der Gruppe, welcher ich zugeteilt wurde:

Montags war major ward round, wo alle Patientenfälle mit dem consultant (dem Oberarzt der firm) besprochen wurden. Dies ging meist bis mittags. Dienstag auf Mittwoch stand „on call“ an: ein 24h-Dienst in der Klinik (mit Übergabe eher 26h), in dem unter anderem Visite, dringliche Operationen sowie die Kreissaal- und Ambulanzbetreuung anstanden. Man muss diese Dienste als Student auch nicht vollständig mitmachen, es ist aber besonders im Kreissaal interessant, auch mal über Nacht dazubleiben. Nachdem man sich den restlichen Mittwoch ausruhen konnte, geht es Donnerstag mit theatre day, dem Tag für elektive Operationen, weiter. Dies waren überwiegt Hysterektomien, Myomentfernungen o.Ä., da Brustkrebs von general surgeons therapiert wird und viele weitere gynäkologisch-onkologische Erkrankungen durch das cancer disease hospital abgedeckt werden. Freitags war dann Ambulanztag, wo vormittags die Schwangerschafts- und Kinderwunschfragestellungen an der Reihe waren und nachmittags die gynäkologischen Patientinnen betreut wurden. Am Wochenende war man ca. alle zwei Wochen ebenfalls mit call day an der Reihe (wo man eigentlich anwesend sein sollte, über ein Fehlen bei Reiseplänen etc. wird aber hinweggesehen). Als Student kann man gerne überall mitgehen, auch „typische“ Studentenaufgaben wie Blutentnahmen, Flexülen, Aufnahmegespräche und -untersuchungen gibt es. Aber eher im Sinne eines „Kanns“, vor allem als internationaler Student. Ich wurde zum Glück gut aufgenommen und man hat das Gefühl, die Ärzte im Team interessieren sich für einen. Auch wurde man von sämtlichen Ärzten sehr viel abgefragt, was aber einen guten Lerneffekt hat. Oft waren auch sambische Medizinstudenten unterschiedlichen Semesters mit im Team. Bei den Visiten morgens fand ich aber meist etwas quälend mitzuerleben, wie Patienten mit einem Hb von 3,0 keine passenden Blutkonserven bekommen konnten, wie sehr großzügige Abtreibungsindikationen, zum Beispiel bei Hypertonie, (mit dem Hinweis: „just try again, it’ll be better next time“) gestellt wurden, wie wichtige Bildgebung immer weiter verzögert wurde, wie in der Zettelwirtschaft wichtige Fakten verloren gingen und wie Patienten bei der Visite nicht einmal nach ihrem Befinden gefragt wurden.  Allerdings war besonders das Improvisationstalent spannend mitzuerleben: keine Stauschläuche – dann werden einfach Handschuhe zum Stauen verwendet, keine OP-Gurte – dann verwendet man Sauerstoff-Nasenbrillen zum Festbinden, keine Drainagen – dann nutzt man einfach Infusionsschläuche und schneidet Löcher hinein. Einige weitere Kuriositäten: in der ganzen Frauenklinik gibt es kein Ultraschallgerät, für eine solche Untersuchung wird ein Radiologiekonsil gestellt. Der Schwangerschaftsfortschritt wird über Fundushöhe und Abtasten kontrolliert. CTG-Geräte sind auch Mangelware, stattdessen wird ein Fetoskop/ Pinard verwendet. Im OP sind alle sterilen Tücher aus Baumwolle und werden nach dem Waschen wiederverwertet. Das Einwaschen erfolgt mit Wasser und Seife, nicht mit Desinfektionsmittel. Schwangere müssen ihre eigene „Ausrüstung“ für die Geburt mitbringen. Angehörige sind im Kreissaal nicht erlaubt. Endoskopien und Gastroskopien gab es zu dem Zeitpunkt im UTH nicht, da die Geräte defekt waren – Patienten mussten dafür in eine Privatklinik gebracht werden. Ebenso gab es zwar Pläne für laparoskopische Operationen, aber die Ausrüstung funktionierte nicht. In einem OP der drei OP-Säle der Frauenklinik gab es nur Stehlampen, aber keine OP-Deckenlampe. Abends konnte der OP-Saal so nicht mehr benutzt werden. Große gesundheitspolitische Themen des Landes sind die hohe HIV- und Tuberkuloserate, was man mit Kampagnen und kostenloser Medikation anzugehen versucht wird. Von Isolation bei Tuberkulose scheint man aber wenig zu halten, als Tuberkuloseverbreitungs-Prophylaxe wird viel gelüftet. Auch zahlreiche Schwangere in der Frauenklink sind HIV-positiv. Aufgrund der hohen Malariarate erhält jede Schwangere dreimal während der Schwangerschaft eine Malariaprophylaxe. 

Außerdem gut zu wissen: Kittel müssen selbst mitgebracht werden (darunter wird formelle Freizeitkleidung getragen), ebenso sämtliche OP-Kleidung inklusive Haube und Schuhen für den OP-Bereich! Alle anderen Mitarbeiter bringen sich diese ebenfalls selbst mit. 

Was mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist: die sambische Lebensfreude und das ehrliche Interesse an Anderen. Gerade in deutschen Großstädten ignoriert im Alltag am liebsten Jeder Jeden, das wäre in Sambia nicht denkbar! Die Kultur ist außerdem geprägt von der christlichen Religion. Jeder Sambier geht sonntags in die Kirche, die Straßen sind wie leergefegt. Auch im Krankenhaus wird manchmal gebetet oder es hängen Gebete auf Plakaten an der Wand. Auch bei jungen Leuten wird der Glaube im Alltag gelebt. Die christlichen Wertevorstellungen einer (frühen) Ehe und zahlreichen Kindern werden hoch gehalten, was sich auch in der hohen Geburtenrate des Landes manifestiert.

Im Land sollte man sicher einmal das typische Essen, Nshima – eine Art Maisbrei – probiert haben, die Grundnahrung zu jeder Tageszeit. Es wird mit Fleisch, Fisch oder Gemüse serviert und mit den Händen gegessen – auch in der Klinik essen mittags alle mit den Händen!

Die Stadt Lusaka selbst hat sicher europäische Aspekte mit rush hour, großen malls zum Einkaufen etc. (Unlimitiertes) WLAN gibt es aber so gut wie gar nicht, zum Glück ist die mobile 4G-Abdeckung hervorragend! Deswegen am besten zu Beginn eine lokale SIM-Karte kaufen. Auch die Strom-Abdeckung kann aufgrund der Nutzung hydrostatischer Power und mangelnder Wasserfüllung der Stauseen nicht durchgehend gewährleistet werden, sodass es im Rahmen des „load shedding“ zu bestimmten Zeiten zur Stromabschaltung kommt, in meinem Stadtgebiet z.B. vom 2 bis 6 Uhr morgens jeden Tag. Das lies sich aber gut aushalten, andere dagegen hatten von 6 bis 10 Uhr morgens kein Strom! 

Insgesamt habe ich mich in Lusaka immer sicher gefühlt, auch wenn ich alleine zu Fuß unterwegs war. Man fällt natürlich auf, aber es wurde zum Glück nie unangenehm. Mir wurde geraten, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs zu sein, sodass ich abends lieber auf Taxis zurückgegriffen habe – die App Ulendo ist das Uber von Sambia! 

Was freie Tage angeht, sind die Ärzte relativ entspannt, sodass an den Wochenenden bzw. auch mal einem verlängerten Wochenende Gelegenheit zum Erkunden des Landes ist. Ein „Muss“ in Sambia sind die Viktoriafälle an der Grenze zu Simbabwe. Die sind auch zur Trockenzeit beeindruckend! Die Stadt Livingstone gilt allgemein als die Touristen-Stadt in Sambia, von dort aus sind viele Ausflüge und Aktivitäten möglich. Auch ein Tagestrip zum Chobe National Park von dort aus kann ich empfehlen; ebenso den Kafue National Park ca. 3 Stunden Fahrt von Lusaka entfernt. Sambias Nationalparks sind für Safaris auf jeden Fall einen Besuch wert, man könnte sicher noch viel länger damit verbringen, diese zu erkunden. Aber acht Wochen gehen dann doch schneller rum, als man denkt… Dennoch war es insgesamt eine wirklich tolle Zeit in Sambia, die für mich die ganzen Vorbereitungsmühen wert war. Es war eine Erfahrung, die mich sowohl medizinisch als auch privat bereichert hat und die ich als außergewöhnlichen PJ-Abschnitt weiterempfehlen kann.

Ein großer Dank gilt jungmediziner.de, die mir durch ein Stipendium die Planung und Durchführung meines Auslandsaufenthaltes erleichtert haben und es auf diese Weise jedes Jahr wieder Medizinstudenten ermöglichen, ihre Praktika im Ausland zu absolvieren und so unsere Ausbildung vielfältiger zu machen! 

Würzburg, Oktober 2019

Eure Johanna