Mareike

Das Medizinstudium: Ein Überblick einer Insiderin

Medizin studieren: Ja! Aber was erwartet mich? Dazu kann man sich natürlich einmal den Wikipedia-Artikel zum Medizinstudium durchlesen oder es aber mit diesem Beitrag versuchen. Meine Ausführung ist auch deutlich kürzer als bei Wikipedia, versprochen!

Aufbau des Medizinstudiums

Das Medizinstudium gliedert sich grob in drei Abschnitte:

  • Die Vorklinik,
  • die Klinik und
  • das Praktische Jahr und beträgt damit am Ende in Summe 12 Semester Regelstudienzeit.

Vorklinik

Die Dauer der Vorklinik beläuft sich auf zwei Jahre. In dieser Zeit liegt der Fokus auf dem auffrischen und erweitern des Schulwissen der naturwissenschaftlichen Fächern. Ein jeder darf sich an Physik, Chemie und Biologie erfreuen, die den Grundbaustein für die weiterführenden Kurse legen. Dies betrifft vor allem die Biochemie und die Physiologie, welche die molekularen Stoffwechsel- Prozesse im menschlichen Körper in den Zusammenhang bringen sollen.

Weiterhin führt die Vorklinik die Studierenden in die Welt der Anatomie und Histologie ein. Neben den Basics in der lateinischen Sprache im Rahmen des Terminologie-Kurses wird der makroskopisch sichtbare sowie der mikroskopische Aufbau der Organe und Gewebe vor Augen geführt. Der Präparierkurs an Körperspendern sowie die Mikroskopie der Gewebearten ist für die Ausbildung dabei nahezu unentbehrlich.

Mit der Neuroanatomie wird eines unserer wichtigsten Schaltzentren nochmals extra behandelt: Das Gehirn, ebenfalls unentbehrlich! Ein anderer Einblick entsteht zudem durch erste Kenntnisse in der Medizinischen Psychologie und Soziologie. Diese vermitteln dem Studierenden den Umgang mit Patienten.

Abgeschlossen wird die Vorklinik mit dem sogenannten Physikum, dem „Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“, im Prinzip also die erste Zwischenprüfung. Hier gilt es, das bisher angeeignete Wissen der ersten zwei Jahre eines jeden Faches wieder aufzuarbeiten und im Rahmen einer mündlichen und einer schriftlichen Prüfung wiederzugeben, um – sofern bestanden – das Studium im Klinik-Abschnitt fortzuführen.


Photo by Viktor Hanacek

Klinik

Weiter geht es also mit der Klinik, deren Dauer sich auf drei Jahre beläuft.
Hier werden die unterschiedlichsten klinischen Bezüge in vielen Kursen behandelt. Mikrobiologie mit den Bakterien, Pilzen und Parasiten, Virologie, Hygiene. Chirurgie, Augenheilkunde, Orthopädie, HNO, Innere Medizin, Allgemeinmedizin … usw. Eigentlich fast alles, was einem im Krankenhaus schon mal so zu Ohren gekommen ist – die Medikation im Rahmen der Pharmakologie natürlich nicht zu vergessen.

Vertieft wird das Wissen in einigen Fächern durch praktischen Unterricht. Außerdem können Studierende auf freiwilliger Basis angebotene Kursen der Universitäten wahrnehmen. Im Vordergrund stehen dabei auf Grundlage der in der Vorklinik erarbeiteten Kenntnisse die Anamnese, Diagnosestellung, Symptombehandlung und pharmazeutische Therapie im klinischen Alltag.

Unterstützt wird das Ganze ungemein durch etliche verpflichtende Blockpraktika im 10. Semester und die Famulaturen. Famulaturen sind Fachpraktika, die in verschiedenen Abteilungen in den Semesterferien von den Studierenden absolviert werden müssen. Sie haben eine Mindestdauer von 4×30 Tagen und erfordern bestimmte Regelungen. Dies dient vor allem dazu, um weiterhin einen Eindruck in unterschiedlichste fachärztliche Bereiche und die dabei allgemein wichtigsten Aspekte zu gewinnen.

Die Klinik beendet ein jeder Studierender mit einer erfolgreich bestanden weiteren Abschlussprüfung, dem „Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“: Das Hammerexamen! An dieser Stelle gilt es wiederum, das Wissen der vergangenen drei Jahre durch intensive Vorbereitung noch einmal ins Gedächtnis zu rufen und im schriftlichen Examen zu reproduzieren.

Praktische Jahr (PJ)

Damit geht es im Grundstudium schon in den Endspurt: Das Praktische Jahr (PJ).
Wie der Name vielleicht vermuten lässt, liegt der Fokus im PJ vor allem auf dem „eigentlichen Arztberuf“, den der Studierende mit seinem erworbenen theoretischen und praktischen Wissen selbst erforschen soll. Hierbei wird das Jahr in drei Tertialen à 16 Wochen absolviert. Verpflichtend sind dabei je ein Tertial in der Inneren Medizin sowie in der Chirurgie. Für das letzte Tertial besteht die Wahlmöglichkeit dies in der Allgemeinmedizin oder in einem der anderen Fachgebiete zu erbringen.

Im Vordergrund steht also im Prinzip die Ausbildung am Patienten selbst und wird am Ende des PJ durch eine letzte mündlich-praktische Prüfung, dem „Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“, erfolgreich abgeschlossen, um damit die Approbation als Arzt zu erhalten.

Photo by Viktor Hanacek

Promotion

Wahlweise kann der Medizinstudierende während, aber auch nach dem Medizinstudium promovieren, was in Deutschland zwar nicht vorgeschrieben, von den meisten Studierenden jedoch wahrgenommen wird – zumal die Promotion in der Medizin in den meisten Fällen zeitlich längst nicht so aufwändig ist wie in anderen Fächern.

Facharzt Ausbildung

Nach Approbation kann ein mehrjähriger Facharzt angestrebt werden, dieser wird neben der schon erfolgenden Tätigkeit im Krankenhaus im ausgewählten Fachbereich weiter vertieft. Nach Abschluss kann man sich als Spezialist dessen betiteln.

Fazit

Insgesamt dauert das Medizinstudium sehr lange, jedoch ist es wahnsinnig spannend und umfangreich. Inwieweit sich in Zukunft die Zulassung auf ein Studienplatz verändert, ist fraglich. Außerdem ist offen, ob das Grundstudium im Allgemeinen auch Veränderungen erwartet. Es bleibt also abzuwarten, was sich in nächster Zeit noch entwickelt.

Bis zum nächsten Mal,

Eure Mareike,
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain