Mareike

Erfahrungsbericht: Es ist vollbracht

Die riesige Hürde namens Physikum, sie ist geschafft. Und ja, es fühlt sich wahnsinnig gut an. So wahnsinnig gut!

Nach 3,5 Monaten Durchgelerne, während das 4. Semester parallel noch zu bestreiten war, kann man sich endlich wieder wie ein normaler Mensch verhalten. Nach Lust und Laune und nicht nur Nudeln einkaufen, gemütlich mal einen Kaffee trinken gehen, der nicht direkt in den Mittags-Mensagang integriert wird oder einfach nur entspannt rumliegen und nichts tun.
Endlich kann man wieder ein Stück zurück von dem Leben haben, das man als Student sonst eigentlich zu bieten bekommt. Eine Runde mit Freunden am Main sitzen, wieder richtig Sport machen – ja, viel Sport – oder ein zweites Mal ein bisschen gar nichts.
All diese Dinge sind wieder ohne Stress und Druck möglich, nachdem sie von fast jedem von uns von Dezember bis Mitte März auf ein drastisches Minimum reduziert werden mussten.

Hört sich schlimm an und so war es irgendwie auch – zumindest für die meisten von uns. Aber hey, wir wussten alle, dass das so wird und trotzdem vorbei geht. Und siehe da: Es ist vollbracht.

So – so viel zur groben Lebenslage eines jeden Vorklinik-Studenten.
Hier ein paar Worte zum Examen selber.

Die größte Hürde, so würde ich behaupten, war im Rückblick das Mündliche Physikum.
Drei Stunden Prüfung in den Fächern Biochemie, Physiologie und Anatomie (mit Neuroanatomie und Histologie) zusammen mit zwei Kommilitonen Stuhl an Stuhl gegenüber den drei verschiedenen Dozenten sitzen – pro Fach 20 Minuten Prüfung pro Student. Das war etwas, wovor es den meisten von uns graute. Worauf lässt man sich ein? Werden die Prüfer nett sein?

Man kann es anfangs nicht sagen. Von Klinik-Studenten hört man fast nur Positives und ist trotzdem nicht beruhigt. Ich darf mich jetzt auch zur „Es wird alles gut, du schaffst das“- Masse zählen. Denn ja, Recht hatten sie, die Klinik-Studenten. Solange man sich nicht komplett mit dem Lernstoff hängen lässt, mit den von der Fachschaft gestellten Altprotokollen vorbereitet, in denen z.B. auf etwaige Lieblingsthemen hingewiesen wird und man sich Unterstützung von Freunden und Kommilitonen holt und diese auch im Gegenzug bietet, ist das alles möglich.
Und ja, in der Prüfung hat man mal den ein oder anderen Hänger. Die einfachsten Begriffe und Zusammenhänge wollen einem plötzlich nicht einfallen. Wie oft hatte man die durchgekaut, geübt und mit Freunden vorbereitet? Panik! Aber dann stellt man fest, dass es den Mitprüflingen ebenso geht. „Ha! Das hätte ich gewusst“, denkt man sich, während der andere geprüft wird, „leichte Frage.“ Und dann steht man bei der eigenen einfachen Frage selber auf dem Schlauch. Tja, so ist das. Aber absolut kein Drama und ehe man sich versieht, plötzlich, ist es auch vorbei und den ersten Teil hat man hinter sich gebracht.
Nein, wirklich? Oh man – und dann kommt im Gesicht auch das Riesengrinsen zum Vorschein. Zur Belohnung ein, zwei Abende komplett austoben frei von all dem Uni-Stress und danach geht es weiter.

Das Schriftliche Physikum wiederum ist dann nochmal eine ganz andere Atmosphäre, sowohl was die Prüfung selber angeht, als auch die letzten Tage davor. Denn hier haben die meisten keine große Angst, sondern – einfach. keinen. Bock. mehr. Aber hey, auch kein Problem. Schließlich ist es doch so: Wenn man das ganze schon knapp drei Monate durchgezogen hat, wird man die letzten ein, zwei Wochen ja auch noch durchhalten, oder? Yes, you can.
Zweimal vier Stunden in einem riesigen Saal sitzen, in dem absolute Stille herrscht, insgesamt 320 Kreuzchen setzen und dann stürmt man heraus und kann es kaum glauben, dass es hinter einem liegt, das „große furcheinflößende Physikum“.
Was ist dann angesagt, na? Na logisch.
PARTYY!

Alles in allem ist das Physikum also eine mental wirklich sehr fordernde Riesenhürde, die aber auf jeden Fall zu bestreiten ist und vor der man ruhig auch ein bisschen Respekt haben darf. Denn manchmal hilft dieser Druck auch, noch ein bisschen mehr und noch ein bisschen sorgfältiger zu lernen. Während der ganzen Lernzeit, ja, da wird das ganze sture Reinkloppen der letzten zwei Jahre Stoff langsam unerträglich und man verzweifelt den ein oder anderen Tag an der Menge.

Was man in der stressigen Zeit dabei nicht vergessen darf: Wie oben beschrieben hat man zwar deutlich weniger Zeit für einen gemütlichen Kaffee, viel Sport oder einfach ein bisschen Rumlieg-Nichtstu-Zeit. Die sollte man sich an manchen Tagen aber wirklich nehmen. Muss man. Sonst wird man ja komplett verrückt? Und wer braucht schon verrückte Ärzte. ;)

Also – wie sagte ich schon unendlich viele Male (weil man das ja so macht als motivierender Mediziner). Das wird schon! Und vorbei wird’s sein. Und glücklich wird man sein. Wird es besser? Naja, ob es in der Klinik wirklich besser wird, das berichte ich euch dann beim nächsten Mal. Da müssen wir uns alle erstmal selber ein Bild von machen. :)

Jetzt gibt es erstmal viel verdienten Urlaub, bis es heisst Klinik, wir kommen!

Eure Mareike,
Medizinstudentin an der Universität Würzburg und jungmediziner.de Campus Captain