06.10.2017

Erfahrungsbericht: Famulatur in der Gynäkologie

Ich habe meine letzte Famulatur in der Gynäkologie absolviert und möchte euch in diesem Bericht über einen Tag im Kreissal erzählen.


 

Das Krankenhaus, in dem ich einen Monat Praktikum gemacht habe, war eine sehr große Klinik in Krefeld mit mehr als 2000 Geburten im Jahr.

7:45 Uhr kurze Oberarztvisite vor der Morgenbesprechung mit dem gesamten Team. 2 Frauen liegen im Moment in den Wehen, die eine bereits seit gestern Nachmittag. Beide sind sehr angestrengt aber die CTG’s sehen gut aus. CTG steht für Cardio-Toko-Grafie und zeichnet die Wehentätigkeit sowie die Herzfrequenz vom Kind und die Kindsbewegungen auf. Überall im gesamten Kreissal hängen Monitore mit den laufenden CTG’s, auf ihnen kann man nämlich sehen, wenn das Kind während der Geburt unter Stress gerät zum Beispiel aufgrund von Sauerstoffmangel.
Eine total übermüdete Assistenzärztin gibt eine kurze Übergabe und berichtet von ihrem Nachtdienst. Diese Nacht sind drei Kinder zur Welt gekommen, eines  der Kinder musste per Notkaiserschnitt geholt werden. Es geht aber sowohl den Müttern also auch den Kindern gut.

8:00 Uhr Weiter geht es zur großen Morgenbesprechung mit dem gesamten gynäkologischen Ärzteteam. Noch einmal kurze Berichterstattung über die Nacht und dann geht’s weiter zur Tagesplanung. Heute sind 2 Kaiserschnitte geplant. Die Diensthaben Assistensärztin wird schon einmal runtergeschickt, um die erste Patienten für die OP vorzubereiten.

8:30 Uhr die Patienten liegt jetzt im OP des Kreissaals und hat bereits ihre PDA erhalten. Die Assistenzärztin ist bereits steril und die Oberärztin ist auch gleich bereit. Als alle am Tisch stehen wird der Vater hereingeholt und dann geht es auch schon los. Es dauert keine 2 Minuten da ist das Kind schon auf der Welt und wird direkt weiter zum Check-Up zu den Kinderärzten gegeben. Alles verläuft komplikationslos, die Assistenzärztin darf die Hautnaht machen, um 9:15 wird die Patientin schon in ihr Zimmer gefahren und kann zusammen mit ihrem Mann in Ruhe ihr Kind kennen lernen.

9:30 Uhr die anderen beiden Frauen liegen immer noch in den Wehen. Das Kind der Frau, die schon die ganze Nacht in den Wehen liegt ist schon sehr weit nach unten gerutscht, der Muttermund aber noch nicht komplett geöffnet und bei der anderen Frau kann es auch noch ein wenig dauern.

9:45 Uhr die nächste Frau wir in den OP geschoben, denn der zweite geplante Kaiserschnitt steht an. Dieses mal eine Zwillingsgeburt, das wird also ein bisschen Komplizierter als der Erste. Es klappt aber wieder alles problemlos, jedoch dauert die Op ein wenig länger, weil es zu einer leichten Nachblutung kommt.

11:00 Uhr Beide OPs sind fertig, jetzt geht’s schnell in den Kreissaal, in dem die Frau jetzt schon seit hast 19h in den Wehen liegt. Der Muttermund ist jetzt komplett geöffnet aber die Hebamme macht sich Sorgen um das Kind, das CTG zeigt deutlich, dass es unter Stress steht. Leider ist die Frau schon sehr erschöpft und presst in den Wehen nicht richtig mit. Das dauert alles zu lange, das Kind muss jetzt sofort auf die Welt gebracht werden. Für einen Notkaiserschnitt sitzt es jedoch bereits zu tief also müssen wir es so schaffen. Die Assistenzärztin ruft schnell die Oberärztin an, sie ist innerhalb von einer Minute da. Ohne Hilfe wird die Frau es nicht schaffen, die Oberärztin muss eine Saugglocke dazu nehmen und von unten ziehen während die Mutter presst. Zum Glück ist eine erfahrene Hebamme dabei, die die Frau sehr gut unterstützt und von oben mitdrückt um ihr das Pressen leichter zu machen.

11:23 Uhr das Kind ist auf der Welt und es geht ihm zum Glück gut, jedoch hatte sich die Nabelschnur einmal um den Hals gewickelt, was das schlechte CTG erklärt. Die Mutter muss jedoch noch von der Assistenzärztin genäht werden, weil sie bei der Geburt ein wenig eingerissen ist.

12:15 Uhr endlich ist Zeit für die Stationsarbeit. 4 Abschlussuntersuchungen stehen heute an. Bei diesen werden die Frauen 2 Tage nach der Geburt noch einmal gynäkologisch untersucht und es wird geguckt, ob keine Geburtstverletzungen mehr vorhanden sind. Dann wird die Frau noch darüber aufgeklärt, worauf sie in den ersten Wochen nach der Geburt achten muss. Bei der letzten Patientin gestaltet sich dies leider etwas schwierig, da sie kein Wort Deutsch kann und ihr Mann auch nicht mit zum Übersetzen dazu gekommen ist. Mit Händen und Füßen versucht die Assistenzärztin ihr wenigstens die wichtigsten Dinge zu vermitteln.

13:30 Uhr Die Entlassbriefe müssen geschrieben werden, falls die Ärztin heute wenigstens einigermaßen pünktlich nach Hause gehen möchte ist an Mittagspause nicht zu denken. Also wird nur kurz in das Brot gebissen und los geht es mit dem Papierkram.

14:13 Uhr Die zweite Patientin steht kurz vor der Geburt und zwei weiter Frauen mit Wehen sind angekündigt, die noch einen Ultraschall brauchen. Zuerst in den Kreissaal, das CTG sieht gut aus und die Frau presst gut mit. Nach 5 weitern Wehen ist das Kind da. Jedoch muss auch diese Frau genäht werde, das es ein sehr großes Kind war.

14:40 Uhr Schnell die beiden Ultraschalluntersuchungen erledigen, um dann endlich mit der Schreibarbeit fertig zu werden. Die erste Patientin wird direkt in den Kreissaal aufgenommen, sie ist in der 41. Woche und die Wehen haben bereits begonnen. Die 2. Patientin hat noch ein wenig Zeit, bei ihr handelt es sich nur um Senkungswehen also kann sie noch einmal nach Hause gehen und sich dann am Nächsten Tag wieder vorzustellen.

15:15 Uhr Endlich wieder am Schreibtisch die restlichen Briefe fertig schreiben. Da kommen die Kinderärzte ins Zimmer, um zu besprechen, bei welchen Frauen auf der Station es vielleicht zu Frühgeburten kommen könnte, damit sie wissen, ob sie in den nächsten Tagen mit kleinen Patienten rechnen müssen.

16:00 Uhr Nachmittagsbesprechung mit dem gesamten Team, alle berichten von ihrem Vormittag. Ich gehe jetzt nach Hause aber die Assistenzärztin hat es noch immer nicht geschafft alle Briefe zu schreiben also geht’s zurück in den Kreissaal. Wahrscheinlich wird sie vor 18:00 Uhr nicht zu Hause sein.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in den Kreissaalalltag geben. Eins habe ich in meiner Famulatur auf jeden Fall gelernt, pünktlich macht hier niemand Feierabend aber langweilig wird es dafür auch nie.


Bis bald eure Ariane
Medizinstudierende an der Universtität in Würzburg und jungmediziner.de Campus-Captain


 


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